Letztes Update am Mo, 21.10.2019 07:25

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ausnahmezustand wegen Unruhen in Chile ausgeweitet



Angesichts der sozialen Unruhen in Chile hat die Regierung den Ausnahmezustand ausgeweitet. Der zunächst für die Hauptstadt Santiago de Chile geltende Notstand wird auch in mehreren Städten im Norden und Süden des Landes verhängt, wie Innenminister Andrés Chadwick am Sonntagabend sagte. Präsident Sebastián Piñera sprach von „Krieg“. Indes stieg die Zahl der Todesopfer bei den Protesten auf zehn.

Da weiterhin mit Eskalationen zu rechnen ist, empfiehlt das Außenministerium in Wien „bis auf weiteres, insbesondere in den betroffenen Gebieten, nur wenn nötig und mit besonderer Umsicht auf die Straße zu gehen und sich über lokale Medien (Fernsehen und Radio, evtl. Mittelwelle) und einschlägige soziale Netzwerke (Twitter, Instagram) über die aktuelle Lage auf dem Laufenden zu halten.“ Das Außenamt rät außerdem dazu, Menschenansammlungen zu meiden. Im ganzen Land gebe es ein „erhöhtes Sicherheitsrisiko (Sicherheitsstufe 2).

Die Proteste waren durch eine Erhöhung der Ticketpreise für den öffentlichen Nahverkehr in Santiago de Chile ausgelöst worden. Nach ersten Zusammenstößen am Freitag gab es auch am Wochenende gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Dutzende Supermärkte und Tankstellen wurden geplündert, 78 U-Bahn-Stationen in Santiago wurden beschädigt.

„Wir befinden uns im Krieg gegen einen mächtigen, unversöhnlichen Feind“, sagte Präsident Piñera am Sonntagabend. Der Gegner sei bereit, grenzenlos Gewalt und Kriminalität einzusetzen. Alle Chilenen müssten sich jetzt zusammenschließen.

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Innenminister Chadwick kündigte eine Ausweitung des Ausnahmezustandes auf Antofagasta, Valdivia, Valparaíso, Talca, Chillán, Chillán Viejo, Temuco, Padre Las Casas und Punta Arenas an. Die Gewalteskalation werde organisiert, um Chile zu schaden, sagte der Minister. Eine nächtliche Ausgangssperre in Santiago de Chile wurde verlängert. Am Flughafen der Hauptstadt fielen Hunderte Flüge aus.

Die Regierung hat fast 10.000 Polizisten und Soldaten mobilisiert. Es ist das erste Mal seit dem Ende der Diktatur unter General Augusto Pinochet 1990, dass in der chilenischen Hauptstadt das Militär patrouilliert.

Wegen der Proteste sind bereits rund 1.500 Menschen festgenommen worden. Die Zahl der Todesopfer stieg auf zehn: Fünf Leichen wurden am Sonntag in einer geplünderten und in Brand gesetzten Kleiderfabrik in Santiago de Chile geborgen, wie die Feuerwehr mitteilte. Am Sonntagmorgen waren in zwei Supermärkten der Hauptstadt zwei Frauen und ein Mann ebenfalls bei Bränden nach Plünderungen umgekommen. Weitere zwei Tote wurden in der ausgebrannten Halle einer Baumarktkette im Süden Santiagos aufgefunden, teilte Bürgermeisterin Karla Rubilar mit.

Präsident Piñera hatte die Fahrpreiserhöhung am Samstag angesichts der Proteste ausgesetzt. Die Unruhen hielten aber an. In ihnen entlädt sich auch Wut über soziale Ungleichheiten in dem Land, das politisch wie wirtschaftlich als eines der stabilsten Südamerikas gilt.




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