Letztes Update am Fr, 27.09.2019 14:28

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sieben Migranten vor der Insel Chios ertrunken



Vor der griechischen Insel Chios sind beim Untergang eines Schlauchbootes sieben Migranten ums Leben gekommen. Unter den Todesopfern seien auch ein neugeborenes sowie ein vierjähriges Kind, berichtete der staatliche Rundfunk unter Berufung auf die Küstenwache am Freitag. Zwölf Migranten konnten demnach aus den Fluten von der Besatzung einer vorbeifahrenden Fähre gerettet werden.

Unter den Opfern soll auch ein Schlepper ein, berichtete das örtliche Nachrichtenportal von Chios, Alithia.gr. Die Asylsuchenden waren Freitag früh aus der Türkei aufgebrochen. Sie versuchten die kleine Inselgruppe Inousses (Oinousses) im Nordosten der Insel Chios zu erreichen. Aus welchen Staaten die Migranten stammen, wurde zunächst nicht bekannt.

Zurzeit setzen Hunderte Migranten aus der Türkei zu den griechischen Inseln im Osten der Ägäis über. Vergangenes Jahr kamen auf dieser Route nach Angaben des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) 174 Menschen ums Leben.

Der Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die EU alle Flüchtlinge und Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Die Bearbeitung der Asylanträge kommt wegen Personalmangels jedoch auch heute noch auf den griechischen Inseln nur mühsam voran.

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Die Flüchtlingscamps vor allem auf den griechischen Inseln sind heillos überfüllt. Am schlimmsten ist die Lage im Lager von Moria auf der Insel Lesbos. In und um das Camp, das nur für 3.000 Menschen ausgelegt ist, leben mehr als 12.200 Menschen. Auch auf der Insel Samos sind in einem Lager, das Kapazitäten für 650 Menschen hat, mehr als 5.200 Migranten zusammengepfercht. Die Bürgermeister der Inseln warnen immer wieder vor unkontrollierbaren Zuständen. Ein kleiner Zwischenfall wie ein Streit zwischen Migranten und der Bevölkerung könnte dramatische Folgen haben.

In dem ostafrikanischen Kleinstaat Ruanda trafen unterdessen die ersten 66 Flüchtlinge und Migranten ein, die in Libyen gestrandet waren. Ruanda hatte sich im September bereit erklärt, zunächst 500 und langfristig bis zu 30.000 Menschen aufzunehmen.

Unter den 66 waren 26 Minderjährige, die fast alle ohne Verwandte unterwegs waren, wie das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) am Freitag in Genf berichtete. Sie kamen aus dem Sudan, Somalia und Eritrea.

Wer als Flüchtling anerkannt wird, soll entweder in andere Aufnahmestaaten gebracht werden oder darf sich in Ruanda niederlassen. Abgelehnte Asylbewerber bekommen nach Angaben des UNHCR Hilfe für die Rückkehr in ihre Heimatländer.

Das UNHCR schätzt die Zahl der Geflüchteten im Bürgerkriegsland Libyen auf 50.000. Die meisten wollen über das Mittelmeer nach Europa gelangen. Diejenigen, die von libyschen Behörden aufgegriffen oder von der Küstenwache an der Flucht nach Europa gehindert werden, kommen in Auffanglager. Dort herrschen nach Angaben der Vereinten Nationen unmenschliche Zustände. In den Lagern sollen rund 5.000 Menschen eingepfercht sein. Dazu ist eine unbekannte Zahl in die Hände von Menschenschmugglern geraten, die die Menschen quälen und mit den Bildern deren Familien erpressen.




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