Letztes Update am Do, 26.09.2019 13:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hommage an Arnulf Rainer in der Albertina



Vor der Albertina wartet eine Menschenschlange auf Einlass. Albrecht Dürer zieht die Massen an. Ab morgen, Freitag, gibt es einen guten Grund, beim Museumsbesuch für zumindest eine halbe Stunde auch in der Pfeilerhalle vorbeizuschauen. „Arnulf Rainer. Eine Hommage“ heißt eine Überblicks-Schau über fast alle Schaffensperioden des Künstlers, der am 8. Dezember seinen 90. Geburtstag feiert.

Als „einem der ganz Großen weltweit“ habe man Arnulf Rainer zu seinem 85er eine große Retrospektive gewidmet, sagte Klaus Albrecht Schröder, der Generaldirektor der Albertina, bei der heutigen Presseführung. Damals waren rund 150 Werke zu sehen, diesmal sind es 43 - dafür (vor allem dank stattlicher Zuwächse mittels „The ESSL Collection“) stammen sie zur Gänze aus dem über 250 Arbeiten umfassenden Rainer-Bestand der Albertina. Obwohl nicht alle Werkphasen in der von Antonia Hoerschelmann getroffenen Auswahl vertreten seien, zeige er sich auch in der Hommage als „ein Verwandlungskünstler sondergleichen“, sagte Schröder. „Arnulf Rainer hat die Kunst nicht nur Österreichs in einer Weise verändert wie nur wenige.“

Der größte Raum startet mit den frühen, stark reduzierten Pariser Arbeiten aus den 1950er-Jahren (hier lohnt sich zum Vergleich ein Abstecher zur parallel laufenden Maria Lassnig-Ausstellung ein Stockwerk tiefer) und konfrontiert diese gleich mit großen, farbigen Schleierbildern der jüngsten Zeit. Polarität kennzeichnete Rainers Schaffen, erläuterte die Kuratorin, expressive Dynamik wechsle mit Kontemplation. „Das Rätselhafte seiner Kunst“ erfordere immer wieder, sich genügend Zeit zum Betrachten zu nehmen, um „aus der Zeit zu fallen“, sagte Hoerschelmann: „Vieldeutigkeit ist ihm wichtig.“

Großflächige Übermalungen zeigen jene Werkgruppen, mit denen Rainer die größte Bekanntheit erlangt hat (inklusive des Schlagzeilen machenden Vandalen-Akts der fremden Übermalung seiner in der Akademie aufbewahrten Bilder). „Dass man meine Übermalungen als aggressiven Akt gesehen hat, das hat mich am meisten betroffen gemacht“, ist an der Wand ein Rainer-Zitat zu lesen. „Dabei kann ich nur etwas überarbeiten, zu dem ich einen Bezug habe, das ich schätze.“ Eine kleinformatige Übermalung zeigt einen mit grüner Leimfarbe übermalten vergrößerten Ausschnitt einer Reproduktion: „Hände (Mona Lisa)“ ist ausgewiesen als Schenkung Rainers an die Albertina aus Anlass des 50. Geburtstags von Schröder. „Arnulf Rainer hat der Albertina unendlich viel geschenkt“, sagte der Direktor.

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In einem Neben-Kabinett sind einige der berühmten Face Farces und Body Poses genannten Foto-Übermalungen sowie Fingermalereien zu sehen, in einem anderen hängen sieben seiner „Kreuze“ und verleihen dem Raum eine sakrale Aura. Am Ende landet man wieder bei schwarzen Flächen. Thomas Bernhard vergleichbar sehe Arnulf Rainer in Negation und Verweigerung einen Schlüssel der Wahrheitsfindung, sagte Schröder. Dass es jedoch auch für Rainer nicht nur einen Weg zur Wahrheit gibt, zeigt auch dieser kleine Überblick eindrucksvoll. Und wie aktuell das Werk des fast 90-Jährigen wirkt, beweist ein Blick in den Galerienkalender, der derzeit laufende Rainer-Ausstellungen etwa bei Thaddaeus Ropac in Paris, in der Galerie am Stein in Schärding und in der Galerie Reinisch Contemporary in Graz ausweist.




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