Letztes Update am Fr, 04.10.2019 13:43

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Thiem erreichte in Peking siebentes Saison-Halbfinale



Dominic Thiem hat beim ATP-500er-Turnier in Peking zum heuer siebenten Mal ein Halbfinale erreicht. Der bei den China Open topgesetzte Weltranglisten-5. aus Österreich setzte sich am Freitag im Viertelfinale gegen die schottische Tennis-Legende Andy Murray in knapp zwei Stunden 6:2,7:6(3) durch. Im Halbfinale trifft Thiem am Samstag (nicht vor 10.30 Uhr) auf den Russen Karen Chatschanow (4).

Dem Match war im Vorfeld viel Aufmerksamkeit entgegengekommen. Das Turnier in China ist für den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Murray, der Anfang des Jahres bereits seinen Rücktritt avisiert hatte, ein weiterer Schritt beim Comeback nach zweimaliger Hüftoperation.

Der in der Weltrangliste nur auf Platz 503 liegende Schotte imponierte in Peking zunächst mit einem Auftaktsieg gegen den US-Open Halbfinalisten Matteo Berrettini und schlug dann auch seinen Landsmann Cameron Norrie, ehe es im Viertelfinale gegen den Top-Favoriten ging. Auch dort bot der 32-jährige Schotte am Freitag eine starke Leistung, biss sich am Ende aber am deutlich jüngeren Österreicher doch die Zähne aus.

Thiem war zuvor bei drei Antreten in Peking noch kein Sieg gelungen gewesen, der Niederösterreicher überzeugte aber diesmal mit dem Premierensieg über den Franzosen Richard Gasquet. In Runde zwei ließ der endgültig von einer Viruserkrankung gesundete Lichtenwörther dem chinesischen Lokalmatador Zhizhen Zhang keine Chance. Das Viertelfinale war dann der ultimative Härtetest für Murray, aber auch Thiem.

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Er spiele hier nicht gegen die Nummer 503 der Welt, sondern gegen eine absoluten Tennis-Legende, hatte Thiem seinem prominenten Gegner vor dem Match Rosen gestreut. Der mit geschütztem Ranking und künstlichem Hüftgelenk spielende Murray versuchte von Beginn weg einem anstrengenden Abnützungskampf zu entkommen.

Der Plan ging zunächst aber nicht auf. Alleine das erste Game ging beiden Spielern gehörig in die Knochen und dauerte mehr als zehn Minuten, ehe Thiem dem erstmals seit zwölf Monaten in einem Viertelfinale gestandenen Schotten gleich den Aufschlag abgenommen hatte. Ein weites Break zum 2:5 stellte endgültig die Weichen Richtung Gewinn von Satz eins. Die Spielzeit von 51 Minuten für ein 6:2 zeugte aber vom großen Kampf.

Durchgang zwei begann für den Österreicher ähnlich vielversprechend, diesmal war das Break zum 1:0 nicht zuletzt dank eines Netzrollers zu seinen Gunsten sogar relativ rasch geschafft. Murray grub aber Thiems „Schüsse“ von der Grundlinie weiterhin unermüdlich aus und hielt dagegen. Es zahlte sich aus, denn das zweite Break dieses Satzes ging dank tatkräftiger Mithilfe von Thiem dann an den Briten.

Thiem fabrizierte nämlich bei einer 6:2,5:4-Führung gleich drei Doppelfehler und holte zur Freude der Zuschauer seinen Gegner so ins Match zurück. Zwar fehlten Murray dann bei 6:5 und 30/30 nur zwei Punkte zum Satzausgleich, die zweite Luft beim Schotten hielt aber nicht lange genug an. Im Tiebreak ließ der Österreicher nichts mehr anbrennen. Nach 1:54 Stunden gab es Händeschütteln am Netz.

Dominic Thiem war nach seinem dritten Zwei-Satz-Sieg en suite guter Dinge. „Es war ein gutes Match. Ich glaube, dass es fast eines von den besten war, die ich dieses Jahr gespielt habe, speziell auf Hardcourt“, konstatierte der Weltranglisten-Fünfte. Nummer fünf wird er übrigens selbst mit einem Titel in Peking vorerst auch bleiben.

Dennoch würde er diesen natürlich besonders gerne einfahren, denn er hätte vorzeitig sein viertes London-Ticket zu den ATP Finals der besten acht Saisonspieler in der Tasche. Bisher sind nur Rafael Nadal, Novak Djokovic, Roger Federer und Daniil Medwedew qualifiziert.

Dem Match gegen den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Andy Murray attestierte Thiem „von Anfang bis zum Ende ein sehr gutes Niveau“. „Bis auf das eine Blackout, was ich gehabt habe. Es ist fast unmöglich, ohne irgendeinen ‚Holperer‘ das durchzuspielen“, bezog er sich auf den zweiten Satz. Er selbst sei aber wirklich zufrieden. „Ich bin richtig glücklich mit dem Match heute.“

Und er glaubt auch an Murrays Rückkehr in die obersten Ranking-Bereich. „Wie er sich bewegt, wie er manche Sachen verbessert hat, in der Zeit wie er weg war. Ich finde, dass er um einiges aggressiver spielt, unglaublich volliert. Ich denke, dass Murray, wenn er verletzungsfrei bleibt, bald wieder in die Spitze zurückkehren wird.“

Gegen seinen Halbfinal-Gegner Karen Chatschanow hat Thiem eine 1:1-Bilanz. „Die zwei Matches bis jetzt waren ziemlich einseitig. In Bercy für ihn, in Roland Garros für mich. In Roland Garros habe ich auch taktisch gut gespielt. Ich werde schauen, dass ich es ähnlich angehe“, sagte Thiem, der aber gewarnt ist. „Er ist ein Top-Ten-Spieler, spielt wieder sehr gut zum Jahresende hin. Es wird ein schweres Match, aber ich werde schauen, dass ich die Leistungen von den ersten drei Partien fortsetze.“

Im dritten Anlauf in Peking hat Thiem also nach zwei Erstrunden-Niederlagen den „Durchbruch“ zum guten Resultat geschafft. Und er findet überhaupt, dass er ein tolles Jahr hat. „Es ist wahrscheinlich die beste Saison meiner Karriere - von den Punkten her aber auch von den Resultaten. Ich bin auf dem richtigen Weg, und freue mich, was jetzt kommt.“

In seinem siebenten Saison-Halbfinale ist Thiem nach seinen bisher überzeugenden Vorstellungen nun auch gegen Chatschanow leichter Favorit. Die Bilanz gegen den Russen steht 1:1, beide Matches fanden in Paris statt. Chatschanow gewann 2018 in Bercy in der Halle, Thiem heuer in Roland Garros auf Sand.

Bei bisher sechs Halbfinal-Teilnahmen 2019 hat Thiem vier Mal den Einzug ins Endspiel geschafft und dann drei Mal (Indian Wells, Barcelona, Kitzbühel) auch das Turnier gewonnen. Schafft Thiem in Peking alleine den Finaleinzug, ist seine Teilnahme an den ATP-Finals im November in London vorzeitig fix.




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