Letztes Update am Sa, 05.10.2019 07:09

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hongkonger Metro bleibt vorerst geschlossen



Nach schweren Ausschreitungen in Hongkong stellt die U-Bahn an diesem Samstag ihren Betrieb vorläufig ein. Das kündigte der börsennotierte Betreiber MTR an. Vorausgegangen waren schwere Auseinandersetzungen, bei denen ein Teenager von der Polizei angeschossen wurde und U-Bahn-Stationen von Demonstranten in Brand gesteckt worden waren.

„Da wir unter diesen Umständen nicht mehr in der Lage sind, den Passagieren einen sicheren und zuverlässigen Service zu bieten, hatte wir keine andere Wahl, als die Entscheidung zu treffen, den Service des gesamten Netzes einzustellen“, betonte MTR. Die U-Bahn transportiert täglich etwa fünf Millionen Menschen. Auch Einkaufszentren und Supermärkte sollen geschlossen bleiben.

Nach monatelangen Protesten will die Regierung die Lage mit einem Vermummungsverbot unter Kontrolle bringen. Dafür greift sie zum ersten Mal seit Beginn der Massendemonstrationen auf Notstandsgesetze zurück. Ab Samstag sei das Tragen von Gesichtsmasken untersagt, kündigte Regierungschefin Carrie Lam an. Für die nächsten Tage waren bereits weitere Protestkundgebungen der Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungszone geplant.

Die Proteste hatten vor rund vier Monaten als Widerstand gegen einen inzwischen zurückgezogenen Gesetzentwurf für Auslieferungen Beschuldigter an die Volksrepublik begonnen. Doch die Demonstranten sehen auch allgemeine Freiheiten gefährdet, die die ehemalige britische Kronkolonie genießt. Inzwischen richten sich die Proteste auch gegen die Regierung in Peking. Hongkong ist seit 1997 eine Sonderverwaltungszone der Volksrepublik.




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