Letztes Update am Do, 26.09.2019 15:42

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freigesprochener Aktivist Zirngast wieder in Österreich



Der von einem türkischen Gericht kürzlich freigesprochene Aktivist Max Zirngast ist nach Österreich heimgekehrt. Ihm war die Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen worden. Der 30-jährige Steirer wurde am Donnerstagnachmittag auf dem Flughafen Wien von Familie, Freunden und Unterstützern begrüßt.

Zirngast zeigte sich vor den zahlreichen anwesenden Journalisten erfreut, wieder in Österreich zu sein. Man dürfe aber auch nicht vergessen, dass es „Zehntausende“ gebe, die in der Türkei inhaftiert sind, „Zigtausende Prozesse dieser Art“. Er bedankte sich bei seiner Familie und der Solidaritätskampagne #freemaxzirngast, die „bis nach New York“ mit Aktionen auf sein Schicksal aufmerksam gemacht hatten. Und es habe auch in der Türkei Menschen gegeben, die sich gegen solche Dinge aussprachen - „sie sollen nicht vergessen werden“.

Sowohl seine Festnahme als auch sein Freispruch seien „absurd“ gewesen, resümierte der Politikwissenschaftsstudent. Dies zeige aber die „Willkür“, mit der das Regime in der Türkei „alle Form von Opposition drangsalieren“ wolle - „auch wenn man sie nicht schuldig sprechen kann“.

Eine Urteilsbegründung erwartet er in den nächsten ein bis zwei Wochen. Sein Masterstudium der Politikwissenschaft, das er bisher in Ankara absolviert hatte, möchte Zirngast nach eigener Aussage nun „in Österreich oder einem anderen Land in Europa“ abschließen - „und vielleicht noch ein Doktorat anhängen“. Eine Rückkehr in die Türkei, etwa im Urlaub, kann sich Zirngast durchaus vorstellen, „das hängt aber auch von den politischen Verhältnissen ab“.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Zirngast hatte seit 2015 als Student in Ankara gelebt und in dieser Zeit für linksgerichtete Blätter über die politische Situation in der Türkei geschrieben. Er äußerte sich dabei kritisch über das Regime von Präsident Recep Tayyip Erdogan, insbesondere dessen Kurdenpolitik. Der 30-Jährige betonte bei seiner Rückkehr, dass er „nicht ändern werde, was ich bisher gemacht habe“. Das wäre sonst ein „Erfolg“ für jene, die ihn inhaftiert hatten.

Der Steirer wurde im September 2018 festgenommen und anschließend gemeinsam mit den türkischen Aktivisten Hatice Göz, Mithatcan Türetken und Burcin Tekdemir angeklagt. Er wurde am Heiligen Abend 2018 zwar freigelassen, durfte aber das Land nicht verlassen.

Genau ein Jahr nach seiner Festnahme, am 11. September 2019, kam dann der überraschende Freispruch vor einem Gericht in Ankara für Zirngast und alle seine Mitangeklagten. Die Staatsanwaltschaft hatte „aus Mangel an Beweisen“ in diesem Sinn plädiert. Der Aktivist und seine Unterstützer hatten zuvor eher erwartet, dass die türkische Justiz den Fall in die Länge ziehen würde. Eine Woche später wurde das Urteil rechtskräftig, damit durfte der Österreicher aus der Türkei ausreisen.




Kommentieren