Letztes Update am Do, 24.10.2019 15:07

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rapid wehrt sich vor Duell gegen Salzburg: Keine Überhärte



Das bestimmende Thema nach dem Bundesliga-Sonntagsspiel von Rapid gegen Wolfsberg war die harte Gangart der Wiener. Auch gegen Salzburg werde Rapid am Sonntag „physisch spielen“, kündigte Trainer Dietmar Kühbauer an. Die Austria will nach zwei Niederlagen gegen die WSG Tirol am Wochenende erstmals anschreiben. Sturm tritt im Auswärtsspiel in St. Pölten am Samstag als Favorit an.

Die Grün-Weißen wiesen Vorwürfe, man habe Verletzungen in Kauf genommen, strikt zurück. Schiedsrichter Alexander Harkam hatte in dem Match am Sonntag zwar zehn Gelbe Karten an Feldspieler ausgeteilt, Rot jedoch in seiner Gesäßtasche belassen. WAC-Trainer Gerhard Struber deutete an, dass einige Fouls mit Vorsatz passiert hätten sein können, was die Rapidler freilich nicht im Raum stehen lassen wollten. „Unsere Spieler sind leidenschaftlich und mit hohem Willen in die Begegnung gegangen, aber sich nicht, um jemanden zu verletzen“, wehrte sich jetzt auch Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek.

Nun trifft Rapid am Sonntag auswärts im Schlager der 12. Runde auf Spitzenreiter Salzburg. Die Begegnung gibt es im Kalenderjahr bereits zum fünften Mal, wobei die Bilanz von Rapid klar negativ ist. Vier Spiele gingen verloren, nur einmal setzten sich die Wiener durch. Am 24. Februar feierte man vor eigenem Publikum in der Liga einen 2:0-Sieg gegen die „Bullen“.

Die Partien waren zumeist sehr eng und hart umkämpft. Vor allem das bisher letzte Duell im ÖFB-Cup vor einem Monat hatte es in sich: Erst in der 121. Minute erzielte Salzburgs Takumi Minamo das siegbringende 2:1, davor rackerten die Rapidler mit allen möglichen Mitteln. Mit Kapitän Stefan Schwab und Dalibor Velimirovic sahen zwei Grün-Weiße wegen ihres harten Einsteigens Gelb-Rot. Salzburgs Mittelfeldspieler Antoine Bernede erlitt einen Schienbeinbruch.

„Wenn wir jetzt gegen Salzburg nicht physisch spielen, wenn wir nicht gegen den LASK physisch spielen, dann glaube ich, bin ich der falsche Trainer“, betonte Kühbauer, der zuletzt mit seinem Salzburg-Widerpart Jesse Marsch aneinandergeraten war. Man dürfe aber nicht darüber hinwegsehen, dass Rapid einen besseren Fußball spielt als in der Vorsaison.

Nach elf Runden stehen die Hütteldorfer auf Platz vier, ab jetzt soll der „nächste Schritt“ gelingen. Partien, in denen man die bessere Mannschaft ist, sollen öfter gewonnen, die Punkteausbeute dadurch verbessert werden. Mit Salzburg kommt der härteste Gegner gleich zu Beginn der Rückrunde. Von den jüngsten sechs Partien in Wals-Siezenheim gingen fünf verloren. „Es wird eine sehr, sehr intensive Partie wieder“, sagte Schwab. „Natürlich wollen wir dort nicht hinfahren und mitspielen, und am Ende des Tages verlieren wir. Wir haben schon etwas vor dort und wollen punkten.“

Gegen Salzburg werde man nicht viele Chancen bekommen. „Deswegen ist es wichtig, dass man die wenigen, die man bekommt, reinmacht“, meinte Innenverteidiger Maximilian Hofmann. „Da muss viel zusammenpassen, da muss jeder bei hundert Prozent sein und dann auch das nötige Spielglück da sein, dass man dort was holt. Aber ich glaube, dass wir, wie man auch schon im Cup gesehen hat, auf jeden Fall in der Lage dazu sind.“

Nach zwei Niederlagen will die Austria gegen die WSG am Wochenende erstmals anschreiben. Dabei helfen soll, dass die Partie in der 12. Runde der Fußball-Bundesliga zu Hause in Wien-Favoriten stattfindet. Dort soll der dritte Heimsieg in Folge gelingen. „Für die ganze Austria-Familie wären drei Punkte am Samstag enorm wichtig“, betonte Tarkan Serbest.

„Wir haben jetzt die Möglichkeit, es daheim vor unseren eigenen Fans besser zu machen als in Tirol“, sagte der Defensivmann, der vor seinem 100. Bundesliga-Einsatz steht. Zum Liga-Auftakt im Juli hatten sich die Wiener beim Aufsteiger in Innsbruck eine 1:3-Watsche abgeholt. Ende September wurde es im ÖFB-Cup noch schlimmer: Die WSG setzte sich im Zweitrunden-Duell in Wattens verdient 5:2 durch, nachher wurde medial schon der bevorstehende Rauswurf von Austria-Coach Christian Ilzer heraufbeschworen.

Seit der Schmach von Wattens ist es nur sehr mühsam und minimal bergauf gegangen. Auf einen Schritt nach vorne folgte meistens wieder einer zurück. Am Sonntag holte die Austria gegen den Letzten St. Pölten nur ein 2:2-Remis. „Wir haben uns den Saisonstart wie jeder Austrianer ganz anders vorgestellt“, stellte Serbest klar. „Wir haben in St. Pölten sehr gut begonnen, unsere Chancen nicht genützt und nicht konsequent genug verteidigt. Das zieht sich schon durch die ganze Saison.“ In der Tabelle stehen die Violetten auf dem siebenten Platz, drei Zähler hinter Hartberg.

Sich mit Vergangenem zu beschäftigen, helfe jedoch nicht. „Wir müssen daraus lernen und nach vorne schauen“, meinte Serbes. Die Rückkehr von Michael Madl nach längerer Verletzungspause soll eine Stabilisierung bewirken. Der Verteidiger gab schon gegen den SKN sein Comeback.

Die Tiroler, die zuletzt in vier Spielen nur einen Punkt gewannen, wollen den Großstädtern auch beim dritten Mal ein Bein stellen. Allerdings gab Trainer Thomas Silberberger zu bedenken, dass man nun wieder auf eine neue Austria treffe, die den Reset-Knopf gedrückt habe und mit einer Fünferkette in der Abwehr zur „Basis zurückgekehrt“ sei.

Tabellarisch mittlerweile auf Platz neun zurückgefallen, sieht Silberberger sein Team dort, „wo wir uns am Ende hinsehnen“. Es habe sich herauskristallisiert, „wo die Reise hingeht“, wenngleich zuletzt der eine oder andere Punkte „grob fahrlässig“ liegen gelassen worden sei.

Gegen die Austria müsse man wieder aggressiver und fokussierter auftreten, forderte auch Lukas Grgic: „Dann können wir jedem Gegner Schmerzen bereiten.“ Verzichten müssen die Wattener bei ihrer Reise in den Osten der Republik auf die beiden Stamm-Innenverteidiger David Gugganig, der wegen einer Gelb-Sperre ausfällt, und Ione Cabrera (nach Schulter-OP).

Sturm Graz schlüpft nach dem „Prestige-Punkt“ gegen Salzburg wieder in eine Rolle, die den Steirern nicht immer behagt. Im Auswärtsspiel beim Bundesliga-Letzten St. Pölten am Samstag (17.00 Uhr) tritt Sturm als Favorit an und muss Initiative übernehmen. Während der Fünfte mit einem Sieg in die Rückrunde des Grunddurchgangs starten will, hofft St. Pölten auf den zweiten Saisonerfolg überhaupt.

„Jedes Spiel ist wie ein Tanz, wo auch der Partner dazugehört. Gegen St. Pölten sollte Sturm der Tanzpartner sein, der führt“, meinte Nestor El Maestro zur Ausgangslage. Sturms Trainer kann in der NV-Arena fast auf seinen gesamten Kader zurückgreifen. Einzig Kapitän Stefan Hierländer war aufgrund von Knieproblemen fraglich. Zum Saisonstart gewann Sturm das Duell daheim mit 3:0, wobei St. Pölten nach einer Roten Karte gegen Rene Gartler über eine Stunde in Unterzahl agieren musste.

El Maestro pries die Niederösterreicher als eine der laufstärksten Mannschaften der Liga. „Sie haben uns in Graz physisch vieles abverlangt. Ich erwarte ein schweres Spiel, aber ein positives Ergebnis“, betonte er. Mit dem 1:1 gegen Meister Salzburg erarbeiteten sich die Grazer wieder Selbstvertrauen. Wichtig sei die „Balance“, wie El Maestro am Donnerstag immer wieder betonte. „Die Vorbereitung gegen St. Pölten ist schwieriger als gegen Salzburg. Man kann eine Mannschaft gut auf Salzburg einstellen, weil die stets ihr Ding durchspielen“, merkte der Serbe an.

St. Pölten kassierte gegen Sturm zuletzt zwei Niederlagen, wobei den Niederösterreichern auch beim 0:1 im Mai kein Treffer gelang. Acht Tore in der Meisterschaft sind insgesamt keine allzu große Ausbeute. Dass der Schnitt beim 2:2 gegen die Austria deutlich erhöht wurde, ist für Alexander Schmidt ein gutes Zeichen. „Im Leistungssport spielt sich viel im Kopf ab. Es war wichtig, dass wir gegen die Austria viel präsenter waren und uns belohnt haben. Das kann schon Kräfte freisetzen“, betonte der SKN-Coach. Seine Mannschaft wartet zu Hause schon seit Dezember des Vorjahres auf einen Erfolg in der Liga.

Gegen Sturm gelte es wieder, an die Leistungsgrenze zu gehen. Einer, der diesbezüglich zur vollsten Zufriedenheit agiert, ist Pak Kwang-ryong. Der Nordkoreaner sei ein Spieler, der andere mit seinem körperbetonten Stil mitreißen könne, urteilte Schmidt. „Es hat schon Wucht, wenn er sich mit seinen knapp 90 Kilogramm reinhaut.“ Gegen die Austria war Pak St. Pöltens wichtigster Mann, auch wenn er erst zwei Tage zuvor aus der Heimat nach Österreich zurückgereist war.




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