Letztes Update am Sa, 26.10.2019 13:01

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kurdenabzug aus Nordsyrien läuft laut Türkei „nach Plan“



Aus Sicht der Türkei läuft während einer Feuerpause in Nordsyrien der Abzug von Kurdenmilizen „nach Plan“. Das sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge am Samstag nach Gesprächen mit NATO-Verteidigungsministern in Brüssel.

Die Türkei hatte am Dienstag mit Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung eine Einigung zur gemeinsamen Kontrolle von Grenzgebieten in Nordsyrien getroffen. Sie folgte auf eine international massiv kritisierte Militäroffensive der Türkei gegen die kurdische YPG-Miliz im syrischen Grenzgebiet zur Türkei und lief auf eine Waffenruhe hinaus. Die Türkei betrachtet die YPG als Terrororganisation. Ziel der Offensive war eine Zone in Nordsyrien unter türkischer Kontrolle, aus der sich alle Kurdenmilizen zurückziehen sollten.

Das Abkommen mit Russland sollte den YPG-Kämpfern die Gelegenheit zum Abzug geben. Der sollte nach 150 Stunden oder etwas mehr als sechs Tagen abgeschlossen sein. Akar zufolge wird das mit Russland ausgehandelte Waffenruhe-Abkommen am kommenden Dienstag um 18.00 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MEZ) auslaufen. „Bis dahin werden wir die Geschehnisse aus nächster Nähe beobachten. Wir werden die darauf folgende Situation abermals beurteilen und das Nötige tun“, sagte er. Nach dem vollständigen Abzug sollen gemeinsame türkisch-russische Patrouillen im Gebiet beginnen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan und türkische Minister hatten mehrfach gedroht, dass die Türkei ihre Militäroffensive wieder aufnehmen werde, sollten die Kurdenkämpfer die Gebiete nicht vollständig verlassen. Russland hatte die Kurden gewarnt, dass es dann zu direkten Kämpfen mit der Türkei kommen könne. Russische und syrischen Truppen, die in der Region stationiert wurden, um den Abzug zu kontrollieren, böten ihnen dann keinen Schutz.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) ist am Samstag für einen Kurzbesuch in Ankara, um bei seinem Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu auf eine dauerhafte Feuerpause zu dringen.

Die Türkei zeigte sich offen für Gespräche über den deutschen Plan für eine international kontrollierte Schutzzone in Nordsyrien. „Dies ist ein Thema, über das man sprechen kann“, sagte Akar.

Russland warf den USA unterdessen „Gangstertum“ im Osten Syriens vor, weil Washington dort zusätzliche Truppen zur Sicherung der Ölfelder stationieren will. Die Ölfelder zu „besetzen und unter Kontrolle zu bringen“, sei nichts anderes als „internationales Gangstertum“, kritisierte das russische Verteidigungsministerium.

Es reagierte damit auf Pläne des US-Verteidigungsministeriums, zusätzliche Militärkräfte, darunter möglicherweise auch Panzer, zu den Ölfeldern in der ostsyrischen Provinz Deir ez-Zor (Essor) zu entsenden. US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte gesagt, damit solle verhindert werden, dass die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) wieder Zugang zu den Einnahmen aus den Ölquellen erhalte.




Kommentieren