Letztes Update am Mo, 30.09.2019 22:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weißhaidinger brach mit Diskus-Bronze den WM-Bann



Im Khalifa-Stadion von Doha ist Montagabend der Bann gebrochen. Bei den 17. Weltmeisterschaften in der Leichtathletik schrieben Österreichs Männer erstmals im Medaillenranking an. Lukas Weißhaidinger eroberte im Diskuswurf die Bronzemedaille, insgesamt war es erst die dritte ÖLV-Medaille überhaupt, die erste seit Stephanie Graf 2001 in Edmonton mit Silber über 800 m.

Die Goldmedaille sicherte sich mit 67,59 m der schwedische Topfavorit Daniel Stahl vor dem mitfavorisierten Jamaikaner Fedrick Dacres mit 66,94. Weißhaidinger erzielte in seinem besten Versuch 66,82 m. Der Erfolg lohnt sich für den 27-jährigen Oberösterreicher auch finanziell, vom Weltverband gab es für Platz drei 20.000 Dollar (18.300 Euro), vom Österreichischen Verband dank eines Teamsponsors 25.000 Euro. „Eine Medaille würde mich extrem stolz machen“, hatte Österreichs vierfacher Leichtathlet des Jahres vor dem Finale gesagt.

Mit der Medaille ging Weißhaidinger und seinem Trainer Gregor Högler das höchste der drei genannten Ziele auf. Minimalziel wäre eine Verbesserung des besten WM-Ergebnisses von Platz neun 2017 in London gewesen, nächste Latte war das beste Männer-Ergebnis eines Österreichers, das waren bisher siebente Ränge 1987 in Rom durch Klaus Bodenmüller (Kugelstoß) und 1991 in Tokio durch Hermann Fehringer (Stabhochsprung).

Als Dritter der Jahresweltbestenliste und Gesamtzweiter der Diamond League hatte Weißhaidinger zum Kreis der Medaillenanwärter gezählt. Mit Sicherheitstechnik und Ersatz-Diskus, weil sein Lieblingsgerät nicht akzeptiert worden war, klappte es am Samstag als Zwölfter gerade noch für die Medaillenentscheidung. Mit dem Ersatzdiskus „Eliminator“ war er auch im Finale am Montag angetreten, wählte allerdings die Risikotechnik.

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Anders als in der Quali wusste Weißhaidinger aber schon am Tag vorher, dass auch im Finale der grünorange „Eliminator“ auf ihn warten würde, der Schockmoment im Stadion blieb ihm dieses Mal erspart. Vielmehr hatte man Zeit, sich auf die Umstände einzustellen. Wegen seiner Wurftechnik arbeitet der Oberösterreicher mit Harz, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit galt es noch, die beste Mischung für den besten Grip herauszufinden, damit die Scheibe nicht aus den Fingern rutscht.

Weißhaidinger schleuderte das Gerät gleich einmal auf 66,74 m, womit er nach dem ersten Durchgang die Führung übernommen hatte. Schon im nächsten Versuch drehten die beiden Topfavoriten auf und zogen vorbei. Weißhaidinger verpatzte den zweiten Wurf und machte ihn ungültig. Im dritten arbeitete sich Weißhaidinger mit 66,82 bis auf zwölf Zentimeter an Dacres und die Silbermedaille heran. Bei dem Stand blieb es auch in den weiteren Versuchen. Gemeinsam ging es für das Erfolgstrio auf die Ehrenrunde.

Weißhaidinger erklärte, dass es ein „elektrisierender Wettkampf“ gewesen sei, er habe versucht, die Silbermedaille zu attackieren und andererseits Bronze abzusichern. „Es war extrem eng, es war ein Wahnsinn. Ich habe das erste Mal in meinem Leben im Wettkampf ein kleines Stoßgebet abgegeben. Ich bin happy, dass ich meine Medaille bei einer WM habe.“

Es sei ein großartiges Gefühl, der Druck sei extrem hoch gewesen. „Ich habe gespürt, dass Österreich eine WM-Medaille von einem männlichen Athleten sehnlichst erwartet. Es ist ein gutes Gefühl, dass ich dem gerecht geworden bin. Es ist ein bisschen surreal, es fühlt sich ein bisschen so an, als ob jetzt noch ein Wettkampf kommt.“

Die Tragweite dessen, was er erreicht hatte, war dem 27-Jährigen allerdings bewusst. „Ich freue mich, dass ich in der Geschichte Österreichs der beste männliche Leichtathlet bin. Das macht mich extrem stolz. Jetzt habe ich ein bisschen Geschichte geschrieben, wie man so sagt. Jetzt werden wir irgendwie schauen, dass man unsterblich wird in Österreich.“

Trainer Gregor Högler erklärte, „irrsinnig stolz auf Luki“ zu sein. „Er ist wirklich ein cooler Hund. Der geht da rein und tut, wie wenn nichts gewesen wäre. Er ist ein Wahnsinn.“ Weißhaidinger hatte den Umstand, dass sein Lieblingsdiskus nicht zur Verfügung stand, rasch abgehakt und mit dem Ersatzgerät zugeschlagen.




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