Letztes Update am So, 20.10.2019 02:38

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Keine U-Bahn-Tariferhöhung in Chile nach Protesten



Chiles Staatschef Sebastián Piñera hat nach starken Protesten eine Tariferhöhung der U-Bahn Santiagos rückgängig gemacht. „Ich habe die Stimme meiner Mitbürger gehört“, sagte der Präsident am Samstagabend (Ortszeit) bei einer Ansprache, in der er die umstrittene Fahrpreiserhöhung zurücknahm.

Nach erneuten Brandanschlägen auf U-Bahn-Stationen wurde am Samstag eine Ausgangssperre in der chilenischen Hauptstadt verhängt. Die Proteste hatten sich vor knapp einer Woche entzündet, als die Fahrpreise der U-Bahn von 800 auf 830 Pesos angehoben wurden - umgerechnet eine Erhöhung von vier Euro-Cent.

Die Ausgangssperre, die erste in Chile seit Wiederherstellung der Demokratie 1990, gilt von 22:00 bis 07:00 (Ortszeit) in Santiago de Chile und Umgebung. In der Hauptstadt wurden am Samstag erneut U-Bahn-Züge und Busse in Brand gesetzt. Die Protestwelle weitete sich am Samstag auf Valparaíso, Concepción und Viña del Mar aus. Neben der Fahrpreiserhöhung in Santiago hat auch eine landesweite Erhöhung der Stromtarife den Unmut der Bevölkerung angeheizt.

Bei den schweren Ausschreitungen vom Freitag sind nach Angaben Piñeras 78 U-Bahn-Stationen zerstört oder beschädigt worden. Ein Vertreter der U-Bahn-Verwaltung schätzte die Schäden auf 200 Millionen Dollar. Der gesamte U-Bahn-Verkehr auf dem etwa 140 Kilometer langen Streckennetz wurde eingestellt. Es sei nicht zu erwarten, dass der Dienst am Montag wieder aufgenommen werden könne, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens.

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Insgesamt wurden nach Polizeiangaben am Freitag 308 Menschen festgenommen und 156 Polizisten verletzt. In Santiago wurde der Unterricht an Schulen für Montag ausgesetzt. Fußball-Spiele und Konzerte wurden in der Hauptstadt am Wochenende vertagt. Kaufhäuser blieben größtenteils geschlossen.




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