Letztes Update am So, 27.10.2019 13:24

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Berichte über Tod von IS-Anführer Al-Baghdadi



Das US-Militär hat Medienberichten zufolge IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi in Syrien ins Visier genommen und angegriffen. Der Sondereinsatz habe am Samstag im Nordwesten Syriens stattgefunden, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf hochrangige Vertreter des Verteidigungsministeriums. Al-Baghdadi sei bei dem Einsatz vermutlich getötet worden.

Eine endgültige Bestätigung durch DNA-Tests und biometrische Überprüfungen stehe allerdings noch aus, berichtete CNN mit Verweis auf geheime Quellen. Der Auslandsgeheimdienst CIA habe beim Orten des IS-Führers geholfen. Das Weiße Haus hatte zuvor angekündigt, Präsident Donald Trump werde am Sonntagvormittag (Ortszeit, 14.00 Uhr MEZ) ein „bedeutendes Statement“ abgeben. Trump selbst twitterte: „Etwas sehr Wichtiges hat sich gerade ereignet!“ Einzelheiten dazu wurden aber nicht mitgeteilt.

Auch „Newsweek“ berichtete unter Berufung auf einen Mitarbeiter der US-Armee, Al-Baghdadi sei bei dem streng geheimen Einsatz in der letzten von den Islamisten beherrschten Hochburg in Idlib getötet worden. Das Verteidigungsministerium habe dem Weißen Haus mitgeteilt, dass das getötete „hochrangige Ziel“ mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ Al-Baghdadi gewesen sei.

Einem hochrangigen Pentagon-Mitarbeiter zufolge habe es ein kurzes Gefecht gegeben, als die US-Streitkräfte das Gelände betreten hätten, berichtete „Newsweek“. Al-Baghdadi habe sich dann mit einem Sprengstoffgürtel selbst getötet. Familienangehörige seien anwesend gewesen. Kinder seien nicht verletzt worden, aber zwei Frauen Al-Baghdadis seien getötet worden, möglicherweise durch die Explosion des Sprengstoffgürtels.

Die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ berichtete, dass sich der Einsatz in der Nähe von Barisha nördlich von Idlib ereignet habe. In der Gegend seien Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) sowie der islamistischen Miliz Hurras al-Din aktiv. Aktivisten in Idlib berichteten der Beobachtungsstelle von unbekannten Hubschraubern.

Der Aufenthaltsort des bereits mehrfach für tot erklärten Al-Baghdadi ist unbekannt. Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 22 Millionen Euro) ist er einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Zuletzt hatte der IS im April ein Video mit Al-Baghdadi verbreitet, in dem er dem Westen mit Angriffen drohte.

Details über die Biografie von Abu Bakr al-Baghdadi, den selbst ernannten „Kalifen Ibrahim“, sind mit Vorsicht zu genießen. Häufig lassen sie sich nicht verifizieren. Lange Zeit wusste kaum jemand, wie der Chef der Terrormiliz IS aussieht, da es nur zwei Fotos von ihm gab.

Wenige Tage nach Ausrufung des Kalifats Ende Juni 2014 tauchte er dann völlig überraschend in einer Moschee in der nordirakischen Stadt Mosul auf, wo er die Freitagspredigt hielt. Danach aber zeigte er sich lange nicht mehr. Immer wieder gab es Gerüchte, er sei bei Angriffen verletzt oder sogar getötet worden. Erst im April - nach dem endgültigen Zerfall des vom IS ausgerufenen Kalifats - zeigte er sich noch ein zweites Mal in einem Video. Zwischendurch verbreitete der IS vereinzelt Audio-Botschaften seines Anführers.

Al-Baghdadi wurde 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien. Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein im Jahr 2003 saß er eine Zeit lang in einem US-Gefängnis im Irak.

Im Jahr 2010 übernahm Al-Baghdadi die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, der damals noch „Islamischer Staat im Irak“ hieß. Nach und nach begann die Gruppe, sich nach Syrien auszudehnen. Darüber brach Al-Baghdadi mit Al-Kaida, weil er nicht die Forderung der Führung des Terrornetzwerkes akzeptieren wollte, sich auf den Irak zu beschränken.

Mit Ausrufung des Kalifats benannte sich die Terrormiliz in „Islamischer Staat“ um. Damit verbunden war der Anspruch, alle Muslime weltweit zu vereinen und zu führen. Nach und nach verlor der IS jedoch sein Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien wieder. Offiziell galt der IS mit dem Fall seines letztes Rückzugsorts im ostsyrischen Baghouz als besiegt.

Noch vor wenigen Monaten ging die von den USA geführte Anti-IS-Koalition aber in einem Bericht davon aus, dass sich noch zwischen 14.000 und 18.000 IS-Angehörige im früheren Herrschaftsgebiet der Islamisten zwischen Syrien und dem Irak aufhalten sollen. Mittlerweile sind IS-Ableger in zahlreichen Ländern aktiv.

Nach den Berichten über den Tod von al-Baghdadi begrüßten die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) eine „historische Operation“. SDF-Kommandant Maslum Abdi sprach am Sonntagvormittag im Kurzbotschaftendienst Twitter von einem „gelungenen“ Einsatz, der auf eine „gemeinsame Geheimdienst-Arbeit“ der Kurdenmiliz mit den USA zurückgehe.

Allerdings bestätigte Abdi den Tod al-Bagdadis nicht explizit. US-Medien hatten wenige Stunden zuvor berichtet, dass der Anführer der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) bei einem US-Angriff in der syrischen Provinz Idlib gestorben sei. Er soll demnach eine Sprengstoffweste gezündet haben, als die US-Spezialkräfte angriffen. Wie der Fernsehsender CNN berichtete, will das US-Militär den Tod des IS-Anführers erst bestätigen, wenn alle Tests zur Identifizierung des Toten abgeschlossen sind.

Der irakische Geheimdienst teilte nach eigenen Angaben der US-geführten Anti-IS-Koalition den genauen Aufenthaltsort von al-Baghdadi mit und lieferte so die Voraussetzung für den US-Angriff. „Wir haben kontinuierlich mit der CIA zusammengearbeitet und wichtige Informationen weitergegeben, die der irakische Staatsgeheimdienst über Baghdadis Bewegungen und sein Versteck hatte“, sagte ein Vertreter des Geheimdienstes am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters.




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