Letztes Update am Mo, 21.10.2019 11:05

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kurdische Kämpfer haben sich aus Ras al-Ain zurückgezogen



Die kurdischen Einheiten haben sich vollständig aus der nordsyrischen Grenzstadt Ras al-Ain zurückgezogen. Die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vermeldeten am Sonntag den Abzug ihrer Kämpfer, die Türkei bestätigte die Angaben. Ein Reporter beobachtete, wie ein Konvoi aus dutzenden Fahrzeugen die Stadt verließ. Die USA verlegen indes Soldaten aus Syrien in den Irak.

Ras al-Ain wurde zuletzt von türkischen Militäreinheiten und syrischen Hilfstruppen belagert. Der Abzug der SDF, die von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) dominiert werden, war Bestandteil der am Donnerstag zwischen den USA und der Türkei ausgehandelten Vereinbarung für eine fünftägige Waffenruhe in Nordsyrien.

Die Kampfpause soll den YPG-Kämpfern den Abzug aus einer geplanten „Sicherheitszone“ an der türkischen Grenze erlauben. Allerdings herrscht keine Einigkeit über das genaue Ausmaß dieser Pufferzone.

Der Konvoi mit kurdischen Kämpfern und Verletzten, der Ras al-Ain am Sonntag verließ, bestand nach Angaben eines AFP-Korrespondenten aus mehr als 50 Fahrzeugen, darunter Krankenwagen. Der Konvoi erreichte später die Stadt Tal Tamr südlich von Ras al-Ain.

Die SDF hatten die türkische Regierung am Samstag beschuldigt, die vereinbarte Waffenruhe nicht einzuhalten und den Abzug ihrer Kämpfer aus Ras al-Ain zu blockieren. Die Türkei wies dies zurück und warf der YPG-Miliz ihrerseits zahlreiche Angriffe vor. Am Sonntag wurde nach Angaben Ankaras ein türkischer Soldat bei einer „Aufklärungs- und Überwachungsmission“ in der Region um Tal Abjad getötet.

Unterdessen verlegen die USA nach dem Rückzugsbefehl von Präsident Donald Trump Soldaten aus Syrien in den benachbarten Irak. Amerikanische Truppen überquerten am Montag den Grenzübergang Sahela, mehr als 100 Fahrzeuge kamen in die nordirakische Provinz Dohuk in der Autonomen Region Kurdistan, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Mitarbeiter vor Ort berichtete.

US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte am Samstag erklärt, dass alle der nahezu 1.000 im Norden Syriens stationierten Soldaten im westlichen Irak erwartet würden, um den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ fortzusetzen und dabei zu helfen, den Irak zu verteidigen.

Trump hatte kürzlich überraschend entschieden, die US-Soldaten aus Syrien abzuziehen. Er erntete dafür scharfe Kritik auch aus den eigenen Parteireihen, weil er damit den Weg für eine türkische Offensive in der Region freimachte. Diese richtet sich gegen die über Jahre hinweg an der Seite der USA gegen den IS kämpfenden Kurden-Milizen in Syrien. Trumps Kritiker werfen ihm vor, nicht nur die einstigen engen Verbündeten im Stich zu lassen, sondern auch den Kampf gegen den radikalislamischen IS zu schwächen.

Laut einem Bericht der „Welt am Sonntag“ richtete die NATO wegen der türkischen Offensive einen Krisenstab ein. Die Task Force solle sich mit dem türkischen Militäreinsatz und seinen möglichen Folgen beschäftigen.

Die Türkei habe sich bei einer Sitzung der 29 NATO-Botschafter bereit erklärt, die NATO-Partner laufend über Angriffe, Flüchtlingsbewegungen und Schäden in dem Kampfgebiet zu unterrichten, hieß es in dem Bericht. Außerdem habe Ankara klar gemacht, dass die Angriffe im Norden Syriens bis in die erste November-Hälfte hinein fortgeführt werden sollten.

Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ machten in der Sitzung des Nordatlantikrates vor allem Deutschland, Frankreich, Albanien, Island, Belgien und Luxemburg klar, dass Ankara von ihnen „keine Unterstützung“ im Zusammenhang mit der Offensive in Nordsyrien erwarten könne. Daher könne die Türkei auch im Fall eines Gegenangriffs aus Syrien auf türkisches Gebiet und einer Anfrage an die NATO nicht mit Beistand nach Artikel 5 rechnen.




Kommentieren