Letztes Update am Fr, 27.09.2019 14:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mordalarm in Zell am See: 19-Jähriger lag tot auf Spielplatz



Zell am See dürfte erneut Schauplatz eines Mordes geworden sein: Am Sonntag fanden Passanten auf einem Spielplatz im Stadtzentrum der Bergstadt die Leiche eines 19-jährigen Afghanen. Erst bei der Obduktion des Toten am Mittwoch stellte sich heraus, dass der Flüchtling Opfer einer Gewalteinwirkung gegen den Hals geworden war. Die Ermittlungen der Polizei führten rasch zu einem Landsmann.

Der Tote lag auf einem Spielplatz in der Nähe des Schüttbaches. Zunächst ging die Polizei von Selbstmord aus, weil keine Hinweise auf Fremdverschulden offensichtlich waren. „Außerdem hatte der 19-Jährige wenige Tage vorher, am 18. September, erfahren, dass er Österreich verlassen muss“, sagte Polizei-Sprecher Hans Wolfgruber zur APA. Dies wurde als möglicher Grund für einen Suizid betrachtet. Da aber die Todesursache nicht festgestellt werden konnte, wurde dennoch eine Obduktion angeordnet, die am Mittwoch erfolgte.

Dabei wurde klar, dass der Afghane durch Gewalteinwirkung gegen den Hals ums Leben gekommen war, also erwürgt oder mit einem Gegenstand erdrosselt wurde. Die Polizei nahm sofort intensive Ermittlungen auf und stieß rasch auf einen gleichaltrigen Landsmann des Opfers: Beide waren in derselben Flüchtlingsunterkunft untergebracht, die sich ganz in der Nähe zum Tatort befindet, so Wolfgruber. Zeitweise hätten die jungen Männer sogar im selben Zimmer gewohnt. Der mutmaßliche Täter lebte aber nicht dauerhaft im Asylheim, sondern war immer wieder unterwegs. Ihm wurde im Gegensatz zum Opfer humanitäres Bleiberecht in Österreich gewährt.

Erhärtet wurde der Verdacht gegen den 19-Jährigen, weil die Ermittlungen ergaben, dass die beiden Afghanen in der Tatnacht gemeinsam in Zell am See unterwegs waren. Die Kriminalisten erwirkten in der Folge bei Gericht einen Haftbefehl gegen den 19-Jährigen, eine Fahndung wurde eingeleitet. Donnerstagabend griff die Polizei den Verdächtigen schließlich im Bereich des Salzburger Hauptbahnhofes auf und nahm ihn fest.

Der mutmaßliche Täter wurde am Freitag erstmals einvernommen. Da die Befragung gegen Mittag noch nicht abgeschlossen war, konnte der Polizeisprecher vorerst keine Angaben darüber machen, wie sich der Verdächtige zu den Vorhalten äußerte. Auch über das Motiv hielt sich Wolfgruber aus kriminaltaktischen Gründen zunächst bedeckt. „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Die APA erfuhr von Gerüchten über Drogengeschäfte, die durch die bevorstehende Abschiebung des Opfers möglicherweise eine neue Wendung erhalten haben könnten.




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