Letztes Update am Fr, 25.10.2019 16:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Heftige Waldbrände wüten in Kalifornien



Waldbrände haben in Kalifornien Tausende Menschen in die Flucht getrieben. Die beiden größten Feuer wüteten in dem Weinbaugebiet Sonoma County und bei Santa Clarita nahe Los Angeles. Um die Gefahr weiterer Brände durch beschädigte Leitungen zu bannen, schalteten Energieversorger mancherorts den Strom ab. Medienberichten zufolge waren zeitweise gut 200.000 Haushalte betroffen.

Der Wetterdienst warnte, starke Winde könnten manche Feuer am Wochenende weiter anfachen. Das „Tick“-Feuer, rund 50 Kilometer nördlich von Los Angeles, bedrohte nach Angaben der Behörden in Südkalifornien eine dicht besiedelte Region mit 10.000 Gebäuden. Etwa 40.000 Menschen seien aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen. Die Flammen hätten bisher eine Fläche von 16 Quadratkilometern verbrannt. Sechs Gebäude wurden laut Medienberichten zerstört. Die Brandursache war nicht bekannt. Das Feuer war in der Nähe der Tick Canyon Road gemeldet worden und wurde von der Feuerwehr von Los Angeles County deshalb „Tick“-Feuer genannt, berichteten die „Los Angeles Daily News“.

Der Versorger Southern California Edison (SCE) habe rund 30.000 Kunden vom Strom abgeschnitten, hieß es in Medienberichten. Mit den Stromabschaltungen soll verhindert werden, dass der Wind Leitungen abreißt oder herabfallende Äste diese beschädigen und dadurch Brände verursachen.

Wegen erhöhter Waldbrandgefahr hatte genauso der Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG&E) seit Mittwoch in Teilen Nordkaliforniens den Strom abgeschaltet, auch im Bezirk Sonoma. Bis zu 179.000 Kunden waren zeitweise von den Blackouts betroffen. Nach Angaben des Unternehmens sollte bis Freitagabend die Versorgung wieder hergestellt werden.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Im nordkalifornischen Sonoma County hätten sich die Flammen auf einer Fläche von mehr als 64 Quadratkilometern ausgebreitet, teilte die Feuerwehr mit. Mindestens 49 Gebäude wurden zerstört. Mehrere Hundert Feuerwehrleute und mehrere Lösch-Hubschrauber waren im Einsatz. Starker Wind mit Böen von bis zu 96 Stundenkilometern hatte das Feuer in der Nacht schnell ausbreiten lassen.

Der Brand tobte in der Nähe des Ortes Geyserville, eines beliebten Ausflugsziels rund 120 Kilometer nördlich von San Francisco. In dem Sonoma-Bezirk, bekannt vor allem als Weinanbaugebiet, hatte die Polizei rund 2.000 Einwohner aufgefordert, die Gefahrenzone rasch zu verlassen. Berichte über Verletzte, Tote oder vermisste Anrainer gab es zunächst nicht. Die Ursache des Brandes war bisher unklar.

Bei warmen Temperaturen und extremer Trockenheit fraß sich das „Kincade“-Feuer durch hügeliges, schwer zugängliches Hinterland. Es bedrohte aber auch die Ortschaft Geyserville und andere Siedlungen, darunter viele Weingüter. Die Besitzerin der Kellerei „Jackson Family Wines“ habe ihr Haus verloren, berichtete die Zeitung „San Francisco Chronicle“. Der US-Regisseur und Weingutbetreiber Francis Ford Coppola teilte auf seiner Firmenwebseite mit, sein Weingut in Geyserville sei nicht akut gefährdet.

„Das ist die neue Normalität, in der wir leben“, beklagte der Bürgermeister der nahe gelegenen Ortschaft Healdsburg, David Hagele, mit Blick auf die schweren Brände der vergangenen Jahre in der Gegend. „Es ist entmutigend und für viele Menschen beängstigend, weil es viele Erinnerungen an die Ereignisse vor ein paar Jahren weckt.“

Der Waldbrand in der nordkalifornischen Ortschaft Paradise, der im November vergangenen Jahres 85 Menschen in den Tod riss, soll durch defekte Stromleitungen ausgelöst worden sein. Starker Wind und eine trockene Vegetation trugen dazu bei, dass sich das Feuer extrem schnell ausbreitete.

Auch 2017 war für Nordkalifornien wegen andauernder Trockenheit ein besonders schlimmes Waldbrandjahr gewesen. In den Weinregionen um Sonoma und Napa hatten damals fast 6.000 Gebäude zerstört. 44 Menschen starben, zeitweise waren 100.000 Anrainer vor den Flammen auf der Flucht.




Kommentieren