Letztes Update am Di, 01.10.2019 10:31

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Wir Staatskünstler“ zünden „Patriotismus-Turbo“



„Nach diesem Wahlabend brauchen wir uns keine Sorgen machen, dass uns das Material ausgeht.“ Das ist das Resümee von „Staatskünstler“ Robert Palfrader zum Ausgang der jüngsten Nationalratswahl. Im Gegenteil: Motto und Titel des neuen Programms, mit dem „Wir Staatskünstler“ am kommenden Freitag im Wiener Rabenhof Premiere haben, lautet: „Jetzt erst recht“.

„Die Richtung stimmt“ - das kann auch das „Staatskünstler“-Trio für sich behaupten, denn schon in den ersten Politiker-Statements gab es einige Steilvorlagen für sie. „Wir haben am Wahlabend in Oberwart gespielt. In der Pause wurde ‚Zeit im Bild‘ gezeigt. Danach haben wir haben gleich ein paar von den Dingen, die wir dort gehört haben, verarbeitet“, erzählt Florian Scheuba im APA-Gespräch.

„Es gibt im Programm einen Platz für laufende Aktualisierungen. Wir haben aber mit professioneller Freude festgestellt, dass die meisten Sachen, die wir da geschrieben haben, in unserer Vermutung richtig waren. Fürs Erste müssen wir das Programm nicht umschreiben.“ - „Aber natürlich sind schon auch unvorhergesehene Sachen passiert“, ergänzt Thomas Maurer: „Wir bangen zum Beispiel noch sehr um die Zukunft der österreichischen Tiere, weil sich noch nicht klar abzeichnet, dass Philippa Strache sich weiter für sie einsetzen wird können.“

Das Kapitel Strache sei wohl dennoch noch lange nicht abgeschlossen, meint Palfrader. „Ich glaube nicht, dass uns H.C. Strache abhandenkommen wird.“ Maurer: „Weil er aus tiefem Herzen fühlt, dass es schade wär um ihn.“ Und Scheuba: „Ich glaube, dass sehr viele parteiinterne Diskussionen in der FPÖ bevorstehen. Ich glaube, dass H.C. Strache momentan ein bisschen Vergangenheitsbewältigung macht und zu Hause schaut, was er findet in seinen Schubladen, in seinem Tresor, in seinem Panic Room. Da könnte noch einiges herumliegen, von dem er sich dann überlegen wird: Wen könnte das interessieren? Vielleicht steht am Ende sogar die Gründung eines HCÖ.“ Thomas Maurer hat „auf der Strache-Facebookseite ein Posting gefunden, dass wenn Schwarz-Grün kommt, sie es sein werden, die dann flüchten müssen. Ich bin gespannt, wann die Ersten in Syrien eintreffen werden.“

Andere werden in der Innenpolitik als Akteure wohl künftig keine große Rolle mehr spielen. „Der Name Thomas Drozda fällt im Programm - und jetzt passt es noch besser“, schmunzelt Scheuba. „Um Peter Pilz tut es mir leid. Ich bin froh, dass er als Journalist weitermacht“, sagt Palfrader. „Er hatte eine sehr wichtige Funktion...“ - „... und war als lästige Krätzn eine Klasse für sich“, wirft Maurer ein.

Die drei Kabarettisten sind im Zusammenspiel routiniert. Seit 2011 kommentieren sie immer wieder gemeinsam das politische Geschehen. Der eben im Ueberreuter Verlag erschienene Rückblick „Wir Staatskünstler - Das Buch zum Staat“ erinnert an den gemeinsamen Erstauftritt bei der Lesung der Abhörprotokolle aus der BUWOG-Affäre im Audimax und an die Höhepunkte ihrer Auftritte auf der Bühne (u.a. sogar im Burgtheater) und im Fernsehen. „Aus der Staatskünstlervilla des ORF sind wir ja rausgeflogen. Wir wurden delogiert“, beklagt Palfrader. „Da wohnt jetzt der Gabalier drinnen“, so Scheuba. Ein Aschermittwoch-Auftritt heuer auf PULS 4 soll aber seine Fortsetzung finden.

Im Buch sieht man auch einzigartige Fotodokumente von jener Zeremonie, bei der Heinz Fischer die Drei als Staatskünstler ja auf Lebenszeit angelobt hat. Was wird der Altbundespräsident zum neuen Programm sagen? Palfrader: „Der nennt uns traditionell jedes Mal, wenn er uns sieht, Rotzbuben, Spitzbuben oder Lauser und tätschelt dabei zärtlich unser Haupthaar. Ich glaube, er wird zufrieden sein, wenn er kommt.“ - „Wir werden ihm Gelegenheit bieten, sein tolerantes Schmunzeln einzusetzen“, ist sich Maurer sicher.

Das Staatskünstler-Buch erinnert auch an legendäre Ausflüge der Berufsnestbeschmutzer, die in Kamerabegleitung bei Politiker-Begegnungen und Aufdecker-Recherchen in ganz Österreich die Realsatire zum Teil ihrer Programme machten. „Diesmal sind wir nach Osttirol, ins Defreggental gefahren, wo die FPÖ ihr freiheitliches Bildungszentrum hat. Wir wollten nachsehen, ob man dort wirklich, wie man vorhatte, für den Bürgerkrieg gerüstet ist“, erzählt Scheuba. „Und wir haben die KTM-Motorhall besucht , die ihre 1,8 Millionen Euro Kulturförderung wirklich verdient hat, wie wir bei unserem Besuch feststellen.“

Werden die „Staatskünstler“ in dem neuen Programm, zu dem Gerhard Haderer Illustrationen liefert, auch wieder ihnen zugespielte Dokumente aus den Schubladen zaubern? Scheuba: „Wir haben in der Biotonne von Hugo Portisch Filmmaterial gefunden, das wir veröffentlichen werden.“ Maurer: „Es ist das berüchtigte, mit versteckter Kamera aufgenommene Video, das Arthur Seyß-Inquart und seinen Chef in einer Villa am Starnberger See im Gespräch mit einer vermeintlichen deutschen Rüstungsindustriellennichte zeigt.“ Palfrader: „Die Hintermänner liegen bis heute im Dunkeln.“

Das ist ja alles schön und gut, aber werden die „Staatskünstler“ ihre von ihnen stets proklamierten edelsten Aufgaben auch wirklich gewissenhaft erfüllen? Also etwa die Hand beißen, die einen füttert? „Wir haben keine Hand mehr, die uns füttert. Das ist nur noch der Zuschauer selber“, sagt Palfrader dazu.

Werden wenigstens Tüchtige und Anständige verhöhnt? „Na ja, HC ist ja irgendwie tüchtig und anständig. Er hat ja immer gesagt, er muss im gesetzlichen Rahmen bleiben“, sagt Scheuba. Und wie steht es mit der Herabwürdigung des Staates und seiner Symbole? „Im Gegenteil. Wir zünden im Pausenfinale einen Patriotismus-Turbo, wie er nicht nur auf österreichischen Kleinkunstbühnen wohl noch kaum jemals so zu sehen war“, versichert Maurer. „Wenn die John Otti Band das sieht, wird sie bei uns noch um Nachhilfestunden ansuchen“, ergänzt Palfrader.




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