Letztes Update am Sa, 28.09.2019 11:29

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Junge Wärter suchen Goethes Werther im Grazer Schauspielhaus



Junge Wärter in Ausbildung begeben sich auf die Spuren von Goethes unglücklich verliebtem Helden - im Grazer Schauspielhaus wird das in Form einer äußerst dynamischen Collage von Jan Koslowski und Nele Stuhler abgehandelt, die zwischen Disco-Klängen und Wagner-Tönen auch ab und zu Zeilen des Geheimrats einfließen lässt. Eine witzige und sehr laute Spurensuche, die am Freitag Premiere hatte.

Drei Männer und sechs Frauen sind in einem Ausbildungscamp namens „Die Institution“ untergebracht und suchen - ja, wonach eigentlich? Wilhelm sucht nach Werther, der hier bei den angehenden Wärtern - minutenlange Wortspiele mit Wärter, Werther, wertvoll usw. konnten einfach nicht ausgelassen werden - war, jetzt aber weg ist. Wilhelm möchte ihn finden, Friederike auch, Lotte sowieso, Albert etwas weniger. Eigentlich ist es nicht die Person selbst, sondern eher die Idee Werther, die alle immer noch zu faszinieren scheint.

Neben den Überlegungen zum den Themen Natur, Frauen, Liebe oder Sex gibt es die Ausbildung, weswegen die schrill gekleidete Gruppe (Kostüme: Marilena Büld) immer wieder exerzierend herumstapft und mit Holzschablonen von Waffen ihre Übungen macht. Dazu die Musik, die alle immer weiter treibt, ohne dass jemand weiß, wohin. Die Freizeit ist genauso öd wie die Ausbildung, und das Thema Langeweile wird hier gekonnt abgehandelt. Von Goethes Briefroman taucht im Laufe des Spiels immer wieder etwas auf, Zitate ebenso wie Themen oder eben Figuren.

Der tragische Held kehrt nicht wieder, hat aber etwas bewirkt: „Werther hat uns das Glück da gelassen, endlich unglücklich sein zu dürfen“, heißt es am Ende. Jan Koslowski und Nele Stuhler erarbeiteten den Text und setzten ihn auch mit den Schauspielstudenten der Kunstuniversität um. Dabei geht es sehr laut und plakativ zu, leise Töne fehlen an diesem Abend leider zur Gänze. Das war schade, denn von Patrick Firmin Bimazubute, Romain Clavareau, Paul Enev, Alina Haushammer, Fanny Holzer, Carmen Kirschner, Ioana Nitulescu, Nataya Sam und Mia Wiederstein hätte man gern mehr gehört als Schreien in unterschiedlichen Varianten.

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