Letztes Update am So, 29.09.2019 19:10

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rendi-Wagner will „Weg der Menschlichkeit weitergehen“



SP-Chefin Pamela Rendi-Wagner will trotz der schweren Wahlniederlage weiter machen. „Heute ist eine Zwischenstation, der Weg geht weiter“, sagte sie in einer ersten Reaktion im SPÖ-Festzelt in der Löwelstraße. „Es ist der Weg der Menschlichkeit, den wir gemeinsam weitergehen werden.“ Man habe im Wahlkampf die richtigen Themen gesetzt, befand Rendi-Wagner: „Die Richtung stimmt, wir gehen weiter.“

Rendi-Wagner sprach angesichts der Hochrechnungen wie zuvor Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda von einem „Zwischenergebnis“. Jedoch sei es „nicht das was wir uns gewünscht haben und wofür wir in den letzten Wochen gekämpft haben“, räumte sie ein. „So ehrlich muss man sein.“

Bei den Anhängern im Festzelt bedankte sich die Spitzenkandidatin für die Unterstützung. „Ihr wart großartig“, rief sie ins Publikum. Ein Danke richtete sie auch allen Wählerinnen und Wählern aus. Überzeugt zeigte sie sich, dass im Wahlkampf der SPÖ die richtigen Themen angesprochen wurden. „Es waren die richtigen Themen, es sind die richtigen Themen - und es werden die richtigen Themen sein“, verwies Rendi-Wagner auf die Zukunft. „Ich freue mich, den Weg mit euch weiter zu gehen!“, sagte sie bevor zum wiederholten Mal die Gute-Laune-Wahlkampfhymne „Gleich und verschieden“ von Alf & DJ Mike erklang.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Drozda gratulierte ÖVP und Grünen zum Wahlerfolg. „Es gibt am heutigen Abend zwei klare Wahlsieger, die Grünen und die ÖVP, das ist neidlos anzuerkennen“, so Drozda im ORF. Personelle Konsequenzen bei der SPÖ werde es nicht geben, glaubt der rote Parteimanager.

„Wir haben uns ein besseres Ergebnis erwartet“, gestand Drozda ein. Man müsse aber noch die Auszählung der großen Städte abwarten. Ob die SPÖ in Regierungsverhandlungen eintreten will, sagte Drozda nicht. „Der heutige Abend ist der Wahlabend und das ist kein Abend der Koalitions- oder Sondierungsgespräche.“ Drozda geht aber davon aus, dass ÖVP-Chef Sebastian Kurz den Auftrag zur Regierungsbildung erhält.

Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner und er hätten „die SPÖ vor zehn Monaten übernommen“, berichtete Drozda von einer „schwierigen Zeit“. Die zwei Wahlkämpfe, die in dieser Zeit geschlagen wurden, waren ihm zufolge „nicht überragend erfolgreich“, gestand er ein. Doch Drozda gab sich weiter kämpferisch. „Wir werden den Weg weitergehen“, sagte er. „Und der Weg wird die SPÖ wieder an die Spitze führen“, so der Bundesgeschäftsführer.

Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek hat sich trotz der Niederlage der SPÖ bei der Nationalratswahl hinter Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner gestellt. Auf die Frage, ob die SPÖ nun eine neue Parteichefin brauche, sagte Heinisch-Hosek auf ATV: „Nein, keinesfalls“. Sie sei zwar enttäuscht vom Wahlergebnis, meinte Heinisch-Hosek, „aber wir werden den Weg mit Rendi-Wagner fortsetzen“.

Auch der stellvertretende SPÖ-Klubobmann Jörg Leichtfried hat sich klar gegen eine Obfrau-Debatte ausgesprochen. „Selbstverständlich wird sie (Parteichefin Pamela Rendi-Wagner) weiter Parteichefin bleiben“, sagte er vor Journalisten. Sie habe einen „beherzten Wahlkampf“ geführt. Dank Rendi-Wagner sei die SPÖ immerhin nicht unter 20 Prozent gelegen, wie es manche Umfragen vorausgesagt hätten. „Es ist ein enttäuschendes Ergebnis“, sagte Leichtfried. Die SPÖ habe eine türkis-blaue Mehrheit verhindern wollen, das sei nicht gelungen.

Der Chef der Tiroler Sozialdemokraten, Georg Dornauer, hat eine „Kurskorrektur“ als erste Reaktion auf die Hochrechnung zur Nationalratswahl gefordert. Offenbar habe die SPÖ im Wahlkampf nicht überzeugen können, daher müsse die Partei „ohne Scheuklappen und Tabus“ das Ergebnis besprechen, sagte er im APA-Gespräch. Trotz der Stimmeneinbußen will Dornauer, dass die SPÖ künftig mitregiert.

„In der SPÖ muss sich was ändern“, sagte Dornauer. Trotz guter Arbeit im Nationalrat, habe man kein besseres Ergebnis erzielen können. Auch junge Wähler zu gewinnen und der FPÖ „nach dieser skandalträchtigen Zeit“ Wähler abzuwerben sei nicht gelungen. „Die SPÖ hat die Wahl verloren“, meinte er.




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