Letztes Update am Do, 24.10.2019 15:35

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Warnung vor Baby-Milchpulver wegen Mineralölrückständen



In mehreren Milchpulver-Produkten für Säuglinge sind laut der deutschen Verbraucherorganisation foodwatch Rückstände potenziell krebserregender Mineralöle gefunden worden. Bei drei von vier in Deutschland gekauften Produkten seien Verunreinigungen mit aromatischen Kohlenwasserstoffen nachgewiesen worden, zwei davon sind in Österreich erhältlich. foodwatch berief sich auf unabhängige Laboranalysen.

Es geht um Werte zwischen 0,5 und drei Milligramm pro Kilo, hieß es bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Organisation fordert Null-Toleranz beim Gehalt dieser Stoffe in Lebensmitteln - einen gesetzlichen Grenzwert gibt es bisher nicht.

Es bestehe keine akute Gesundheitsgefahr, sagte ein foodwatch-Sprecher auf Anfrage. Dennoch forderte die Organisation einen sofortigen Verkaufsstopp und den Rückruf der betroffenen Produkte in Deutschland und Österreich. Eltern sollten Kinder vorsorglich nicht damit füttern.

Die Rückstände wurden demnach in „Beba Optipro Pre, 800 g, von Geburt an“ und „Beba Optipro 1, 800 g, von Geburt an“ von Nestle nachgewiesen, außerdem in der „Novalac Säuglingsmilchnahrung Pre, 400g“. Nestle wollte sich laut Pressesprechern in Deutschland und Österreich noch zu den Vorwürfen äußern. Die hinter Novalac stehende Kölner Firma Vived war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Der Lebensmittelverband Deutschland erklärte generell, dass es eine Null-Toleranz für Mineralölkohlenwasserstoffe und ähnliche Substanzen „auch aufgrund der umweltbedingten und folglich unvermeidbaren Grundbelastung kaum geben“ könne. Aus heutiger Sicht sei dies auch gesundheitlich nicht problematisch. Die Lebensmittelwirtschaft arbeite kontinuierlich daran, zur Reduzierung des Eintrags beizutragen. Eine von der APA bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) angefragte Stellungnahme lag am Donnerstagnachmittag noch nicht vor.

Dass solche Ölbestandteile in geringen Mengen aus Verpackungen auf Lebensmittel wie Reis übergehen können, ist seit Jahren bekannt. Als Ursache standen bisher vor allem recycelte Kartons im Fokus: Für die Herstellung wird bedrucktes Altpapier verwendet, und die Druckfarben können Mineralöle enthalten. foodwatch vermutet im aktuellen Fall, dass Weißblechdosen, in denen manche Hersteller ihr Milchpulver anbieten, Quelle der Verunreinigungen sein könnten.

MOAH „gehören definitiv nicht in Lebensmittel“, sagte Birgit Beck, Ernährungswissenschafterin beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), auf APA-Anfrage. Die Forderungen nach Rückruf und Verkaufsstopp seien gerechtfertigt, ebenso wie eine Null-Toleranz beim Nachweis in Säuglingsnahrung. Das Problem sei zwar bekannt, aber vergleichsweise neu, deshalb fehlten Grenzwerte. Eltern rät die VKI-Expertin bezüglich der beanstandeten Produkte: „Ich würde sie derzeit nicht verwenden, außer es gibt Entwarnung.“ Als Alternative verwies sie auf in Beutel und eine Kartonumverpackung gefüllte Milchpulver. „Bei einem Test solcher Produkte hat der VKI im Jahr 2016 keine dieser Substanzen nachgewiesen“, sagte Beck. Pulver aus Dosen waren damals nicht untersucht worden.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bezeichnet diese Art von Verunreinigungen auf seiner Webseite generell als „unerwünscht“. Übergänge auf Lebensmittel sollten minimiert werden. „Eine gesundheitliche Bewertung ist aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht möglich“, hieß es. Bei früheren Funden von Mineralölspuren, etwa in Schokolade aus Adventkalendern, verwiesen Experten auf geringe tägliche Aufnahmemengen.




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