Letztes Update am Mi, 23.10.2019 06:04

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Porträt einer jungen Frau in Flammen“ eröffnet 57. Viennale



Was ist der weibliche Blick? Eine Frage, die in Zeiten der Genderdebatte auch im Film eindringlich gestellt wird. Eine mögliche Antwort gibt die Regisseurin Celine Sciamma mit ihrem vierten Spielfilm „Portrait de la jeune fille en feu“ („Porträt einer jungen Frau in Flammen“). Nach seiner Cannes-Premiere fungiert das feministische Historiendrama am Donnerstag als Eröffnungsfilm der 57. Viennale.

Die 40-jährige Französin Sciamma, die heuer in Cannes mit dem Drehbuch-Preis für ihr Werk geehrt wurde, gelingt die Verquickung eines zunächst klassisch anmutenden Kostümfilms mit einem zeitgenössischen Problembewusstsein - und das praktisch ohne männliche Darsteller. Stattdessen rückt Sciamma ein Darstellerinnen-Quartett rund um Nachwuchsstar Adele Haenel ins Zentrum. Die 30-jährige Schauspielerin fungiert als Stargast bei der Eröffnungsgala im Gartenbaukino.

Frankreich im Jahr 1770. Die Malerin Marianne (Noemie Merlant) wird auf eine Insel übergesetzt, auf der nur Frauen zu leben scheinen. Sie soll im Auftrag einer Gräfin (Valeria Golino) das Hochzeitsporträt ihrer Tochter Heloise (Adele Haenel) malen. Zwei kleine Umstände gestalten den Auftrag jedoch schwierig: Die Vorgängerin ist unter rätselhaften Umständen an der Aufgabe gescheitert, und die Tochter wird nicht Modell sitzen. Sie darf sogar nichts von dem Vorhaben wissen.

Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich jedoch kein herkömmlicher Künstlerfilm aus feministischer Perspektive, obwohl Seitenhiebe auf den auch damals keineswegs geschlechtergerechten Kunstbetrieb nicht fehlen, sondern eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Sciamma, die zuletzt 2014 mit ihrem Film „Mädchenbande“ („Bande de filles“) bei der Viennale vertreten war, knüpft zarte Bande zwischen der eben aus dem Kloster gekommenen herrischen Tochter und der ebenfalls recht selbstsicheren Künstlerin.

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Das Duo wird durch eine junge Hausangestellte Sophie (Luana Bajrami) zum Trio erweitert, das eng zusammenrückt, als die Gräfin die jungen Frauen für ein paar Tage allein lässt. Sophie ist nämlich schwanger, und die beiden anderen Mädchen tun alles, ihr dabei zu helfen, das ungewollte Kind loszuwerden. Dass man auch für die Liebe keine Männer braucht, erfahren Malerin und Modell, als sie endlich unbeaufsichtigt ihren Gefühlen freien Lauf lassen können und miteinander im Bett landen - eine schon bald recht vorhersehbare Entwicklung.




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