Letztes Update am Do, 03.10.2019 12:22

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


13 Tote im Irak bei Protesten gegen Korruption



Im Irak sind bei Protesten gegen Korruption in den vergangenen beiden Tagen mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 700 Menschen seien verletzt worden, teilte die irakische Hohe Menschenrechtskommission am Donnerstag mit. Regierungschef Adel Abdel Mahdi verhängte in der Nacht auf Donnerstag eine Ausgangssperre in der Hauptstadt Bagdad.

Unter den Todesopfern waren demnach zwölf Zivilisten sowie ein Mitglied der Sicherheitskräfte. Diese waren am Dienstag und Mittwoch in mehreren Provinzen mit Gewalt gegen die Demonstrationen vorgegangen.

Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi verhängte in der Nacht auf Donnerstag eine Ausgangssperre. Die Ausgangssperre für „Fahrzeuge und Menschen“ trete Donnerstagfrüh in Kraft und gelte bis auf Weiteres, erklärte die Regierung in der Nacht.

In Bagdad feuerten bei den Protesten Polizisten in die Luft und setzten Tränengas ein. Weitere Demonstrationen fanden im zentralirakischen Najaf, in Basra im Süden des Landes und im 300 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Nassiriya statt. Ausgangssperren wurden auch in Najaf und Nassiriya verhängt. In Bagdad wurde die sogenannte Grüne Zone abgeriegelt.

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Am Donnerstag waren die Straßen dort weitgehend leer, wie Augenzeugen berichteten. Einige Demonstranten bahnten sich demnach den Weg auf den Tahrir-Platz, einem der Zentren der Proteste in der Hauptstadt. Medien und Anrainer berichteten, das Internet sei größtenteils unterbrochen.

Die internationale Anti-IS-Koalition zeigte sich unterdessen wegen der Situation in Bagdad besorgt. Ein Sprecher des von den USA angeführten Bündnisses rief am Donnerstag alle Seiten zum Gewaltverzicht auf. Bei den Explosionen in der stark gesicherten Grünen Zone Bagdads seien keine Einrichtungen der Koalition getroffen worden. In der Grünen Zone im Stadtzentrum liegen viele Regierungsgebäude und Botschaften. Das Bündnis behalte sich das Recht zur Selbstverteidigung vor, hieß es weiter.

Die irakische Regierung ist seit Jahren immer wieder mit Protesten gegen die verbreitete Korruption und die chronischen Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung konfrontiert. Die Proteste richten sich auch gegen politischen Stillstand und die schlechte Wirtschaftslage. Der Irak gehört zu den ölreichsten Ländern der Welt, leidet aber unter anderem unter einem akuten Strommangel. Die Politik wird zudem durch ein Proporzsystem gelähmt, das die Macht unter den unterschiedlichen religiösen und ethnischen Gruppen verteilt.




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