Letztes Update am Fr, 25.10.2019 12:47

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Die bunte Mutter der Mangas: MAK feiert Japans Druckgrafik



Es sind bunte, verspielte und teils kreischende Zeugnisse einer vergangenen Zeit, die doch erstaunlich heutig wirken: Japanische Druckgrafiken. Und das moderne Antlitz dieser Kunstform ist kein Zufall, bildet ihre Stilistik doch bis heute das starke Fundament für Manga und Comics. Die Hochzeit dieser Ukiyoe, so ihr japanischer Name, wird nun vom MAK mit zwei Ausstellungen gefeiert.

Der Schwerpunkt der in der Präsentation leidlich konventionell gehaltenen Schauen liegt auf dem Oeuvre von Utagawa Kuniyoshi - dem vielleicht größten Meister der Ukiyoe im 19. Jahrhundert. Rund 10.000 Vorlagen für Holzschnitte fertige der 1861 just zur erzwungenen Öffnung Japans verstorbene Künstler Zeit seines Lebens. Und 600 Blätter des Urvaters der Mangas finden sich in der MAK-Sammlung.

Bei den nun gezeigten 130 Arbeiten liegt der Fokus vornehmlich auf den kommerziellen Erzeugnissen für die florierende Unterhaltungsindustrie seiner Zeit, nicht den vom Designer Kuniyoshi ebenfalls produzierten politischen Karikaturen. Und so entfächert sich der bunte Reigen an Märchen, Schauspielerporträts und Theaterszenen teils naiv und bildtiefenvermeidend, teils in frappanter Detailversessenheit vor dem Auge des Betrachters.

Beim historischen Blick belässt man es im MAK allerdings nicht, sondern stellt mit einer zweiten Schau unter dem Titel „UkiyoeNow“ den Bezug zur Gegenwart her. „Die Ausstellung beschäftigt sich auch mit der Frage, wie die Gegensätze Handwerk und Digitaltechnik, lokal und global sich auf die Ukiyoe auswirken“, umriss Kuratorin Mio Wakita-Elis bei der Präsentation am Freitag das Konzept.

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So führen heute viele Künstler das verhältnismäßig günstig herzustellende und deshalb Teil der Mainstream- und Unterhaltungskultur gewordene Massenprodukt in eine neue Zeit. Die Tradition des Farbholzschnittes spiegelt sich etwa in den Arbeiten von Masumi Ishikawa und Megumi Oishi vom 2014 gegründeten Ukiyo-e Project. David Bowie oder Kiss fungieren hier als Bildträger im Edo-Kleid.

Besonders humorvoll sind die Arbeiten des Grafikdesigners Andrew Archer, der weniger die Technik des Farbholzschnitts als die Ästhetik und Ikonografie der Ukiyoe fortführt. Seine Arbeiten entstehen digital, wobei der gebürtige Australier die scheinbar fernen Themen Basketball und Ukiyoe vereint. In Werken wie „Durantula“ zeigt er Basketballstar Kevin Durant als Spinne oder lässt mit „Dirkiryo“ den deutschen Spieler Dirk Nowitzki mit einem Skelett kämpfen. Mit der Themenwahl des Sports anstelle des Theaters geht somit auch eine Abkehr von der spezifisch japanischen Motivik hin zu einer globalen Kunstsprache einher.

Mit der aktuellen Rückschau wirft das MAK wie derzeit auch das Museumsquartier mit seiner Ausstellung „Japan Unlimited“ ein Schlaglicht auf einen im Westen selten zu sehenden Aspekt japanischer Kultur. Und den Japan-Fokus setzt man auch am morgigen Nationalfeiertag fort, wenn der traditionelle „MAK Day“ unter das Motto „Goes Japan“ gestellt wird. Bei fünf Euro Eintritt stehen in Sonderführung die beiden neuen Ausstellungen im Zentrum.

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