Letztes Update am Do, 24.10.2019 11:27

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Moskau will friedlichen syrischen Kurden Schutz garantieren



Russland hat den friedlichen syrischen Kurden einen Verbleib in der 30 Kilometer breiten Sicherheitszone im Norden des Landes an der Grenze zur Türkei zugesichert. Es gebe keine Notwendigkeit, dass friedliche Bürger ihre Wohnungen verließen, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu einer Mitteilung zufolge am Mittwochabend.

Demnach äußerte sich Schoigu in einer Videokonferenz mit den von der Kurdenmiliz YPG dominierten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Garanten für Sicherheit seien die russische Militärpolizei und die syrischen Grenzsoldaten, sagte er in dem Gespräch mit SDF-Kommandant Mazloum Kobani Abdi. Zugleich kündigte Schoigu an, die Patrouillen russischer Kräfte noch auszuweiten und die Zahl der Einheiten an der syrisch-türkischen Grenze zu erhöhen.

Abdi dankte der Mitteilung zufolge Russland und Präsident Wladimir Putin für die Gewährleistung der Sicherheit des kurdischen Volkes sowie für die Schritte, die zu der Waffenruhe geführt hätten. Der Kommandant bestätigte demnach, dass Russen und Syrer ihre Posten bezogen hätten. „Wir leisten ihnen jede Hilfe und Unterstützung“, wurde der General zitiert.

Durch den Abzug der US-Truppen sahen sich die Kurden zuletzt zum Dialog mit dem syrischen Regime gezwungen. Am Dienstag hatten sich Russland als Unterstützer der syrischen Regierung sowie die Türkei auf eine neue Waffenruhe im Norden Syriens geeinigt. Zudem vereinbarten sie, dass sich die YPG aus dem Gebiet an der syrischen-türkischen Grenze zurückziehen muss, das sie bisher kontrollierte. Den koordinierten Militäreinsatz in Nordsyrien handelten der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Putin bei einem Treffen in Sotschi aus.

Am Mittwoch überquerte ein erster Konvoi der russischen Militärpolizei auf dem Weg zur syrisch-türkischen Grenze den Euphrat. Der Türkei fällt laut der Vereinbarung die alleinige Kontrolle über ein 120 Kilometer langes Gebiet zwischen Ras al-Ain und Tal Abyad im Norden Syriens zu. Westlich und östlich dieser von der Türkei beanspruchten „Sicherheitszone“ sollen die türkischen und russischen Einheiten künftig in einem zehn Kilometer tiefen Streifen gemeinsam patrouillieren.

Wie die SDF mitteilte, dankte General Abdi Schoigu, dass Russland der Zivilbevölkerung die „Geißel“ des Krieges erspare. Abdi habe aber auch „Vorbehalte gegenüber einigen Punkten“ der Vereinbarung zwischen Russland und der Türkei geäußert. Diese erforderten „weitere Diskussionen“.

Der türkische Botschafter in Wien, Ümit Yardim, warf indes der Kurdenmiliz YPG und der als Terrororganisation eingestuften Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor, während der türkischen Offensive in Nordsyrien über 100 Angehörigen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zur Flucht aus Gefängnissen verholfen zu haben. „Die PKK und YPG haben die Gefangenen IS-Kämpfer befreit“, sagte er in Wien.

Mit der international stark umstrittenen Militäroperation „Quelle des Friedens“ in Nordsyrien wolle sich die Türkei vor der „Terrorgefahr“ durch YPG, PKK und IS schützen. „Das ist das Recht aller Länder“ unterstrich der Botschafter und verwies auf den Artikel 51 der UNO-Charta, der staatliche Selbstverteidigung regelt und das Adana-Abkommen von 1998, das das Verbot von PKK-Aktivitäten in Syrien verbietet. „Die PKK und YPG sind Terrororganisationen“, bekräftigte der Botschafter.

Yardim kündigte zugleich Maßnahmen gegen den IS in der Grenzzone an: „Im vergangenen Jahr haben wir in Afrin 4.000 bis 5.000 IS-Kämpfer eliminiert“, sagte er. „Russland und die Türkei wollen gemeinsam den Terrorismus in der Region bekämpfen“, fuhr er fort.




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