Letztes Update am Sa, 26.10.2019 15:47

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mehr als 1.000 Rekruten am Heldenplatz angelobt



Die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag haben am Samstag im Haus der Geschichte begonnen. Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Mitglieder der Bundesregierung begutachteten die berühmte Ostarrichi-Urkunde. Anschließend fand die traditionelle Kranzniederlegung statt. Danach wurden auf dem Heldenplatz mehr als 1.000 Rekruten, davon sechs Frauen, angelobt.

Nach Reden von Verteidigungsminister Thomas Starlinger, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig, Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Bundespräsident Alexender Van der Bellen legten sie ihr Gelöbnis ab und versprachen, der Republik Österreich zu dienen.

Einig waren sich die Festredner bezüglich der schlechten finanziellen Lage des Bundesheeres. Auch Bürgermeister Ludwig plädierte dafür, dass die Rekruten „mit den Ressourcen ausgestattet werden, die sie brauchen“. Er wünschte ihnen, dass sie beim Bundesheer „viel Freundschaft, viel Kameradschaft“ erleben werden, auch wenn es wohl so manchen „drückenden Dienst“ geben werde.

Kanzlerin Bierlein sah den Nationalfeiertag auch als Gelegenheit zur Besinnung. „Das Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs markiert einen Wendepunkt in der Geschichte unseres Landes“, so die Kanzlerin. „Es setzte einen Schlusspunkt unter eine schreckliche Epoche von Krieg, Vernichtung und Besatzung.“ Gleichzeitig sei damit aber auch der Beginn einer neuen Ära eingeläutet worden, betonte Bierlein. „Heute steht unser Land für Freiheit, Frieden und Wohlstand und gilt international als Ort der diplomatischen Brücken und des Ausgleichs.“

Die Europäische Union bezeichnete Bierlein in ihrer Rede als „erfolgreichstes Friedensprojekt der Geschichte“. Nur ein starkes Europa mit verbindenden Werten wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten könne weiterhin Garant für die Sicherung des Friedens und des Wohlstands sein, sagte sie.

Präsident Alexander Van der Bellen leitete seine Ansprache mit einem kleinen Rückblick ein. „Wir haben ein ereignisreiches politisches Jahr hinter uns“, sagte er auf dem Heldenplatz. Nach dem „verstörenden Ibiza-Skandal“ wurde erstmals „eine Regierung angelobt, die nicht aus einer Mehrheit des Nationalrates hervorging“, fuhr der Bundespräsident fort. Sowohl die Bundesverfassung als auch die staatlichen Institutionen hätten „diese Prüfung bestanden“, sagte er. Obwohl man darauf durchaus stolz sein könne, habe die zukünftige Regierung „einige Herausforderungen“ zu bewältigen, warnte Van der Bellen. An die derzeit verhandelnden Parteien richtete er den Appell: „Finden Sie gemeinsam die beste Lösung für Österreich.“

Bei der traditionellen Kranzniederlegung schritten Van der Bellen und Starlinger zur Weihehalle im Äußeren Burgtor. Am Ehrendenkmal für verunglückte und gefallene Soldaten legten sie im Gedenken einen Kranz ab. Wenig später taten das auch Kanzlerin Bierlein, die gesamte Bundesregierung und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. Die Militärmusik spielte die Bundeshymne. Anschließend trugen sich die Regierungsmitglieder ins Ehrenbuch ein.

Stundenlanges Warten auf ein Foto mit dem Idol, Autogrammwünsche und Applaus: Was nach einem Popkonzert klingt, prägte auch heuer wieder den Nationalfeiertag. Parlament, Bundeskanzleramt und die Präsidentschaftskanzlei luden zum Tag der offenen Tür und unzählige Besucher warteten geduldig, um einen Blick in die Amtsräume der Republik zu werfen und die Spitzen des Staates zu treffen.

„Herein in die gute Stube“ - mit diesen Worten öffnete Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) das Tor zum Parlament am Josefsplatz und machte damit dem Warten jener Besucher, die schon Samstagfrüh Schlange standen, um einen Blick in die Übergangsräumlichkeiten des Hohen Hauses in der Hofburg zu werfen, ein Ende. Auch seine Amtskollegen Doris Bures (SPÖ) und Norbert Hofer (FPÖ) wünschten den Besuchern aus dem In- und Ausland „Welcome“ bzw. „Guten Morgen“.

Im Sitzungssaal des Nationalrats stellten sich die Gäste erneut an, diesmal für ein Foto am Rednerpult. Die Wartezeit vertrieben ihnen Mitarbeiter, die die Sitzordnung im neu gewählten Nationalrat erklärten und über die Abläufe im Parlament informierten. Nebenan im Kleinen Redoutensaal präsentierten sich die Parlamentsklubs und verteilten Goodies in den Parteifarben.

Großer Andrang herrschte auch vor der Präsidentschaftskanzlei, wo sich schon Stunden vor Einlass die Massen versammelten. Kurz nach 12 Uhr traten Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer schließlich vor die Menge. „Danke fürs Warten“, begrüßte Van der Bellen die Besucher. „Dass muss auch einmal gesagt werden, dass Sie einer der besten Präsidenten sind, den Österreich je hatte“, lobte eine junge Frau Van der Bellen. Zum Abschluss lud der Präsident die Besucher zum „Österreich-Fest“ im Inneren Burghof ein, wo am Nachmittag Gulasch, Tee und Schlagzeug-Star Martin Grubinger geboten werden.

Die Leistungsschau des Bundesheeres bietet den ganzen Tag über Unterhaltung für die Besucher am Heldenplatz. Am Nachmittag findet im Inneren Burghof das „Österreich-Fest“ statt, wo Schlagzeuger Martin Grubinger mit seinem Percussive Planet Ensemble auftreten wird.

Österreich feiert mit seinem Nationalfeiertag die „immerwährende Neutralität“, die der Nationalrat am 26. Oktober 1955 beschlossen hat. Als Nationalfeiertag gilt der 26. Oktober seit 1965. Im „Bundesgesetz über den österreichischen Nationalfeiertag“ wird die Wahl des Termins erstmals mit dem Beschluss des Neutralitätsgesetzes begründet. 1967 wurde der Nationalfeiertag auch zum arbeitsfreien, gesetzlichen Feiertag.




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