Letztes Update am Mo, 30.09.2019 15:20

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trauergottesdienst für Chirac mit Dutzenden Staatsgästen



Frankreich hat mit einer eindrucksvollen Trauerfeier von seinem ehemaligen Präsidenten Jacques Chirac Abschied genommen. Polit-Prominenz aus Frankreich und aller Welt erwies dem Franzosen in der Pariser Kathedrale Saint-Sulpice die letzte Ehre. Mit den Worten „Adieu et merci, Monsieur Chirac“ sagte Erzbischof Michel Aupetit während seiner Predigt über den im Alter von 86 Jahren gestorbenen Chirac.

Zum ersten Mal seit der schrecklichen Brandkatastrophe im April wurde die Glocke von Notre-Dame wieder geläutet. Den ganzen Montag über herrschte in Frankreich Staatstrauer. Zu der großen Trauerfeier kamen zahlreiche internationale Gäste, darunter der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bill Clinton, Kremlchef Wladimir Putin, Monacos Fürst Albert II., Afghanistans Ex-Präsident Hamid Karsai, Libanons Regierungschef Saad Hariri, Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani oder Luxemburgs Großherzog Henri. Chirac war vergangenen Donnerstag gestorben.

Verwirrung gab es hingegen um die Teilnahme von Altkanzler Gerhard Schröder. Entgegen erster Erwartungen kam er doch nicht zur Trauerfeier. Sein Büro ließ mitteilen, dass er gern an den Trauerfeierlichkeiten teilgenommen hätte. Allerdings sei Schröders Büro übermittelt worden, dass der Élyséepalast seinen Wunsch nach einer Einladung aus Platzgründen abgelehnt habe.

Aus Élyséekreisen hieß es, dass auch Schröder zu den Feierlichkeiten erwartet wurde. Er stand auf der Gästeliste des Präsidentenpalasts, ein Stuhl in der Kirche sei am Montagmorgen für ihn reserviert gewesen. Zu der Zeremonie sei keine formelle Einladung verschickt worden. Vielmehr habe man die Kontakte aus dem Ausland gebeten, mitzuteilen, wer kommen möchte. Es handle sich möglicherweise um ein Missverständnis.

An der Seite von Schröder stemmte Chirac sich 2003 gegen die Irak-Angriffspläne des damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Für diesen Protest gegen den amerikanischen Irak-Krieg blieb er international in Erinnerung. „Europa hat einen ganz Großen verloren“, schrieb Schröder am Montag in einem Gastkommentar in der Zeitung „Die Welt“. Chirac habe die deutsch-französische Freundschaft gelebt.

Auch die französischen Ex-Präsidenten François Hollande, Nicolas Sarkozy und Valéry Giscard d“Estaing erwiesen Chirac die letzte Ehre. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte waren ebenfalls in der Kirche, so wie auch zahlreiche Persönlichkeiten aus der französischen Politik und Gesellschaft.

Auffällig war das Fehlen von Chiracs Witwe Bernadette. Medien berichteten, dass sie dem Gottesdienst aus gesundheitlichen Gründen fernblieb. Ebenfalls nicht in Paris war EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker - er war laut Élysée erwartet worden. Die Europäische Kommission gab auf Nachfrage keinen Grund für die Abwesenheit an und wollte mögliche gesundheitliche Gründe nicht bestätigen.

Erzbischof Aupetit würdigte Chirac in seiner Predigt als einen „warmherzigen Mann“, der eine wahre Liebe für die Menschen gehabt habe. Er habe sich in den Räumen des Élysée genauso wohl gefühlt wie auf Landwirtschaftsmessen. Der Sarg Chiracs wurde Berichten zufolge von Chiracs ehemaligen Leibwächtern in die Kirche und wieder hinaus getragen. Saint-Sulpice ist nach Notre-Dame die zweitgrößte Kirche von Paris, Chirac wohnte unweit des Gotteshauses.

Am Morgen hatte sich Macron in der Pariser Kathedrale Saint-Louis-des-Invalides bei einer militärischen Zeremonie von Chirac verabschiedet. In der Kirche am Invalidendom konnten die Franzosen am Sonntag persönlich am Sarg von ihrem ehemaligen Präsidenten Abschied nehmen. Bis in die Nacht bildeten sich hunderte Meter lange Schlangen, Tausende Menschen kamen.




Kommentieren