Letztes Update am Do, 03.10.2019 11:00

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburgs Ziel bleibt Überwintern im Europacup



Dem 6:2-Auftaktsieg über Genk und der fast geglückten Aufholjagd bei Liverpool zum Trotz will Red Bull Salzburg die Ziele bei der erstmaligen Teilnahme an der Fußball-Champions-League nicht revidieren. „Es ist alles möglich, aber Grundziel bleibt, dass wir international überwintern“, sagte Sportdirektor Christoph Freund nach der 3:4-Niederlage beim Titelverteidiger an der Anfield Road am Mittwoch.

Mit drei Zählern ist Salzburg punktegleich mit Liverpool Dritter, Napoli, das am Mittwoch bei Schlusslicht Genk (1) remisierte, liegt mit 4 Punkten in Front. Die Italiener sind am 23. Oktober (in Salzburg) bzw. am 5. November (auswärts) der kommende Gegner. Um für die K.o.-Phase zumindest in die Europa League umzusteigen, müsste man auf Rang drei vor Genk kommen. „Wir sind immer noch Außenseiter“, erklärte Freund im Hinblick auf den Kampf um einen Achtelfinalplatz in der Champions League. „Nach Napoli wird es sich eh weisen.“

Vielleicht war es auch Understatement von Freund, der von der Leistung gegen Liverpool sichtlich angetan war. „Wir haben gezeigt, dass wir auch auf diesem Level mitspielen können. Ein 0:3 an der Anfield Road aufzuholen, ist noch nicht vielen Mannschaften gelungen“, sagte Freund. „Es ist nur schade, dass wir unser Spiel in der ersten halben Stunde nicht auf den Platz gebracht haben, nicht so mutig waren. Es wäre noch mehr drinnen gewesen. Wir sind stolz, trotzdem ist es schade, dass wir nichts Zählbares mitnehmen konnten.“

Einmal mehr habe das Team jedenfalls internationale Werbung für den „Bullen“-Kick gemacht. „Ein cooler Fußballabend, der lange in Erinnerung bleiben wird.“ Nicht zuletzt dank Neo-Coach Jesse Marsch. „Den Charakter eines Trainers sieht man auf dem Platz. Wir sind furchtlos, mutig, haben richtig viel Energie, und es macht Spaß, zuzuschauen“, schwärmte Freund, um scherzend anzufügen: „Vielleicht überlegt die UEFA, dass wir nicht so schlecht in die Champions League passen.“

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Bei Salzburgs Fußballern hinterließ die Niederlage gemischte Gefühle. Denn nach der atemberaubenden Aufholjagd schien zumindest ein Remis für die „Bullen“ möglich. „Es hat nicht viel gefehlt“, meinte Kapitän Andreas Ulmer. Abgesehen von Punkten könne seine Truppe aber „sehr viel mitnehmen“.

Die Erkenntnis, die vielleicht beste Mannschaft der Welt vor deren eigenem Publikum an den Rand eines Punkteverlusts, vielleicht sogar einer Niederlage gebracht zu haben, soll sich für die großteils junge Salzburger Truppe noch als wertvoll erweisen. „Vielen war es möglicherweise noch nicht so bewusst, dass wir so stark sein können. Jetzt wissen wir es“, stellte Innenverteidiger Maximilian Wöber fest und attestierte seinen Kollegen „unglaubliche Mentalität“.

„Wenn man gegen Liverpool an der Anfield Road zumindest 75 Minuten bestehen kann, kann man das gegen jeden. Komme, wer wolle, wir sind bereit“, meinte er im Hinblick auf die kommenden Partien gegen Napoli am 23. Oktober zuhause und am 5. November auswärts. „Der Punkt ist, dass wir gesehen haben, dass wir auch gegen einen solchen Gegner immer eine Chance haben - wenn wir unseren Fußball zeigen“, sagte auch Jesse Marsch. Denn in der ersten Hälfte, „das waren nicht wir“.

Wie schwer es ist, in einem legendären, lauten Stadion trotz mangelnder Erfahrung gegen ein Weltklasseteam zu bestehen, zeigte sich am Mittwoch jedenfalls durchaus. „Wir haben zu viel Respekt gehabt“, befand Marsch, der in dieser Phase auch zu wenig Aggressivität monierte. Gefundenes Fressen für den Ex-Salzburger Sadio Mane, Andy Robertson und Mohamed Salah, die nach 36 Minuten scheinbar im Spazierengehen auf 3:0 gestellt hatten. Salzburg wirkte in ungewohnter Rolle völlig hilflos. „Das könnte heute richtig schiefgehen“, habe Wöber gedacht.

Dann aber kam vor 53.000 Zuschauern, darunter 3.000 Salzburg-Fans, die Wende, befeuert durch Marsch‘ noch vor dem 3:0 erfolgter Umstellung auf eine Mittelfeldraute. „Das war entscheidend“, meinte Wöber. „Liverpool hat davor über die Seiten so viele Räume gehabt. Wir sind ein bisschen wie blinde Hühner herumgelaufen.“ Das sollte sich ändern, noch vor der Pause gelang schließlich durch den bestens aufgelegten Hwang Hee-chan das 1:3, das als Zeichen zur Aufholjagd fungierte.

Nach Wiederbeginn stellten die Gäste die Partie dann auf den Kopf. „Man hat gesehen, dass sie etwas unruhiger geworden sind, das haben sie noch nicht oft erlebt“, sagte Tormann Cican Stankovic. Erst traf der an diesem Abend so wie Hwang beeindruckende Takumi Minamino (56.), rund fünf Minuten später Goalgetter Erling Haaland. Der Norweger hatte nach einer Erkrankung nur auf der Bank begonnen, durfte aber sein viertes Champions-League- bzw. 18. Pflichtspieltor in dieser Saison bejubeln.

„Wir hätten uns den Punkt dann verdient“, war Stankovic überzeugt. Dass man sich nach einem unnötigen Ballverlust von Dominik Szoboszlai noch den entscheidenden Gegentreffer durch Salah und die erste Niederlage im 13. Saisonpflichtspiel einfing, sei quasi „geschenkt“. Stankovic blickte bereits mit Vorfreude auf die kommenden Auftritte in der Königsklasse. „Vor allem zuhause werden wir ganz anders auftreten“, versprach er. Die mitgereisten Salzburger Fans freilich hatten schon in Anfield viel Spaß mit ihrer Mannschaft, feierten das Team nach dem Abpfiff noch eine gute halbe Stunde.

Auch wenn das offizielle Ziel Platz drei und damit ein Umstieg in die Europa League ist: Mit einem Heimerfolg gegen Napoli von Startrainer Carlo Ancelotti wäre zumindest Platz zwei und damit das CL-Achtelfinale in Reichweite.




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