Letztes Update am Fr, 27.09.2019 13:20

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gewalt in Nordnigeria eskaliert



Im Norden Nigerias eskaliert die Gewalt durch marodierende Banden. In den vergangenen zehn Monaten seien 40.000 Menschen ins benachbarte Niger geflüchtet, berichtete das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) am Freitag in Genf. In der Region selbst, in Sokoto, Zamfara und Katsina in Nordnigeria, seien nach Schätzungen zusätzlich 200.000 Menschen auf der Flucht.

Für die jüngste Gewalt machten Geflüchtete nicht die islamistische Terrorgruppe Boko Haram verantwortlich, die in der Region seit Jahren die Bevölkerung terrorisiert, sagte ein UNHCR-Sprecher. Wer hinter den Banden stecke, sei aber noch unklar. Sie seien gut organisiert und bewaffnet. „Sie trachten nach Menschenleben“, sagte der Sprecher.

Geflüchtete berichteten von Gewaltexzessen mit Folter, Mord, Entführung und Erpressung, so das UNHCR. Eine 14-Jährige berichtete, in ihrem Dorf seien 50 Menschen getötet worden, darunter ihr Vater und Geschwister. Ihre Schwestern im Alter von drei und vier Jahren seien erschossen, der fünfjährige Bruder mit einer Machete umgebracht worden. Die Angreifer hätten der Familie alle Habseligkeiten gestohlen.

Ende August war ein verschleppter Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation „Action Against Hunger“ getötet worden. Insgesamt sechs Mitarbeiter waren im Juni entführt worden. In dem Fall veröffentlichte die Terrorgruppe ISWAP, der Westafrika-Ableger des Islamischen Staates und eine Splittergruppe von Boko Haram, ein Video, das die Entführten zeigte.

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In der nordnigerianischen Stadt Kadunahat befreite die Polizei unterdessen nach eigenen Angaben mehr als 300 Buben aus einer Koranschule, die dort gefoltert und sexuell missbraucht worden waren. Nach Hinweisen von Anwohnern durchsuchten Sicherheitskräfte am Donnerstagabend die Schule und entdeckten darin die zum Teil noch minderjährigen Opfer, wie Polizeisprecher Yakubu Sabo am Freitag sagte.

Die Schüler stammen nach seinen Angaben aus verschiedenen Ländern. Sie seien unter „entwürdigendsten und unmenschlichsten Bedingungen“ aufgefunden worden, sagte Sabo. Etwa hundert Schüler, darunter Kinder im Alter von neun Jahren, seien in einem kleinen Raum angekettet gewesen. Die Jungen wurden demnach unter dem Vorwand festgehalten, sie sollten im Koran unterrichtet und „gebessert“ werden.

Die Koranschule bestand den Angaben zufolge seit rund zehn Jahren. Der Betreiber und sechs Mitarbeiter wurden laut Polizei festgenommen. Die Polizei war durch Hinweise von Nachbarn auf die Schule aufmerksam gemacht worden. Im überwiegend muslimischen Norden Nigerias gibt es viele private Koranschulen. Sie ersetzen die oft mangelhaften staatlichen Einrichtungen.




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