Letztes Update am Sa, 12.10.2019 22:35

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ausgangssperre in Ecuador - Regierungsgebäude verwüstet



Nach der Verwüstung eines Regierungsgebäudes durch Demonstranten hat die ecuadorianische Regierung eine Ausgangssperre über die Hauptstadt Quito verhängt. Außerdem sei die Stadt unter Kontrolle des Militärs gestellt worden, teilte Präsident Lenin Moreno am Samstagnachmittag (Ortszeit) mit. Die Ausgangssperre beginne um 15 Uhr Ortszeit (21 Uhr MESZ).

Eine Gruppe von Demonstranten hatte das Regierungsgebäude mit Molotowcocktails angegriffen, legte Feuer und drang ins Innere des Gebäudes ein. Die Behörden kündigten im Kurzbotschaftendienst Twitter an, das Gebiet werde evakuiert, damit die Einsatzkräfte das Feuer löschen und sich um das im Gebäude befindliche Personal kümmern könnten.

Bei regierungskritischen Kundgebungen sind bereits mindestens vier Demonstranten ums Leben gekommen, unter ihnen ein regionaler Führer indigener Völker. Sie wehren sich gegen die Aufhebung von Spritpreissubventionen durch die Regierung Moreno. Die Maßnahme ist Teil von Reformauflagen für einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Am Samstag erklärte sich die Führung der indigenen Völker Ecuadors nach zehn Tagen anhaltender Proteste zu einem direkten Dialog mit Staatschef Lenín Moreno bereit. Die Konföderation der Indigenen Völker (CONAIE) bewerte die Aufforderung des Präsidenten „positiv“, mit ihm über die Streichung der Spritpreis-Subventionen zu sprechen, heißt es in einer am Samstag auf Twitter bekanntgegebenen Mitteilung des CONAIE-Vorsitzenden Jaime Vargas.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die Indigenen bestanden jedoch auf die Wiederherstellung der Subventionen. Sie würden keine Kompensationen für die erhöhten Treibstoffpreise annehmen, heißt es in der Mitteilung. Moreno hatte am Freitag in einer kurzen Fernsehansprache die indigenen Völker zum Dialog aufgerufen. Nach Ausbruch der Protestwelle hatte der Präsident vorgeschlagen, einen Teil der durch die Streichung eingesparten Staatsgelder zur Unterstützung der indigenen Bauern zu verwenden.

In Quito und anderen Städten Ecuadors hielten am Samstag die Kundgebungen an, bei denen es zu wiederholten Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften kam. Demonstranten besetzten und plünderten in der Hauptstadt den Sitz des Rechnungshofs. Die anhaltenden Landstraßenblockaden haben die Lebensmittel- und Treibstoffversorgung in mehreren Provinzen stark beeinträchtigt, wie die Zeitung „El Comercio“ berichtete,

Moreno hatte vergangene Woche die Streichung der Subventionen der Treibstoff-Preise beschlossen, um mit der Einsparung von jährlich 1,4 Milliarden Dollar den defizitären Staatshaushalt zu sanieren. Die Maßnahme ist Teil der Reformauflagen für einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 4,2 Milliarden Dollar.




Kommentieren