Letztes Update am So, 29.09.2019 06:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburg wärmte sich auch mit B-Elf gut für Liverpool auf



Die Saison von Fußballmeister Salzburg läuft weiter nach Plan. Am Samstag ließ sich auch die B-Elf von einem frühen Rückstand gegen die Austria nicht beirren, siegte schließlich 4:1 (2:1) und darf dem vereinshistorischen Höhepunkt am Mittwoch in Liverpool mit Zuversicht entgegenblicken. „Wenn wir all unsere Leidenschaft hineinlegen, dann haben wir Möglichkeiten“, sagte Trainer Jesse Marsch.

Der achte Saisonsieg in der Liga durch Tore von Majeed Ashimeru (33.), Sekou Koita (44., 79.) und Masaya Okugawa (55.) hätte nach dem frühen Rückstand durch ein Eigentor Albert Vallcis (2.) durchaus höher ausfallen können. Dass Marsch im Vergleich zum Cup am Mittwoch in Wien gegen Rapid an acht Positionen umgestellt hatte, änderte daran nichts. „Es war wieder Spielfreude pur und nicht leicht, weil die Mannschaft völlig neu zusammengestellt wurde“, urteilte Sportdirektor Christoph Freund. „Der Konkurrenzkampf ist brutal, weil alle richtig Gute sind. Wir hatten noch nie so eine Tiefe im Kader.“ Ähnlich sah es Außenspieler Patrick Farkas: „Es macht fast keinen Unterschied aus, das zeichnet uns einfach aus.“

Dominik Szoboszlai, Zlatko Junuzovic und Takumi Minamino wurden geschont, Andreas Ulmer kam erst in der zweiten Hälfte ebenso wie Hwang Hee-chan. Topstürmer Erling Haaland fehlte nach einer Erkrankung nach wie vor, dürfte aber für Liverpool wieder fit sein. In der Defensive gab Marin Pongracic nach langer Verletzungspause seinen Saisoneinstand, Mohamed Camara im Mittelfeldzentrum sein Debüt für die Profis. „Heute haben viele Spieler sehr gut gespielt, haben wieder einmal bewiesen, dass sie liefern können, wenn es erforderlich ist“, lobte Marsch.

Der US-Amerikaner setzte diesmal auf eine Dreierkette, eine bisher kaum gesehene Variante, deren Einsatz für Marsch auch beim Champions-League-Hit am Mittwoch (21.00 Uhr) bei Titelverteidiger Liverpool ein Thema sein könnte. „ Wir haben mit den Spielern oft über die Dreierkette gesprochen. Liverpool hat vorne drei sehr gute Spieler, vielleicht könnte es eine Dreierkette werden“, erklärte der Trainer bei „Sky“, naturgemäß ohne sich festzulegen.

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Einer, der am Samstag in dieser Dreierkette sein Comeback gab, war Pongracic. „Es war wieder extrem geil, am Platz zu stehen“, sagte der 22-Jährige, der monatelang verletzt ausgefallen war. „Es liegt bereits sieben Monate zurück, dass ich über 90 Minuten gespielt habe“, erinnert der Kroate, der seine Leistung als „ganz o.k.“ einstufte. „Ich habe einige Zeit gebraucht, um reinzukommen. Mit dem Ball war es o.k., defensiv-taktisch habe ich aber noch etwas nachzuholen.“

Ob es für Liverpool reicht, bleibt abzuwarten, Marsch ist prinzipiell überzeugt von Pongracics Qualitäten: „Wenn er seine Topleistung bringt, ist er einer unserer besten Spieler.“ Nur allzu gerne wäre beim Duell mit der Elf von Jürgen Klopp auch Stürmer Koita dabei, der gegen die Austria zum zweiten Mal en suite in der Startelf stand und nun bei vier Saisontreffern hält. „Ich habe heute und zuletzt alles gegeben, um in Liverpool dabei zu sein“, meinte der 19-Jährige aus Mali.

Koita war es, der beim Ausgleich durch Ashimeru assistierte, noch vor der Pause auf 2:1 erhöhte und so seiner Mannschaft weitere unangenehme Minuten ersparte. Denn die Austria war nach der glücklichen Führung aus Kontern dem zweiten Tor näher als Salzburg - zumindest vorerst. „Es war nicht einfach nach diesem 0:1, aber innerhalb der Mannschaft ist kein Stress aufgekommen“, lobte Marsch.

Die Austria konnte die kleine Chance letztlich nicht am Schopf packen, die ganz große Watschen, wie von manchen Fans wohl befürchtet, blieb ihr schließlich immerhin erspart. Sie präsentierte sich als spielerisch unterlegen, aber intakt - von außen betrachtet keine Selbstverständlichkeit nach dem verpatzten Saisonstart und dem blamablen 2:5-Cup-Aus in Wattens am vergangenen Mittwoch.

„Ich habe den Spielern einen Plan mitgegeben, der aufgrund der derzeitigen Situation defensiv ausgerichtet war“, beschrieb Ilzer seine Strategie. „Der Plan wurde sehr gut umgesetzt. Wir sind mit dem 1:0 gut ins Spiel gekommen, haben dann auch Topchancen auf das 2:0 gehabt. Das hätte uns viel Extraenergie gegeben. Nach dem Ausgleich hatten wir nicht mehr diese Energie in den Zweikämpfen. Aufgrund der zweiten Hälfte ist Salzburg in dieser Höhe ein verdienter Sieger“, resümierte der Steirer.

Einmal mehr betonte er, dass er nach wie vor Spaß an der Arbeit mit der Mannschaft habe. „Wir wollen aus dieser Talsohle herauskommen, auch mit den Fans“, erklärte Ilzer. Er brauche derzeit viel Gespür für seine Truppe. „Auch am Mittwoch bin ich mit den Spielern feinfühlig umgegangen, weil sie völlig verunsichert sind. Ich habe Hilfestellungen gegeben, das werde ich auch jetzt wieder machen“, beschrieb er sein Vorgehen.

Kapitän Alexander Grünwald nahm die Niederlage gefasst hin. „Schade um die Chance auf das 2:0, dann hätte das Spiel vielleicht anders laufen können. Salzburg hat dann immer mehr Druck ausgeübt, war nicht mehr aufzuhalten. Hier kann man verlieren“, meinte der 30-Jährige, der von Ilzer diesmal in die Zentrale einer defensiven Fünferkette beorderte worden war.

Routinier Florian Klein bemerkte einen entscheidenden Unterschied zum Mittwoch. „Es reicht derzeit nun einmal nicht. Aber von der Einstellung her war es etwas anderes“, sagte der Defensivspieler. Das Problem: „Uns fehlt ganz einfach das Selbstvertrauen. Wichtig ist, dass wir jetzt zusammenstehen. Wir müssen es ganz einfach wieder schaffen, während des Spiels Druck aufzubauen. Derzeit gelingt uns das nicht.“ Die nächste Chance dazu bietet sich am kommenden Sonntag. Mit Sturm Graz wartet aber auch da im Heimspiel eine harte Nuss auf die „Veilchen“.




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