Letztes Update am Mo, 21.10.2019 13:51

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aktion gegen ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit



Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und die Wiener Frauenstadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) haben am Montag mit einer Medienaktion in Wien auf den österreichweiten Equal Pay Day und die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern aufmerksam gemacht. Sie forderten unter anderem mehr Lohntransparenz in Betrieben sowie einen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen.

Bei einem Infostand auf der Mariahilfer Straße erhielten Passanten einen Haushaltsplan zum Ausfüllen, der helfen soll, Hausarbeit fair zu organisieren. AK-Präsidentin Renate Anderl sprach sich gegenüber der APA außerdem für mehr Lohntransparenz auf betrieblicher Ebene aus. Hier müsse „nachjustiert“ werden. Aktuell sind nur Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeitern verpflichtet, einen Einkommensbericht zu erstellen. Zur Kontrolle dieser Berichte brauche es zudem eine unabhängige Kommission, forderte Anderl.

Für ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann muss vor allem bei der Kinderbetreuung angesetzt werden, um die Lohnschere zu schließen. „Für mich ist der Knackpunkt die sogenannte ‚unbezahlte Arbeit‘ - sprich Kindererziehung, Pflege und Haushalt“, sagte Schumann. Sie pochte auf den österreichweiten, flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. „Wir müssen so früh wie möglich ansetzen“, betonte Gaal. Mädchen müsse schon früh das Selbstbewusstsein mitgegeben werden, dass sie sich alles zutrauen können und sie müssten auch für technische und wissenschaftliche Berufe begeistert werden.

Am Equal Pay Day haben Männer statistisch gesehen bereits jenes Einkommen erreicht, für das Frauen noch bis zum Jahresende arbeiten müssen. In diesem Jahr arbeiten Frauen im Verhältnis zu den Männern 72 Tage „gratis“. In Österreich werden seit Jahren zwei Tage der Einkommensgerechtigkeit begangen, was auf die Berechnungsmethode zurückzuführen ist. Neben dem Herbsttermin gibt es somit auch einen Equal Pay Day im Frühling.

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Die Einkommensschere öffnet sich bereits während des Studiums: Laut einer Studie rechnen Studentinnen mit einem deutlich geringeren Einstiegsgehalt als ihre männlichen Kollegen. Demnach geben sich Frauen aller Studienrichtungen im Schnitt mit rund 6.000 Euro weniger Jahresgehalt zufrieden als ihre männlichen Kollegen.

Besonders ausgeprägt ist der Unterschied in den Naturwissenschaften. Für die Erhebung des Recruiting-Unternehmens StepStone und der Beratungsfirma Universum wurden von Oktober 2018 bis März 2019 österreichweit mehr als 10.000 Studierende befragt. Frauen fordern außerdem viel seltener eine Gehaltserhöhung. Während gut ein Viertel aller Männer (26 Prozent) jedes Jahr nach einer Gehaltserhöhung fragt, hat laut dem Stepstone-Gehaltsreport mehr als jede dritte Frau (42 Prozent) noch nie um mehr Geld gebeten.

Um die Einkommensschere zu schließen, forderten die Grünen einen Nationalen Aktionsplan. „Österreich ist hier ein frauenpolitisches Rückschrittsland, dabei könnten wir Vorbild sein“, kritisierte die designierte Nationalratsabgeordnete Ewa Ernst-Dziedzic in einer Aussendung. Sie sprach sich für eine deutliche Anhebung der Gehälter in Dienstleistungsbereichen wie Gesundheit, Pflege und Soziales aus.




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