Letztes Update am Sa, 28.09.2019 13:50

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steirischer Ex-Landesrat Gerhard Hirschmann gestorben



Der ehemalige steirische ÖVP-Politiker Gerhard Hirschmann ist tot. Wie Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) Samstagfrüh in einer Aussendung mitteilte, starb der ehemalige Landesrat am Freitag während einer Zugfahrt von Wien nach Graz an einem Herzinfarkt. Hirschmann wurde 68 Jahre alt.

Schützenhöfer sagte, Hirschmann sei ein „großer Intellektueller Denker und ein äußerst sensibler, auch verletzlicher Mensch und politischer Visionär“ gewesen: „Als Leiter des Afro-Asiatischen Instituts, als Abgeordneter und als Landesrat hat er stets den Blick über den eigenen Zaun hinaus gewagt und eine Politik der Liberalen Offenheit und Weite verfolgt - auch gegen den Widerstand in den eigenen Reihen.“ LHStv. Michael Schickhofer (SPÖ) würdigte Hirschmann in einer Aussendung als „Ideengeber, kreativen Kopf und Anpacker“ für die Steiermark: „Was viele für unmöglich hielten, machte er möglich. Gerhard Hirschmann hatte das Format des aktiven Gestalters.“

Gerhard Hirschmann wurde am 28. April 1951 im oststeirischen Gnas geboren. Er promovierte in Graz 1975 zum Doktor der Rechte und war ein Jahr lang als Journalist bei der „Kleinen Zeitung“ tätig. Von 1979 bis 1981 war er Geschäftsführer der VP-Denkwerkstätte „Modell Steiermark“, dann Landesgeschäftsführer der Volkspartei und seit Mai 1983 Mitglied des steirischen Landtags.

In den Jahren 1989 bis 1993 dirigierte Hirschmann den VP-Landtagsklub, bis 1996 war er geschäftsführender Landesparteiobmann. 1993 folgte der nächste Karriereschritt: Hirschmann wurde Landesrat mit den Kompetenzen Personal, Naturschutz und Sport, 1995 bekam er noch den Tourismus dazu, im Jahr 2000 - nach der erfolgreichen Landtagswahl - auch das Kulturressort.

Im Mai 2003 vollzog Hirschmann schließlich - nach 25 Jahren in der Politik - den Wechsel in die Wirtschaft: Es begann eine kurze, bald von heftigen Turbulenzen überlagerte Karriere im EStAG-Vorstand, aus dem er im Juli 2004 nach Suspendierung endgültig ausschied. Nach einem Zerwürfnis mit dem - wenig später zurückgetretenen - Wirtschaftslandesrat Herbert Paierl (ÖVP) entschloss er sich schließlich, mit einer eigenen Liste, der „Liste Hirschmann“, zur Landtagswahl 2005 anzutreten, bei der er den Einzug in den Landtag aber mit 2,05 Prozent der Stimmen verpasste.

Der plötzliche Tod Hirschmanns sorgte für zahlreiche betroffene Reaktionen. Von der Bundes-ÖVP über die steirischen Landesparteien bis hin zur Katholischen Kirche wurde Hirschmann als entschlossener, intellektueller Politiker gewürdigt, der die Steiermark stark geprägt habe.

ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz betonte in einer Aussendung, dass Hirschmanns „Persönlichkeit, seine innovativen Ideen und sein ganzes politisches Wirken“ weit über seine aktive Zeit hinausstrahlen würden: „Er war schon vor Jahrzehnten jemand, der unsere Partei geöffnet hat. Er hat immer über den Tellerrand geschaut und mutige Visionen verfolgt.“

Der steirische Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP) zeigte sich tief betroffen: „Gerhard Hirschmanns umfassendes Wirken als Mitglied der Steiermärkischen Landesregierung ist insbesondere durch seine Leistungen in der Kulturpolitik zutage getreten und bleibt unvergessen.“

Der Klubobmann der Grünen Steiermark, Lambert Schönleitner, würdigte Hirschmann als Politiker, „der festgefahrene Systeme ohne Rücksicht auf sein eigenes politisches Fortkommen hinterfragt und wenn notwendig auch bloßgestellt“ habe. Er bleibe als „erfrischender, intellektueller Redner in Erinnerung, der die demokratische Auseinandersetzung auf höchstem Niveau geführt hat“.

FPÖ-Landesparteiobmann Mario Kunasek sagte, Gerhard Hirschmann habe die steirische Landespolitik über viele Jahre hinweg geprägt: „Er war eine überaus entschlossene Persönlichkeit, die viele positive Impulse in der Grünen Mark gesetzt hat.“

Bestürzt zeigte sich auch der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl vom Tod des früheren Politikers: „Gerhard Hirschmann hat nicht nur die steirische Landespolitik, sondern auch die Arbeit der Katholischen Kirche in der Steiermark mitgeprägt.“




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