Letztes Update am Mi, 02.10.2019 11:09

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


KHM-Gipfeltreffen in New York



In New York City geht es am Mittwoch um die Zukunft des Kunsthistorischen Museums. Noch vor der für Vormittag (Ortszeit) angesetzten Pressekonferenz im Metropolitan Museum, bei der die „Kaiser Maximilian“-Schau mit vielen Leihgaben aus Österreich präsentiert wird, werden sich Kulturminister Alexander Schallenberg und die interimistische KHM-Generaldirektorin Sabine Haag zum Gespräch treffen.

Die Eröffnung der New Yorker Ausstellung „The Last Knight: The Art, Armor, and Ambition of Maximilian I“ wird von einem beispiellosen Eklat überschattet: Der designierte KHM-Chef Eike Schmidt, der sein Amt am 1. November antreten sollte, hat gestern per Telefon dem Minister abgesagt. Schallenberg steht nun unter Zugzwang. Er habe Sabine Haag gebeten, das Haus weiterhin interimistisch zu führen, hieß es gestern in „Die Presse“. Haag hatte sich vor zwei Jahren vergeblich um eine Vertragsverlängerung beworben, war aber bereit gewesen, weiterzuarbeiten, um Schmidt den regulären Abschluss seiner Amtszeit in den Uffizien zu ermöglichen.

Am Kunsthistorischen Museum gibt es am Mittwochvormittag eine Mitarbeiterversammlung. „Wir sind alle vor den Kopf gestoßen“, beschrieb gegenüber der APA eine Mitarbeiterin die Stimmung im Haus, in dem seit gestern Nachmittag eine Sitzung die andere jagt. Eike Schmidt wird unterdessen in Wien erwartet. Am Donnerstag (18.30 Uhr) soll er bei der Tagung des Verbands österreichischer Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker im Semperdepot einen Vortrag halten. „Die 20. Tagung fragt unter dem Titel ‚An der Schwelle. Liminalität in Theorie und kunsthistorischer Praxis‘ nach Zwischenräumen und Übergängen sowohl als Thema in der Forschung als auch als Herausforderung in diversen kunsthistorischen Berufsfeldern“, heißt es dazu in der Ankündigung. Derzeit scheint niemand berufener zu sein, darüber zu sprechen, als Eike Schmidt.

Das italienische Kulturministerium erhielt von Uffizien-Direktor Schmidt laut eigenen Angaben keine Mitteilung, dass er auf die Leitung des KHM verzichtet habe. „Wir haben diese Nachricht von Medien erfahren“, erklärte Mattia Morandi, Pressesprecher von Italiens Kulturminister Dario Franceschini, im Gespräch mit der APA. „Schmidt hat uns nicht mitgeteilt, dass er auf die Generaldirektion des KHM verzichtet hat. Wir haben von ihm keine direkte Information, wir haben lediglich von Medien erfahren, dass er auf den Posten verzichtet hat. Wir hoffen, dass es nicht zu diplomatischen Problemen mit Österreich kommt“, meinte Morandi. Gerüchte über einen möglichen Verbleib Schmidts als Uffizien-Direktor könne er nicht kommentieren.

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Morandi schloss nicht aus, dass es in den vergangenen Tagen zu Kontakten zwischen dem Kulturministerium und Schmidt gekommen sei. Vermutet wird in Italien, dass Schmidt auf den KHM-Chefsessel verzichtet habe, weil er vom italienischen Kulturminister Franceschini einen neuen vierjährigen Vertrag als Uffizien-Direktor erhalten habe. Uffizien-Sprecher Andrea Acampa konnte die Berichte über Schmidts Verzicht auf die Führung des KHM ebenfalls nicht bestätigen. Der 51-jährige Schmidt sei derzeit in Wien, wo er sich an der Tagung des Verbands österreichischer Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker beteiligt.

Der Sozialdemokrat Franceschini ist seit einem Monat wieder Kulturminister in Italien. Er hatte den Posten bereits zwischen 2014 und 2018 besetzt und eine einschneidende Museumsreform über die Bühne gebracht. Diese hatte ausländischen Kulturmanagern wie Schmidt die Tore der prestigereichsten italienischen Museen geöffnet. Der Tiroler Peter Assmann wurde 2015 zum Direktor des Herzogspalasts in Mantua ernannt. Der Linzer Peter Aufreiter rückte zum Direktor der Galleria Nazionale delle Marche in der mittelitalienischen Stadt Urbino auf.

Franceschinis Nachfolger Alberto Bonisoli, der von Juni 2018 bis August 2019 im Amt war, hatte jedoch die Museumsreform zum Teil rückgängig gemacht. Das Mandat einiger ausländischer Direktoren wurde nicht verlängert. Assmann übernimmt im November die Leitung der Tiroler Landesmuseen, während Aufreiter ab 1. Jänner 2020 als Direktor des Technischen Museums Wien amtieren wird. Mit Franceschinis Wiederernennung zum Kulturminister wird wieder mit einem ausländerfreundlicheren Kurs in Italiens Kulturpolitik gerechnet.




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