Letztes Update am Fr, 25.10.2019 19:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


39 Leichen in Lkw - Mutmaßliche Schlepper festgenommen



Nach dem Fund von 39 Leichen in einem Lastwagen in Großbritannien ist am Freitag ein vierter Verdächtiger festgenommen worden. Der 48-jährige Mann komme aus Nordirland und stehe im Verdacht, an Menschenhandel und Totschlag beteiligt gewesen zu sein, teilte die Polizei mit. Zuvor waren bereits ein 38-jähriger Mann und eine gleichaltrige Frau festgenommen worden.

Der bereits zuvor festgenommene, in Nordirland wohnhafte Fahrer des Lastwagens, in dem die Leichen gefunden worden waren, stehe weiter unter Mordverdacht und bleibe in Haft, teilte die Polizei weiter mit. Der Inhaftierungsbeschluss gegen ihn sei am Donnerstag verlängert worden. Im Internet kursierten Online-Petitionen, in denen seine Freilassung gefordert wird.

Unklar blieb zunächst, ob er oder jemand anderes die Polizei informiert hat und was er über den Inhalt des Aufliegers wusste. Die Zugmaschine war aus Irland gekommen, der Auflieger kam über den belgischen Hafen Zeebrugge nach Purfleet. Die Zugmaschine transportierte ihn dann in ein Industriegebiet in Grays. Wann und wo die Menschen in den Lkw gelangten, ist derzeit völlig unklar.

Alle 39 in dem Lastwagen-Anhänger entdeckten Leichen werden in einem Krankenhaus in Chelmsford obduziert. Die ersten elf Toten wurden am Donnerstagabend - begleitet von einer Polizeieskorte - in die Einrichtung gebracht. Die Obduktionen sollten noch am Freitag beginnen.

Die Opfer, 31 Männer und acht Frauen, stammen nach Angaben der britischen Polizei aus China. Nach Informationen der britischen BBC könnten darunter mindestens sechs Vietnamesen sein. Der Sender wisse von sechs vietnamesischen Familien, die befürchteten, dass Verwandte unter den Opfern sind, hieß es in dem am Freitag veröffentlichten Bericht.

Experten rechnen mit sehr langen Untersuchungen nach dem grausigen Fund. Die formelle Identifizierung werden den Obduktionen folgen, teilte die Polizei am Freitag weiter mit. „Das wird ein langer aber entscheidender Teil dieser Untersuchung“, hieß es. Auch die belgischen Behörden ermitteln.

Die Leichen waren in der Nacht auf Mittwoch im Laderaum des Lastwagens im Ort Grays östlich von London entdeckt worden. Die Umstände deuten stark darauf hin, dass es sich bei den Opfern um ins Land geschleuste Migranten handelt. Möglicherweise sind die Menschen im Laderaum erfroren, da der große Lkw-Sattelauflieger zur Kühlung geeignet ist. Offiziell bestätigt wurde die Todesursache zunächst nicht.

Der Sattelauflieger kam aus Belgien per Schiff und erreichte in der Nacht zum Mittwoch den englischen Hafen Purfleet. Der Chef des Hafens in Zeebrugge, Joachim Coens, sagte dem belgischen Fernsehsender VRT, es sei „höchst unwahrscheinlich“, dass die Menschen in Belgien in den Anhänger gestiegen seien. „Ein Kühlcontainer kommt hier vollständig versiegelt an. Bei der Inspektion wird die Dichtung überprüft und auch das Nummernschild und der Fahrer wird mit Kameras überprüft“, sagte Coens. Anschließend werde die Fracht auf ein Schiff verladen.




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