Letztes Update am Mi, 02.10.2019 09:06

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mehr als 100 Verletzte in Hongkong an Chinas Jahrestag



Bei den Protesten am 70. Gründungsjubiläum der Volksrepublik China sind in Hongkong Krankenhausangaben zufolge mehr als 100 Menschen verletzt worden. Der Zustand des 18-Jährigen, dem ein Polizist mit scharfer Munition in die Brust geschossen hatte, sei stabil, teilten die Behörden mit.

Auf einem in sozialen Netzwerken geteilten Video war eine turbulente Kampfszene zwischen einer Gruppe von Demonstranten und Polizisten zu sehen. Der junge Mann ging mit einer Stange auf einen der Beamten los, daraufhin feuerte dieser aus nächster Nähe aus seinem Revolver. Der Demonstrant ging zu Boden.

Die Polizei teilte mit, sie bedauere, dass der Schüler verletzt wurde. Der Beamte, der den Schuss abgab, habe aber um sein Leben und das seiner Kollegen gefürchtet. Schüler an mehreren Schulen in Hongkong hielten am Mittwoch Proteste wegen des Schusses ab.

Insgesamt wurden bei den schweren Protesten am Vortag 104 Menschen verletzt, wie die Krankenhaus-Behörde weiter mitteilte. Zwei von ihnen waren demnach noch in einem kritischen Zustand.

Trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen und eines Demonstrationsverbots hatten sich Demonstranten und Polizisten am Dienstag einige der schwersten Zusammenstöße seit Beginn der Demokratie-Proteste vor fast vier Monaten geliefert. Mehr als 180 Menschen wurden festgenommen. Auch am Mittwoch waren weitere Protestaktionen geplant, darunter Schulstreiks als Reaktion auf den Einsatz von scharfer Munition gegen Demonstranten.

Nach den Straßenschlachten waren am Mittwoch wieder alle U-Bahn-Stationen geöffnet. Allerdings kam es noch zu Verspätungen, weil noch Schäden beseitigt werden mussten. Die Straßen der ehemaligen britischen Kronkolonie waren am Vortag im Chaos versunken. Regierungsgegner schleuderten Brandsätze und Steine, Einsatzkräfte reagierten mit Tränengas und Wasserwerfern.

Tausende Demonstranten nutzten die Aufmerksamkeit rund um den Jahrestag, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Viele Hongkonger befürchten, dass sie politische Sonderfreiheiten verlieren könnten. Inzwischen richten sich die Proteste auch gezielt gegen Peking. Die ehemalige britische Kronkolonie ist seit 1997 eine chinesische Sonderverwaltungszone.




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