Letztes Update am Sa, 05.10.2019 10:13

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spritzige „Fledermaus“ bei Herbsttagen Blindenmarkt



30 Jahre Herbsttage Blindenmarkt: Aus diesem Anlass bescheren die Festspiele ihrem Publikum eine prächtige, spritzige, quicklebendige Jubiläums-“Fledermaus“. Bei der Premiere am Freitagabend in der Ybbsfeldhalle gab es Standing Ovations für alle Mitwirkenden, insbesondere für Michael Garschall, Gründer und Intendant der Herbsttage.

Heuer werden 15.000 Besucher erwartet, in den vergangenen drei Jahrzehnten sind insgesamt 250.000 Festspielgäste zu den Operettenaufführungen nach Blindenmarkt gekommen: Eine stolze Bilanz, die Garschall nicht zuletzt darauf zurückführt, dass das Genre hier „jung, frech, modern“ umgesetzt wird. Regisseur und Bühnenbildner Marcus Ganser hat diese Vorgabe hervorragend erfüllt und das populäre Werk von Johann Strauss mit schmissigen Revue- und Showelementen versehen.

Vor allem beeindrucken die optische Opulenz (gelungene Kostüme: Andrea Hölzl) und die Rasanz des Geschehens, speziell in den frischen Choreografien von Monica Ivona Rusu-Radman. In Gernot Kranners Textfassung finden sich immer wieder aktuelle Anspielungen. Eisenstein muss ins Gefängnis, weil er zu einem Polizisten „Oida“ gesagt hat, beim Prinzen Orlofsky steigt eine Ibiza-Party („Die dreckigen Zehennägel kenne ich“), und am Ende lautet das Resümee: „Das alles war nur a b‘soffene G‘schicht!“

Das Ambiente mit seinem Glitzerhintergrund vermittelt passender Weise stets einen leicht halbseidenen Touch. Da verwundert es kaum, wenn zwischendurch Männer mit Koffer die Bühne queren oder ein Kuvert heimlich den Besitzer wechselt.

Das bunte Ensemble kommt homogen über die Rampe: Alexander Kaimbacher ist ein sympathischer Eisenstein, Signe Heiberg eine durchwegs kongeniale Rosalinde, Brigitta Simon eine Adele wie aus dem Bilderbuch, die erst 24-jährige Patricia Nolz bewältigt den Orlofsky, Clemens Kerschbaumer amüsiert als Gockeltenor Alfred, Gabriele Schuchter überrascht als radschlagende Ida, und das Blindenmarkter Original Willi Narowetz feiert als Frosch ein erfreuliches Comeback. Nicht unerwähnt bleiben dürfen das von Kurt Dlouhy in bewährter Weise geleitete Kammerorchester Ybbsfeld, der gut einstudierte Chor und das geradezu artistische Ballett.

Als zweite Eigenproduktion steht mit „Pippi Langstrumpf“ (Premiere: 20. Oktober) ein musikalisches Familienstück auf dem Spielplan. Das Rahmenprogramm enthält u.a. eine Geburtstagsmatinee für Kurt Dlouhy zum 70er sowie bei freiem Eintritt ein „Konzert für alle“ am Nationalfeiertag, u.a. mit Sopranistin Daniela Fally. Der ORF würdigt das Jubiläum mit mehreren Beiträgen, darunter „Erlebnis Österreich“ am 27. Oktober. Für die Herbsttage 2020 wird Franz Lehars „Der Graf von Luxemburg“ angekündigt.




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