Letztes Update am Do, 03.10.2019 16:26

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bombenanschlag in Kärnten geklärt: Zwei Männer geständig



Der Bombenanschlag in Kärnten vom Dienstag, bei dem eine 27-jährige Frau lebensgefährlich verletzt worden ist, ist geklärt. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, wurden sowohl der 28-jährige Ex-Mann des Opfers als auch sein 29-jähriger Komplize verhaftet, der 28-Jährige ist nun in U-Haft. Die beiden sind geständig, die Sprengfalle vor der Haustür des Opfers platziert und gezündet zu haben.

Ob auch der 29 Jahre alte Komplize in U-Haft genommen wird, soll am Freitag entschieden werden. Die beiden Männer hatten am Donnerstag bei der Polizei gestanden, die 27-jährige Ex-Frau des 28-Jährigen mit einer Sprengfalle schwer verletzt zu haben. Die beiden hatten die Sprengfalle Dienstag in der Früh vor der Haustür des Opfers platziert und gezündet. Die Frau erlitt schwerste Verbrennungen, ist aber nach Angaben des Landeskrankenhauses Graz inzwischen außer Lebensgefahr.

Der Anschlag hatte sich am Dienstagfrüh ereignet. Laut Polizei hatte der 29-Jährige die Bombe vor der Tür eines Mehrparteienhauses in Guttaring (Bezirk St. Veit an der Glan) abgelegt und bei der 27-Jährigen geläutet. Als diese die Tür öffnete, zündete der 28-Jährige den Sprengsatz. Daraufhin flüchteten beide, die Frau wurde mit schwersten Brandverletzungen ins Landeskrankenhaus Graz geflogen.

Bei den beiden Männern, die für einen Bombenanschlag auf eine Kärntnerin vor zwei Tagen verantwortlich sind, handelt es sich um einen Soldaten und einen ehemaligen Soldaten. Das bestätigte Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, am Donnerstag auf APA-Anfrage. Der 29-jährige Zeitsoldat, der das Paket vor dem Haus des Opfers platzierte, wird nun des Dienstes enthoben, sagte Bauer. Offen ließ der Sprecher, wie lange der 28-jährige Ex-Mann des Opfers schon nicht mehr beim Bundesheer ist und auf welche Einsätze die Männer dort spezialisiert waren.

Die beiden Männer dürften die Tat schon länger geplant haben. Wie Ermittlungen der Polizei ergaben, hatten sie sich im Internet über den Bau von Sprengfallen informiert. Das Material zum Bau der Paketbombe bestellten sie im Internet, daraus bauten sie eine „Probe-Bombe“. Diese zündeten sie bereits im Sommer 2019 in einem Wald.

Nach der Tat am Dienstag flüchteten die beiden zu Fuß zu einem vorher vereinbarten Treffpunkt - einem geparkten Auto - und fuhren in Richtung Klagenfurt. Der 28-jährige Ex-Mann des Opfers wurde noch am selben Vormittag, rund drei Stunden nach der Tat, von Beamten des Landeskriminalamtes Kärnten festgenommen. Am Donnerstag klickten auch für den 29-Jährigen die Handschellen. Beide Männer sind geständig, sie wurden in die Justizanstalt Klagenfurt eingeliefert.

Die durch den Sprengstoffanschlag schwer verletzte Kärntnerin wurde unterdessen am Donnerstag am LKH-Uniklinikum Graz zum zweiten Mal operiert. 40 Prozent der Haut waren verbrannt, daher wurden auch Hauttransplantationen durchgeführt. Der Zustand der Frau sei stabil, erklärte Lars-Peter Kamolz, Leiter der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie. „Die Patientin war lebensgefährlich verletzt - mit Verbrennungen zweiten und dritten Grades“, schilderte Kamolz vor Medienvertretern nach dem mehrstündigen Eingriff. Betroffen waren das Gesicht und die oberen Extremitäten, aber auch Brust und Bauch der 27-Jährigen.

Am Donnerstag wurden die ersten Eigenhaut-Transplantationen an den oberen Extremitäten vorgenommen. Die Haut wurde von den Unterschenkeln genommen, wie Kamolz ausführte. Das Gesicht wurde mit Spezialverbänden, die das Infektionsrisiko minimieren sollen, versorgt. „Ich bin optimistisch, dass wir hier mit diesen Spezialverbänden das Auslangen finden werden“, zeigte sich Kamolz optimistisch. Die Kärntnerin befindet sich in Tiefschlaf und sei vorerst außer Lebensgefahr: „Sie muss aber noch intensivmedizinisch betreut werden“, sagte der Spezialist für Brandverletzungen und Plastische Chirurgie am Grazer Uniklinikum.




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