Letztes Update am Di, 01.10.2019 19:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eike Schmidt sagt dem KHM ab und bleibt in Florenz



Gerüchte gab es seit langem. Sie wurden von Eike Schmidt stets dementiert. Er freue sich auf Wien, betonte der deutsche Kunsthistoriker, der seit Ende 2015 Direktor der Uffizien ist, immer wieder. Nur einen Monat vor seinem Amtsantritt als Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM) gab es am Dienstag jedoch einen Knalleffekt: Schmidt bleibt doch lieber in Florenz und sagt dem KHM ab.

„Die kurzfristige Absage ist höchst unprofessionell und eigentlich beispiellos“, kommentierte Kulturminister Alexander Schallenberg gegenüber der Tageszeitung „Die Presse“ sein Telefonat mit dem designierten KHM-Chef am Dienstag. „Das Kapitel Eike Schmidt ist damit abgeschlossen. Jetzt geht es darum, rasch für klare Verhältnisse zu sorgen. Deswegen habe ich die ehestmögliche Ausschreibung der wissenschaftlichen Geschäftsführung veranlasst“, so Schallenberg. Er habe Sabine Haag gebeten, das KHM weiterhin interimistisch zu führen. Am Freitag soll es ein Treffen zwischen dem Minister und Schmidt geben, hieß es weiter. Bereits für Donnerstag wurde im Kunsthistorischen Museum eine Mitarbeiterversammlung angesetzt.

Den Ausschlag für Schmidts Entscheidung könnte eine Personalwechsel in der italienischen Regierung gegeben haben: Seit kurzem ist erneut der Sozialdemokrat Dario Franceschini Kulturminister. Er hatte vor einigen Jahren jene Museumsreform durchgesetzt, der auch Eike Schmidt seinen Chefposten in Florenz verdankt. Die unsichere kulturpolitische Situation in Italien, bei der etliche ausländischen Museumsdirektoren nicht verlängert wurden, hatte Schmidt dann zu seiner Bewerbung für Wien veranlasst.

Schmidt hätte hier sein Amt am 1. November antreten sollen. Wenige Tage zuvor, am 25. Oktober, findet in der Kuppelhalle des KHM ein festlicher Abend zu Ehren von Sabine Haag statt, zu dem die Vorsitzende des Kuratoriums, Ulrike Baumgartner-Gabitzer, und der kaufmännische Geschäftsführer Paul Frey, geladen haben. Der als Abschiedsabend geplante Event wird nun unter ganz anderen Vorzeichen stehen. Ob Haag, die sich erfolglos um die Verlängerung ihres Mandats beworben hatte und aufgrund der laufenden Verpflichtungen Schmidts in Florenz bereit war, interimistisch das Haus weiterzuführen, auch für eine Verlängerung ihres Interims-Mandats zur Verfügung steht, war vorerst nicht in Erfahrung zu bringen: Sie flog am Dienstag zur „Maximilian“-Ausstellung nach New York.

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„Wir begegnen der neuen Situation mit großer Gelassenheit: Wir haben eine aufrechte und intakte Geschäftsführung und eine detaillierte Planung bis weit in 2020/21 hinein“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Paul Frey in einer ersten Reaktion. Frey, der selbst einen Vertrag bis 2021 besitzt, hatte vom 1. September 2017 „bis in die letzten Tage“ die Übergabe auf die neue Geschäftsführung vorbereitet, die mit Ende Oktober auch formal vollzogen werden sollte. Ob er sich nun düpiert fühle, wollte er nicht kommentieren: „Meine Gefühle spielen gar keine Rolle.“




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