Letztes Update am Di, 01.10.2019 14:08

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


China feierte 70 Jahre Volksrepublik mit Militärparade



Mit einer gigantischen Militärparade hat China den 70. Jahrestag der Gründung der kommunistischen Volksrepublik gefeiert. Staats- und Parteichef Xi Jinping sagte in einer Rede zu Beginn der Zeremonie in Peking, niemand könne „das chinesische Volk und die chinesische Nation auf ihrem Weg nach vorne stoppen“. Überschattet wurden die Feiern von erneuten Protesten in Hongkong.

Rund 15.000 Soldaten marschierten am Dienstag über den Tiananmen-Platz (Platz des Himmlischen Friedens) in der Hauptstadt. Aufgefahren wurden Panzer, Raketen und High-Tech-Drohnen sowie eine ballistische Interkontinentalrakete mit einer Reichweite bis in die USA, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden kann, und der neue Hyperschallgleiter DL-17.

„Keine Kraft kann die Grundfeste dieser großartigen Nation erschüttern“, sagte Präsident Xi am Tiananmen-Tor - dem Ort, an dem Mao Zedong (Mao Tse-tung) am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausgerufen hatte. Er trug einen Mao-Anzug und nahm nach seiner Rede in einer Limousine mit geöffnetem Dach die Militärparade ab.

Bei der laut den chinesischen Staatsmedien größten Militärparade in der Geschichte des Landes flogen auch Militärhubschrauber und Kampfflugzeuge über Peking. Rund hunderttausend Zivilisten nahmen anschließend an einem Umzug mit 70 Festwagen teil, die Chinas größte Errungenschaften zeigten. Die Feierlichkeiten fanden unter strikten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Auch in Hongkong, das seit Monaten von Massenprotesten gegen Chinas wachsenden Einfluss beherrscht wird, wurde der Nationalfeiertag begangen. Aus Sicherheitsgründen wohnten Regierungsvertreter der chinesischen Sonderverwaltungszone der Zeremonie in der Früh in einem Messezentrum bei - statt wie sonst üblich im Freien.

Zehntausende Menschen trotzten später einem Demonstrationsverbot der Behörden und gingen ungeachtet massiver Sicherheitskontrollen erneut für mehr Demokratie auf die Straßen. Sie sangen die Hymne der Protestbewegung, bewarfen ein Porträt des chinesischen Präsidenten mit Eiern und rissen riesige Plakate zum 70. Jahrestag der Republiksgründung nieder, um anschließend mit den Füßen auf ihnen herumzutrampeln.

Aktivisten hatten anlässlich des chinesischen Nationalfeiertags zu einem „Tag der Trauer“ aufgerufen und die Bewohner der Metropole gebeten, schwarze Kleidung zu tragen. In rund einem Dutzend Bezirken folgten die Menschen dem Aufruf.

In mindestens vier Bezirken lieferten sich Polizisten und radikale Gruppierungen über Stunden hinweg heftige Auseinandersetzungen. Die Beamten gingen mit Gummigeschoßen, Tränengas und Wasserkanonen gegen die Demonstranten vor, diese setzten Barrikaden in Brand und schleuderten Steine und Molotowcocktails.

Ein Demonstrant wurde durch den Schuss eines Polizisten an der Brust verletzt. Videoaufnahmen zeigten, wie der Polizist aus nächster Nähe auf den jungen Mann schießt. Vonseiten der Polizei hieß es, die Einheit des Beamten sei im Stadtbezirk Tsuen Wan von Demonstranten angegriffen worden. Polizisten hätten dem Verletzten Erste Hilfe geleistet, danach sei er von Sanitätern in ein Krankenhaus gebracht worden. Nach Angaben eines Hongkonger Krankenhaus-Vertreters wurden am Dienstag 15 Menschen verletzt, eine Person befindet sich demnach in kritischem Zustand.

Die EU-Kommission rief zu Gewaltverzicht in Hongkong auf. „Angesichts der andauernden Gewalt und Demonstrationen in Hongkong sind Dialog, Deeskalation und Zurückhaltung die einzigen Wege, die erfolgsversprechend sind“, sagt eine Sprecherin in Brüssel. Es müsse mehr getan werden, um das Vertrauen der Gesellschaft wieder herzustellen. Zudem müsse die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit gewahrt bleiben.

In Hongkong gibt es seit Monaten Massenproteste gegen die wachsende Einflussnahme der Regierung in Peking und die Beschneidung der Bürgerrechte. Chinas Staatschef Xi wandte sich in seiner Ansprache explizit an die Menschen in der chinesischen Sonderverwaltungszone und sicherte ihnen zu, am Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ festzuhalten.

Gleichzeitig rief er zu einer „friedlichen Entfaltung“ der Beziehungen zu Taiwan auf, bekräftigte aber seine Entschlossenheit, die Einheit Chinas notfalls mit Gewalt wiederherzustellen. China betrachtet die Insel Taiwan als eine abtrünnige Provinz. Der Streit um den Status Taiwans geht auf den Bürgerkrieg in China zurück, als die Truppen der nationalchinesischen Kuomintang unter Chiang Kai-shek (Tschiang Kai Schek) nach ihrer Niederlage gegen Maos Kommunisten nach Taiwan flüchteten. Seit Gründung der Volksrepublik 1949 betrachtet Peking die Inselrepublik, die heute eine Demokratie ist, als eigenes Territorium und droht mit einer Rückeroberung.

Menschenrechtsgruppen nahmen unterdessen Chinas Nationalfeiertag zum Anlass, um an die Unterdrückung von Minderheiten wie den muslimischen Uiguren und der Zerstörung buddhistischer Stätten in Tibet zu erinnern.




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