Letztes Update am Fr, 11.10.2019 14:33

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Äthiopier Abiy Ahmed erhält Friedensnobelpreis 2019



Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Er wird für seinen Einsatz für Frieden und internationale Zusammenarbeit und vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem äthiopischen Nachbarland Eritrea ausgezeichnet. Das gab das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt.

Abiy Ahmed hält die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis für eine Ehre für den gesamten afrikanischen Kontinent. „Das ist ein Preis, der Afrika verliehen wird, der Äthiopien verliehen wird“, sagte der 43-Jährige am Freitag in einem Telefonat mit dem Sekretär des norwegischen Nobelkomitees, das zuvor die Preisvergabe an Abiy verkündet hatte. Er sei sehr froh über die Ehrung. „Ich danke Ihnen vielmals. Ich bin so glücklich und so begeistert über die Nachricht.“

In Abiys Heimat wurde die Vergabe des Friedensnobelpreises mit Jubel aufgenommen worden. „Das ist eine wohlverdiente Anerkennung für den Ministerpräsidenten“, erklärte der prominente Aktivist Jawar Mohamed der dpa. Der Bürgermeister der Hauptstadt Addis Abeba, Takele Uma, nannte den Preis eine Anerkennung für „Frieden, Versöhnung und harte Arbeit“. Selbst von Abiys Kritikern gab es Respekt und Anerkennung. „Trotz unserer großen politischen Differenzen gratuliere ich Ministerpräsident Abiy Ahmed“, gab sein politischer Gegner Desta Haileselassie in den sozialen Medien bekannt.

„Das ist eine gute Wahl.“ Mit diesen Worten begrüßte Bundespräsident Alexander Van der Bellen den Friedensnobelpreis für Abiy. Mit Verweis auf die Friedensbemühungen und die politischen Reformen des Ministerpräsidenten betonte Van der Bellen am Freitag in Wien: „Was Äthiopien geleistet hat, verdient unser aller Respekt.“

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ÖVP-Chef Sebastian Kurz begrüßte die Vergabe des Friedensnobelpreises an Abiy auf Twitter: „Nach jahrelangen Konflikten zwischen Äthiopien und Eritrea brachten @AbiyAhmedAli und seine Kampagne Frieden und Stabilität in die Region. Es ist mehr als verdient, dass diese enorme Anstrengung jetzt mit dem #NobelPeacePrize ausgezeichnet wurde“.

Seit Abiy im April 2018 an die Regierung kam, brach er mit der autoritären Politik seiner Vorgänger: Er leitete eine Liberalisierung der Wirtschaft ein, ließ politische Gefangene frei, erlaubte Rebellengruppen die Rückkehr ins Land und ließ dutzende Vertreter aus Militär und Geheimdienst wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverstöße festnehmen. Zudem schloss er mit dem jahrzehntelang verfeindeten Nachbarland Eritrea ein Friedensabkommen. Mit über 100 Millionen Einwohnern ist Äthiopien nach Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Das Land legte in jüngster Zeit ein rasantes Wirtschaftswachstum hin. Dennoch zählt es nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Welt

Damit stehen die Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden fest. Am Montag folgt abschließend die Bekanntgabe des Wirtschaftsnobelpreises, der als einziger nicht auf das Testament des schwedischen Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel zurückgeht.

Alle Auszeichnungen sind mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert und werden an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, überreicht. Während alle weiteren Preise dann in Stockholm verliehen werden, bekommt ihn der Friedensnobelpreisträger traditionell in Oslo. Dort sitzt auch das zuständige norwegische Nobelkomitee, das vom Parlament des Landes ernannt wird.

Die Jury hatte in diesem Jahr die Wahl zwischen 301 Nominierten, unter ihnen 223 Persönlichkeiten und 78 Organisationen. Da die Namen der Kandidaten 50 Jahre lang unter Verschluss gehalten werden, ließ sich über den Preisträger vorab nur spekulieren.

Im vergangenen Jahr erhielten der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad die Auszeichnung für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe. Die diesjährige Vergabe ist die 100. in der Geschichte des Friedensnobelpreises. Seit der ersten Auszeichnung 1901 gab es in 19 Jahren, vor allem in Kriegs- und Krisenzeiten, keinen Preisträger.




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