Letztes Update am Do, 24.10.2019 15:11

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spanischer Diktator Franco unter Protesten exhumiert



Der spanische Diktator Francisco Franco ist fast 45 Jahre nach seinem Tod und unter den Protesten Hunderter Anhänger aus dem Grab geholt worden. Die streng abgeschirmte Exhumierung Francos (1892-1975) fand am Donnerstag im Mausoleum im „Tal der Gefallenen“ nordwestlich von Madrid statt. Der Leichnam wurde per Hubschrauber zum Friedhof El Pardo-Mingorrubio am Nordrand der Stadt gebracht.

Die Exhumierung wurde von Demonstrationen von Anhängern des faschistischen Diktators begleitet. Viele Menschen riefen immer wieder „Viva Franco!“ und hoben den rechten Arm zum faschistischen Gruß. Fernsehaufnahmen zeigten, wie der Sarg des verstorbenen Diktators von acht seiner Angehörigen zu einem Bestattungswagen transportiert wurde. Unter den Angehörigen befand sich auch sein Urenkel Louis de Bourbon, ein entfernter Cousin des spanischen Königs Felipe VI..

Bei der Exhumierung durften nur 22 Mitglieder der Familie Franco und Justizministerin Dolores Delgado anwesend sein. Zunächst musste dabei eine tonnenschwere Steinplatte gehoben werden, unter der der Machthaber begraben war. Auf Wunsch der Angehörigen sollte Franco trotz Schäden im gleichen Sarg umgebettet werden, in dem er seit November 1975 ruht, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise. Auf dem Friedhof war eine Messe im engsten Kreis geplant.

Die Umbettung war von der sozialistischen Regierung beschlossen worden, um den Wallfahrten von Rechtsextremen zum gigantischen Mausoleum ein Ende zu bereiten. Der Franquismuser Franquismus spaltet bis heute die spanische Gesellschaft. Während auch ranghohe Politiker des konservativen Spektrums Widerstand leisteten und Anhänger von „Grabschändung“ sprachen, feierten Linkspolitiker und Vertreter der Opfer einen „historischen Tag“. Die Umbettung sei „ein großer Sieg der Würde, der Erinnerung, der Gerechtigkeit, der Wiedergutmachung und damit der spanischen Demokratie“, sagte der sozialdemokratische Regierungschef Pedro Sánchez am Mittwoch.

Auf dem Friedhof 20 Kilometer nördlich von Madrid ist bereits Francos Frau beerdigt. Über die letzte Ruhestätte für den früheren Diktator wurde in Spanien lange gestritten. Das Oberste Gericht des Landes hatte im September eine Berufung von Francos Angehörigen gegen die Exhumierung zurückgewiesen. Sein monumentales Mausoleum im Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen), das der Diktator selbst hatte bauen lassen, war seit Jahren eine Pilgerstätte für Rechtsextreme.

Franco war als Sieger aus dem Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 zwischen seinen rechten Putschisten und den Anhängern der republikanischen Regierung hervorgegangen; er regierte Spanien bis zu seinem Tod am 20. November 1975 mit harter Hand.




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