Letztes Update am Fr, 04.10.2019 06:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Krisch gibt sein Josefstadt-Debüt und macht sich einen „Jux“



Drei Jahrzehnte lang war Johannes Krisch Ensemblemitglied des Burgtheaters. Am 10. Oktober gibt er nun sein Debüt am Theater in der Josefstadt - als Weinberl in Johann Nestroys Komödie „Einen Jux will er sich machen“. Doch wenn er nach den Umständen seines Wechsels gefragt wird, ist dem 53-jährigen Kammerschauspieler gar nicht so zum Lachen zumute.

„Ich bleibe an der Burg, bis sie mich raustragen“, hatte Krisch noch vor zwei Jahren erklärt. Nun ist es anders gekommen. Im Spielzeitheft des Burgtheaters ist er noch als Ensemblemitglied angeführt. Doch nun sei er am Burgtheater karenziert, sagt Krisch im APA-Interview. Über die näheren Umstände habe man Stillschweigen vereinbart.

„Es hat nichts mit Martin Kusej zu tun. Mit ihm habe ich kein Problem“, sagt der Schauspieler, der in der Regie des neuen Burgtheater-Direktors schon „Höllenangst“ und „König Ottokars Glück und Ende“ gespielt hat. „Es hat mehr mit Selbstschutz und Selbstrespekt zu tun, der mich eine Zeit lang Abstand nehmen lässt von diesem Haus.“

Doch der Wiener, der spätestens seit Götz Spielmanns Oscar-nominierter „Revanche“ und seiner Hauptrolle in Elisabeth Scharangs „Jack“ auch ein international gefragter Filmschauspieler ist, hat für die Dauer seiner Karenzierung eine neue Bühnenheimat gefunden. „Die Josefstadt war das einzige große Wiener Haus, an dem ich noch nicht gespielt hatte“, lacht Krisch. „Aber im Ernst: Hier zu sein macht mich glücklich. In der Josefstadt spürt man die alten Geister. Ich brauche das! Wer da aller gespielt hat!“

Außerdem findet es Krisch „fantastisch, wie Herbert Föttinger das Haus führt. Es ist ein Haus, das ein großes Herz hat. Ich bin ihm dankbar, dass er mich mit offenen Armen aufgenommen hat.“ Ob es eine Rückkehr an das Burgtheater geben wird, ist offen. Sicher ist, dass sich Krisch derzeit als Josefstadt-Ensemblemitglied fühlt und seine Vereinbarung mit diesem Haus auch über den „Jux“ hinausgeht.

Im Sommer hat Johannes Krisch in Felix Mitterers „Brüderlein fein“ in Gutenstein Ferdinand Raimund verkörpert und unbändigen Spaß dabei gehabt. „Nach der Premiere sind wir zu Raimunds Grab gepilgert und haben uns bedankt. Die Glühwürmchen sind um uns herumgetanzt, ich hab richtig Ganslhaut bekommen. Als man mich aber eingeladen hat, mich in das Bett zu legen, in dem Raumund sich erschossen hat, hab ich dankend abgelehnt“, lacht er.

Nestroy hat er schon ein paar Mal gespielt, „so nahe wie Raimund bin ich ihm allerdings noch nicht gekommen“. Aufsehen erregte er 2014, als er als Titus Feuerfuchs in einer „Talisman“-Vorstellung des Burgtheaters Kollegen und Publikum mit selbst gedichteten Zusatzstrophen überraschte: „Bei uns im Theater hängt jetzt der Haussegen schief, wegen dolosen Geschäften und sonstigen Miefs“, tönte es frech von der Bühne des krisengeschüttelten Hauses. „Sie ham‘ alle was g‘wusst! Und des lasst ma ka Ruah! Na, da hab ich schon g‘nua, na, da hab ich schon g‘nua!“

Diesmal soll der Autor Thomas Arzt für scharfe neue Couplettexte sorgen. „Ich freu‘ mich schon sehr darauf. Einige schöne Strophen haben wir schon, aber da kommt sicher noch mehr.“ Schließlich gibt die österreichische Innenpolitik ja derzeit genug her. „Einerseits muss man froh sein, dass die Leute die Richtigen abgewatscht haben, andererseits ist das Wahlergebnis für die SPÖ ernüchternd. Man sollte sich ernsthaft Gedanken machen, ob tatsächlich die Richtung stimmt.“ Krisch rechnet mit langen Koalitionsverhandlungen und würde sich nicht wundern, wenn am Ende eine Dreier-Koalition Schwarz-Grün-Pink herauskäme.

Den „Jux“ inszeniert der Schweizer Stephan Müller, mit dem Krisch schon seinen „Nothing Special“-Abend erarbeitet hat. „Mit ihm macht es großen Spaß. Er ist sehr genau und hat ein sehr gutes Rhythmusgefühl. Das ist für Nestroys Kunstsprache wichtig.“ Der Abend werde als Rahmen eine Art überhöhtes Biedermeier haben, die inhaltliche Aktualität des turbulenten Aufstiegsversuchs des Handlungsdieners aber von selbst offenbaren, ist sich Krisch sicher: „Nur das Geld und der Anschein zählen. Mit solchen Blendern wie im ‚Jux‘ werden wir heute ja laufend konfrontiert.“

Ein großes Abenteuer hat der 2017 mit dem Großen Schauspielpreis der Diagonale ausgezeichnete Darsteller hinter sich, dessen Resultat aber noch gar nicht gesehen: In Terrence Malicks Franz-Jägerstätter-Drama „A Hidden Life“ spielt er einen Müller. „Es war eine tolle Erfahrung. Ich hab nur meine eigenen Textzeilen bekommen, einen einzigen Zettel. Alles andere wurde improvisiert. Malick hat die Szenen wieder und wieder gedreht und uns auch gebeten, sie stumm zu spielen. Mir hat die Arbeit sehr gefallen. Auch, weil sie so ganz anders war als die von Gore Verbinski. Bei ‚A Cure for Wellness“ hat er einfach sein bereits fertiges Story-Board mit uns in allen Details umgesetzt.“ Auch künftig will Krisch beides: Filme drehen und Theater spielen. „Mal sehen, wo mich das Leben noch hinspült. Jetzt hat es mich eben an die Josefstadt gespült.“




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