Letztes Update am Fr, 11.10.2019 12:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖFB-Teamspieler wollen Publikum wieder zurückholen



Der Blick auf die Zuschauerränge des rund 48.500 Besucher fassenden Happel-Stadions hat bei den österreichischen Teamspielern am Donnerstag eine gewisse Ernüchterung ausgelöst. Nur 26.200 Fans kamen zum richtungsweisenden EM-Qualifikationsspiel gegen Israel, das mit 3:1 gewonnen wurde.

Aleksandar Dragovic betrieb Ursachenforschung und wies in diesem Zusammenhang auf den ungünstigen Termin unter der Woche mit Anpfiffzeit 20.45 Uhr hin. „Man darf nicht vergessen, es ist Donnerstag. Die Leute müssen morgen arbeiten, die Kinder in die Schule“, erklärte der Leverkusen-Verteidiger. „Wir hätten uns eine volle Hütte gewünscht. Wir können nur unser Bestes auf dem Platz geben, alles andere können wir nicht beeinflussen.“

Ähnlich äußerte sich Marcel Sabitzer. „Wir versuchen, die Leute mit Leistung ins Stadion zu holen. Wir wollen unbedingt zur EM, damit eine Euphorie ausbricht, und wir sind auf einem guten Weg“, beteuerte der Leipzig-Profi. Der mangelnde Publikumszuspruch sei auf mehrere Faktoren wie etwa Ticketpreise oder Anstoßzeit zurückzuführen, vermutete Sabitzer. „Man darf das den Fans nicht übel nehmen.“

Während der Partie gegen Israel kritisierten die Fans auf einem Transparent die ihrer Meinung nach zu hohen Kartenpreise, die sich für einen Vollzahler zwischen 32 und 66 Euro bewegten. Allerdings befand man sich dabei in etwa auf dem Niveau der Qualifikation für die EURO 2016 - damals waren laut ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold zwischen 30 und 60 Euro pro Ticket zu berappen.

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Weiters gab Neuhold zu bedenken, dass der ÖFB seit der offiziellen Trennung in GmbH und Verein am 1. Jänner 2017 eine 13-prozentige Umsatzsteuer pro verkaufter Karte einheben muss. „Das heißt, dem ÖFB bleiben aus dem Ticketing unterm Strich weniger Netto-Erlöse als noch vor vier Jahren, auch wenn ich weiß, dass das für den Endkunden wenig Relevanz hat“, sagte Neuhold gegenüber der APA und merkte außerdem an: „Ich glaube nicht, dass die Zuschauerzahl nur am Preis liegt, sondern auch an der Infrastruktur.“

An den Rahmenbedingungen wird sich auch im nächsten Spiel im Wiener Prater nichts ändern, und dennoch gibt es die Hoffnung auf ein ausverkauftes Haus. Sollte es nämlich am Sonntag mit einem Auswärtssieg gegen Slowenien klappen, könnte das ÖFB-Team mit einem Erfolg am 16. November im Happel-Stadion gegen Nordmazedonien das EM-Ticket lösen.

In der EM-Qualifikation für 2016, die mit neun Siegen und einem Remis aus zehn Partien endete, lag der Schnitt bei über 45.000 Besuchern pro Heimmatch. Die Arena war sogar beim bereits bedeutungslosen Spiel im Oktober 2015 gegen Liechtenstein ausverkauft. Nach dem darauffolgenden EURO-Fiasko ging das Zuschauerinteresse aber kontinuierlich zurück.

In den jüngsten zehn Länderspielen im Happel-Stadion lag die Zuschauerzahl dreimal unter 15.000, nur viermal kamen mehr Fans als gegen Israel - gegen Polen zum EM-Quali-Auftakt im vergangenen März (40.400), im Testspiel gegen Brasilien im Juni 2018 (48.500) sowie in der WM-Qualifikation im Oktober 2017 gegen Serbien (42.400) und in der Nations League im November 2018 gegen Bosnien-Herzegowina (37.200). Bei den beiden letzteren Matches war allerdings rund die Hälfte des Publikums im Lager der Gästemannschaft.




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