Letztes Update am Fr, 04.10.2019 16:27

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


55-Jähriger soll Vater getötet haben: Mordprozess vertagt



Im Grazer Straflandesgericht ist am Freitag ein 55-Jähriger vor einem Geschworenensenat (Vorsitz: Gerhard Leitgeb) gestanden. Er soll im Juli 2018 seinen Vater getötet haben. Der Angeklagte, der diesen von allen Menschen ferngehalten hatte, betonte, er sei unschuldig. Laut Gerichtsmediziner ist der 82-Jährige aber eindeutig eines gewaltsamen Todes gestorben. Der Prozess wurde vertagt.

Der Angeklagte legte bei der Verhandlung ein ungewöhnliches Verhalten an den Tag. Das begann damit, dass er bei der Vereidigung der Geschworenen nicht aufstehen wollte. „Das ist ein Affront gegen die Glaubensfreiheit. Jesus hat gesagt, man soll nicht schwören“, erklärte er. „Das gebietet der Anstand, dass Sie aufstehen“, mahnte der Richter, doch der Beschuldigte zeigte sich davon wenig beeindruckt und blieb sitzen. Im weiteren Verlauf wälzte er mit seiner Redeflut alles nieder. Alle Versuche, seine detaillierten Ausführungen einzudämmen, scheiterten: „Lassen Sie mich ausreden, ich habe ein Recht darauf, alles darzustellen“, wies er den Richter zurecht.

Bereits im Vorfeld hatte der Angeklagte alle angezeigt, von der Staatsanwältin über den Richter und die Ermittler bis hin zu Mitgliedern des Einsatzkommandos Cobra. Er fühlte sich permanent verfolgt und unverstanden, seine Erklärungen waren äußerst detailreich, weswegen seine Befragung fast drei Stunden dauerte.

Staatsanwältin Nora Lackner beschrieb, wie die Leiche des Vaters des Beschuldigten gerade noch im Krematorium sichergestellt und zur Obduktion gebracht worden war. Nach dem Tod des 82-Jährigen hatte der Arzt zunächst nichts Auffälliges festgestellt. Der Angeklagte rief noch in der Nacht die Bestattung an und verfügte die Verbrennung des Leichnams. Doch Verwandten kam die Sache komisch vor und sie informierten die Polizei. Der Gerichtsmediziner entdeckte dann tatsächlich Anzeichen eines gewaltsamen Todes durch Ersticken. Der Angeklagte leugnete von Anfang an, einen Mord begangen zu haben: „Ich habe meinen Vater über alles geliebt“, beteuerte er.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Der Beschuldigte war nach Jahren in Deutschland in die Steiermark gekommen und hatte die Pflege des Vaters übernommen. Die anderen Verwandten und auch die Bekannten hielt er von dem dementen Mann mit allen Mitteln fern. „Er wollte sich das Vermögen sichern“, war die Anklägerin überzeugt. Doch „der Vater wurde inkontinent, das war sein Todesurteil, denn er ekelte sich vor ihm.“ Daher soll er ihn getötet haben: „Er ist der einzige, der diesen vorsätzlichen Mord begangen haben kann, er ist der einzige, der ein Motiv hatte“, war die Staatsanwältin überzeugt.

Eine Nachbarin des getöteten 82-Jährigen gab vor Gericht an, der Pensionist sei einen Monat vor seinem Tod „total abgemagert und voller blauer Flecken, er war so schwach, dass er nicht einmal ein Häferl halten konnte“. Der Mann habe ihr gesagt, dass der Sohn ihn schlage. Das hatte der Angeklagte bisher bestritten, er hatte erklärt, sein Vater sei häufig gestürzt. Auch das Haus sei „verwahrlost und ungepflegt“ gewesen, sagte die Nachbarin.

Der Prozess wird mit weiteren Zeugen und Sachverständigen voraussichtlich im November fortgesetzt.




Kommentieren