Letztes Update am Sa, 26.10.2019 17:07

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nationalfeiertag: Feierlichkeiten im Zeichen des Gemeinsamen



Österreich hat seinen Nationalfeiertag zelebriert. Mit vielen Attraktionen bildete der Heldenplatz das Zentrum des Geschehens: In der Früh legten Bundespräsident Alexander Van der Ballen und die Regierung Kränze zum Gedenken an die Soldaten nieder. Das Bundesheer lud zur Leistungsschau, während Institutionen wie das Parlament Tag der offenen Tür hatten. Appelliert wurde an das Gemeinsame.

Mit dem Nationalfeiertag feiert Österreich die „immerwährende Neutralität“, die der Nationalrat am 26. Oktober 1955 beschlossen hat. Aus diesem Anlass wurde im Haus der Geschichte heuer auch die Ostarrichi-Urkunde ausgestellt, in der Österreich 996 zum ersten Mal erwähnt worden ist. Bereits in der Früh kamen mit Kanzlerin Brigitte Bierlein und der Bundesregierung die ersten prominenten Gäste, um einen Blick auf die Urkunde zu werfen. Die Urkunde ist für eine Woche lang in Wien ausgestellt, auch am Nachmittag standen noch immer viele Menschen Schlange, um sie - am Nationalfeiertag bei freiem Eintritt - zu sehen.

Die traditionellen Kranzniederlegungen zum Nationalfeiertag fanden am Samstag bei bestem Herbstwetter statt. Zu Beginn schritt Van der Bellen begleitet von Verteidigungsminister Thomas Starlinger zur Weihehalle im Äußeren Burgtor. Am Ehrendenkmal für verunglückte und gefallene Soldaten legten sie im Gedenken einen Kranz ab. Wenig später taten das auch Kanzlerin Bierlein, die gesamte Bundesregierung und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka. Die Militärmusik spielte die Bundeshymne. Anschließend trugen sich die Regierungsmitglieder ins Ehrenbuch ein.

Feierliche Stimmung herrschte im Anschluss auch bei der Angelobung von mehr als 1.000 Rekruten auf dem Heldenplatz. Einig waren sich die Festredner bezüglich der schlechten finanziellen Lage des Bundesheeres. Auch Bürgermeister Ludwig plädierte dafür, dass die Rekruten „mit den Ressourcen ausgestattet werden, die sie brauchen“. Er wünschte ihnen, dass sie beim Bundesheer „viel Freundschaft, viel Kameradschaft“ erleben werden, auch wenn es wohl so manchen „drückenden Dienst“ geben werde.

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Verteidigungsminister Thomas Starlinger hob in seiner Ansprache die „besondere Bedeutung“ des Nationalfeiertags hervor und pries die Neutralität Österreichs. Dass das Heer in finanziellen Nöten ist, bringe auch Risiken mit sich, betonte der Minister zum wiederholten Mal. „Was ich fordere ist keine Luxusarmee“, sagte er und verlangte nach einer schrittweisen Anhebung des Heeresbudgets.

Kanzlerin Bierlein sah den Nationalfeiertag in ihrer Rede auch als Gelegenheit zur Besinnung. „Das Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs markiert einen Wendepunkt in der Geschichte unseres Landes“, so die Kanzlerin. „Es setzte einen Schlusspunkt unter eine schreckliche Epoche von Krieg, Vernichtung und Besatzung.“ Gleichzeitig sei damit aber auch der Beginn einer neuen Ära eingeläutet worden, betonte Bierlein am Heldenplatz. „Heute steht unser Land für Freiheit, Frieden und Wohlstand und gilt international als Ort der diplomatischen Brücken und des Ausgleichs.“

Präsident Van der Bellen leitete seine Ansprache mit einem kleinen Rückblick ein. „Wir haben ein ereignisreiches politisches Jahr hinter uns“, sagte er vor den Rekruten und vielen Zuschauern auf dem Heldenplatz. Nach dem „verstörenden Ibiza-Skandal“ wurde erstmals „eine Regierung angelobt, die nicht aus einer Mehrheit des Nationalrates hervorging“, fuhr der Bundespräsident fort. Sowohl die Bundesverfassung als auch die staatlichen Institutionen hätten „diese Prüfung bestanden“, sagte er. Obwohl man darauf durchaus stolz sein könne, habe die zukünftige Regierung „einige Herausforderungen“ zu bewältigen, warnte Van der Bellen. An die derzeit verhandelnden Parteien richtete er den Appell: „Finden Sie gemeinsam die beste Lösung für Österreich.“

Im Anschluss an die Angelobung empfingen Van der Bellen und Bierlein interessierte Gäste aus der Bevölkerung in ihren Arbeitsräumen. Auch im Parlament und in vielen Ministerien und Museen waren die Pforten für Besucher geöffnet. Der Andrang war groß, die Leute standen für Autogramme und Selfies Schlange.

Die Leistungsschau des Bundesheeres sorgte am Heldenplatz trotz einer abgespeckten Variante für regen Besucherandrang. Laut Bundesheer besuchten rund 700.000 Wienerinnen und Wiener die Schau. In Innsbruck, wo es eine Außenstelle gab, kamen einer Aussendung zufolge 45.000 Menschen.

Den Abschluss der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag bildete das „Österreich-Fest“ im Inneren Burghof, zu dem Präsident Van der Bellen auch Schlagzeuger Martin Grubinger eingeladen hatte. Dieser unterhielt das Publikum gemeinsam mit der Jazzcombo der Militärmusik und bot damit einen schwungvollen Ausklang eines von herrlichem Wetter umrahmten Nationalfeiertags.

In seiner TV-Ansprache am Abend erinnerte Van der Bellen ebenfalls an das Gemeinsame, das nicht vergessen werden sollte. „Im Gemeinsamen liegt oft die bessere Lösung“, sagte er und forderte erneut, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen. Um diese Suche nach dem Gemeinsamen gehe es auch bei den Gesprächen zur Regierungsbildung, spielte Van der Bellen auf die aktuelle politische Lage an.




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