Letztes Update am Do, 10.10.2019 15:45

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kipchoge vor 1:59-Challenge in Wien: „Geschichte schreiben“



Eliud Kipchoge hat die Laufstrecke inspiziert, hat sich mit seinen Schrittmachern abgestimmt und ist bereit für Samstag. Frühmorgens will der 35-jährige Kenianer im Wiener Prater die Marathon-Distanz als erster Mensch unter 2:00 Stunden zurücklegen. „Bei diesem zweiten Versuch werde ich es schaffen“, sagte der vor zwei Jahren in Monza knapp gescheiterte Kenianer am Donnerstag.

Zahlreiche ausländische Medienvertreter waren zum Pressetermin zwei Tage vor der „Ineos 1:59 Challenge“ an der Prater-Hauptallee gekommen und Kipchoge gab sich optimistisch. „Das wird nicht passieren“, meinte er auf die Frage, ob er an einem schlechten Tag abbrechen und tags darauf einen neuen Versuch starten würde. Freilich sei nichts zu 100 Prozent sicher, auch ein schnelles Auto könne eine Reifenpanne haben. „Aber ich freue mich wirklich auf Samstag.“

An Selbstvertrauen mangelt es Kipchoge jedenfalls nicht. „Ich laufe, um Geschichte zu schreiben“, erklärte der Weltrekordler, dessen offizielle Bestmarke seit dem Berlin-Marathon 2018 bei 2:01:39 Stunden steht. In Wien will er unter „Laborbedingungen“ in einem eigens angesetzten Lauf, organisiert und gesponsert von dem in London ansässigen Chemiekonzern Ineos, die 2:00-Stunden-Schallmauer durchbrechen. Und damit eine Botschaft senden. „Ich will den Menschen zeigen, dass es keine Grenzen gibt. Grenzen sind nur im Kopf.“ Diesen Schalter gelte es umzulegen, betonte der Marathon-Olympiasieger von Rio 2016.

Zwölf seiner 13 bestrittenen Marathons hat der aktuelle Star der Szene gewonnen, einen Erfolg in Wien verglich er schon früher mit den ersten Schritten auf dem Mond. Kritik, dass es kein reguläres Rennen sei, lässt Kipchoge gelten. Er will aber auch, dass man seine Ansicht respektiert. Ob eine Marke unter zwei Stunden in einem „normalen“ Marathon möglich sei, wollte er nicht sagen. „Jetzt kommt einmal die Ineos 1:59 Challenge. Dann reden wir weiter.“

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Mit den Problemen um die Sperre von Alberto Salazar, den Leiter des Oregon Projekts von Nike, beschäftigt er sich derzeit nicht. Es gebe Licht und Schatten, sagte Kipchoge. Für Wien gelte ersteres. „Wien sind Blumen.“

Die Voraussetzungen für die schnellste jemals gelaufene Zeit über die 42,195-km-Distanz sieht er gegeben. „Der Kurs ist extrem gut, flach, schnell und in der Natur. Die (41, Anm.) Pacemaker wollen einen guten Job machen, ich freue mich sehr auf Samstag“, sagte der Athlet aus dem Hochland Kenias. Seine Frau und die drei Kinder werden ihn erstmals bei einem Marathon an der Strecke anfeuern. „Das bedeutet mir sehr viel.“

Der Druck sei freilich groß, gab Kipchoge zu. „Aber ich versuche, so ruhig zu bleiben wie möglich.“ Mentale Kraft bezieht er aus seiner Steigerung in den vergangenen zwei Jahren. In Monza hatte er 2017 in einem ähnlichen Projekt die angepeilte Marke um 25 Sekunden verpasst. „Jetzt habe ich das gleiche Team um mich, aber mein Denken ist anders“, betonte der 2013 von Bahnrennen auf die Marathondistanz gewechselte 5.000-m-Weltmeister von 2003. „Ich fühle mich mehr bereit und besser vorbereitet für dieses Tempo als vor zwei Jahren.“ Will er reüssieren, muss Kipchoge jeden der 42 Kilometer in 2:51 Minuten zurücklegen, das ergibt einen Schnitt von etwas mehr als 21 km/h.

Der private Ineos-Konzern macht mit Betrieben in 16 Ländern jährlich mehr als 40 Milliarden Euro Umsatz, sein Mehrheits-Eigentümer und Chef Jim Ratcliffe verfügt über ein kolportiertes Vermögen von umgerechnet rund 23 Milliarden Euro. Im Sport engagiert sich Ineos seit kurzem im Radsport (Team um Chris Froome/früher Sky) und im Fußball (OGC Nizza) sowie mit einem Segel-Team (Britannia) im America‘s Cup.




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