Letztes Update am Fr, 27.09.2019 16:00

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltweite Demonstrationen für mehr Klimaschutz



Über eine Million Menschen sind am Freitag in Italien auf die Straße gegangen, um für eine bessere Klimapolitik und mehr Engagement beim Klimaschutz zu demonstrieren. Dies berichteten die Organisatoren der Fridays For Future-Schülerdemos, die in Italien in 180 italienischen Städten organisiert wurden. Auch in anderen Städten weltweit wird für mehr Klimaschutz demonstriert.

„Wir sind begeistert und sprachlos. In ganz Italien sind wir eine Million Demonstranten“, betonte die 24-jährige Umweltaktivistin Marianna Panzarino, Sprecherin der Bewegung Fridays For Future, die allein in Rom über 200.000 Demonstranten auf die Straße brachte. In Mailand waren es 150.000, in Neapel 100.000. Auch aus Bozen, Triest, Turin, Florenz, Cagliari und Bari wurden Demonstrationen mit jeweils Tausenden von Teilnehmern gemeldet. „Unglaubliche Bilder aus ganz Italien“, twitterte die Schwedin Greta Thunberg, die Bilder der Demonstrationen in mehreren italienischen Städten postete.

Der italienische Premier Giuseppe Conte begrüßte die Klimademonstrationen. „Die Bilder der vielen Jugendlichen, die mit so großer Leidenschaft an diesen Demonstrationen teilnehmen, sind außerordentlich. Seitens der Regierung besteht größtes Engagement, die Forderung nach Wandel in Lösungen umzusetzen. Wir haben alle eine große Verantwortung“, twitterte der Regierungschef.

Der italienische EU-Wirtschaftskommissar, Paolo Gentiloni, bezeichnete die Fridays For Future-Bewegung als „unbremsbare Welle“. Aufgabe der EU sei es, auf die Forderungen der Jugendlichen mit einem europäischen „Green Deal“ mit einschneidenden Umweltmaßnahmen zu antworten.

Der italienische Umweltminister Sergio Costa meinte, man dürfe keine Zeit verlieren. Italien wolle eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz spielen. Am kommenden Donnerstag (3. Oktober) will die Regierung in Rom ein sogenanntes Umweltdekret verabschieden. Dieses sieht unter anderem Steuerbegünstigungen in Höhe von 2.000 Euro für die Verschrottung von Autos der Schadstoffklassen bis Euro 4 sowie für Großhändler vor, die Produkte ohne Verpackung verkaufen. Damit soll die Müllproduktion stark reduziert werden.

„Die „Earth Strike“-Demonstrationen bilden das große Finale der internationalen Klimaschutzwoche „Week for Future“. Bisher habe es im Rahmen der Streikwoche 6.383 Aktionen in 170 Ländern gegeben, berichtete die Klimaaktivistin Greta Thunberg, die am Freitag an einer Großkundgebung im kanadischen Montreal teilnehmen wird.

Deutlich weniger Manifestanten waren es in Ungarn, die für das Klima auf die Straße gingen. Es waren rund 5 000 zumeist junge Leute, die an der dritten Demo für den Klimaschutz teilnahmen - teils mit Genehmigung der Schule, der Eltern oder unerlaubt. Vor dem Parlament in Budapest war eine Kundgebung geplant.

Auch in der schwedischen Heimat von Klima-Aktivistin Greta Thunberg haben sich Menschen in allen größeren Städten an den internationalen Klimaprotesten beteiligt. Unter anderem in Stockholm, Uppsala, Malmö und Umea versammelten sich am Freitagmittag etliche Menschen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Genaue Teilnehmerzahlen waren zunächst nicht bekannt. Insgesamt waren Aktionen und Kundgebungen an mehr als 100 Orten geplant. Auch in anderen Teilen Skandinaviens wurde protestiert, darunter an mehr als 20 Orten in Finnland, wo nach Polizeiangaben allein mindestens 5.000 Menschen zu einem Protest rund um das Parlament in Helsinki kamen.

In Stockholm sprachen die Organisatoren der Bewegung Fridays for Future zunächst von 30.000 bis 40.000 Teilnehmern. Ein Bursche, der bereits früh zu dem Protestzug gekommen war, sagte dem Fernsehsender SVT, er wolle einfach eine schöne Zukunft haben, ohne auf einen anderen Planeten flüchten zu müssen. Im Laufe des Nachmittags wollte unter anderem Popsängerin Robyn auf der Kundgebung auftreten.

Mit einem Klimaprotest hatte in Stockholm alles angefangen: Im Alter von 15 Jahren hatte sich Thunberg im August 2018 mit einem Protestschild mit der Aufschrift „Schulstreik fürs Klima“ vor das schwedische Parlament gesetzt, um die Politik zu mehr Klimaschutz aufzufordern. Daraus hat sich die internationale Klimabewegung Fridays for Future entwickelt. Den Protesten von überwiegend jungen Teilnehmern haben sich längst auch viele Erwachsene angeschlossen.

Thunberg selbst war am Freitag nicht dabei in Stockholm - sie war vor gut einem Monat anlässlich mehrerer Klimagipfel über den Atlantik in die USA gereist. Am Freitag wollte sie an einer Großkundgebung im kanadischen Montreal teilnehmen.




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