Letztes Update am So, 27.10.2019 16:55

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


IS-Anführer Al-Baghdadi starb laut Trump „wie ein Feigling“



Der Anführer der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, ist laut US-Präsident Donald Trump „wie ein Hund“ und „wie ein Feigling“ gestorben. Der IS-Chef sei „wimmernd und weinend und schreiend“ in den Tunnel geflüchtet. Dabei habe er drei seiner kleinen Kinder mit „sich gezerrt“. Diese wurden laut Trump ebenfalls durch die Explosion der Sprengstoffweste getötet.

DNA-Testergebnisse hätten eindeutig bestätigt, dass es sich bei dem Toten um Baghdadi handle. Nach dem IS-Anführer hatten die US-Geheimdienste und -Streitkräfte jahrelang gefahndet, er galt als der meistgesuchte Mann der Welt. „Die Welt ist nun ein viel sicherer Ort“, sagte Trump zum Tod des IS-Chefs. Nach seinen Angaben wurden bei dem Einsatz von US-Spezialkräften auch eine „große Zahl“ von IS-Kämpfern getötet und wichtiges Material zu den Planungen der Extremisten gefunden.

Tote oder Verletzte unter den US-Soldaten gab es hingegen nicht, wie Trump mitteilte. Lediglich einer der von den Spezialkräften eingesetzten Hunde sei verletzt worden. Baghdadi war demnach vor dem Angriff bereits wochenlang beobachtet worden. Bei dem „gefährlichen und gewagten“ Einsatz seien dann acht US-Militärhubschrauber am Versteck des IS-Anführers gelandet.

Die US-Soldaten seien aus dem US-Gebäude heraus beschossen worden, dieses Feuer sei aber rasch gestoppt worden, sagte Trump. Die US-Soldaten sprengten sich nach seiner Schilderung dann ihren Weg hinein in das Gebäude. Aus dem Anwesen wurden laut Trump während des Einsatzes elf Kinder unversehrt herausgeholt. Ob darunter auch Kinder des IS-Anführers waren, blieb zunächst unklar.

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Trump sagte weiter, auch zwei von Baghdadis Ehefrauen seien ums Leben gekommen. Sie hätten Sprengstoffwesten getragen, die aber nicht gezündet worden seien. Mehrere IS-Kämpfer seien gefangen genommen worden - allerdings weniger, als getötet worden seien. Die genaue Anzahl der Toten werde noch bekannt gegeben.

Trump sagte, er habe den Einsatz ab ungefähr 17 Uhr (Ortszeit/23 Uhr MESZ) am Samstag live im Lagezentrum im Weißen Haus verfolgt. Bei ihm seien unter anderem Vizepräsident Mike Pence, Verteidigungsminister Mark Esper und der Sicherheitsberater Robert O‘Brien gewesen.

Trump dankte Russland, der Türkei und Syrien, die bei dem Einsatz geholfen hätten. Die US-Spezialkräfte seien mit acht Hubschraubern zum Einsatzort geflogen. Dabei seien auch von Russland und der Türkei kontrollierte Gegenden überflogen worden. „Wir haben mit den Russen gesprochen. Wir haben ihnen gesagt, dass wir reingehen.“

Auch die Türkei sei informiert worden. Das Ziel des Einsatzes habe man aber nicht mitgeteilt. Den Kongress habe er nicht informiert, um die Mission geheim zu halten. Ausgeführt hätten den Einsatz ausschließlich US-Soldaten.

Die Flüge ins Einsatzgebiet und wieder heraus seien „sehr, sehr gefährlich“ gewesen, sagte der US-Präsident. Die Hubschrauber seien von Unbekannten beschossen worden, die Angreifer seien aber unschädlich gemacht worden.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fand der Angriff nahe dem Ort Barisha in der Provinz Idlib statt. Barisha liegt nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Über den Aufenthaltsort Baghdadis war seit Jahren gerätselt worden. Immer wieder wurde er auch fälschlich für tot erklärt. In der Öffentlichkeit trat der IS-Anführer nur einmal auf, als er im Juli 2014 in einer Moschee im nordirakischen Mossul ein „Kalifat“ in Syrien und im Irak ausrief. Zeitweise dehnte sich das „Kalifat“ auf ein Gebiet aus, in dem mehrere Millionen Menschen lebten. Dort errichteten die IS-Islamisten eine Schreckensherrschaft mit willkürlichen Erschießungen, dem Abschlagen von Köpfen, Vergewaltigungen, Versklavungen, Plünderungen und Geiselnahmen.

Eine internationale Koalition unter Führung der USA zusammen mit nationalen Soldaten im Irak und kurdischen Milizen in Syrien eroberten dann in erbitterten Kämpfen nach und nach die IS-Gebiete zurück. Im Ausland, darunter auch in europäischen Städten, verübten IS-Anhänger immer wieder blutige Anschläge.

Zuletzt hatte der IS im April ein Video veröffentlicht, das Baghdadi zeigen soll. Darin rief er seine Anhänger auf, den Kampf trotz des Verlusts ihres „Kalifats“ fortzusetzen. Der Tod Baghdadis ist der wichtigste Schlag gegen einen führenden Jihadisten seit US-Sondereinsatzkräfte am 2. Mai 2011 den Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden in seinem Versteck in Pakistan aufgespürt und getötet hatten.

Für Trump kommt der Erfolg zu einem überaus günstigen Zeitpunkt: In den vergangenen Wochen hatte er heftige Kritik - auch aus der eigenen Republikanischen Partei - für den US-Truppenabzug aus Nordsyrien einstecken müssen. Mit dem Abzug hatte Trump den Weg für die türkische Großoffensive gegen kurdische Kämpfer in Nordsyrien frei gemacht, wo immer noch tausende IS-Anhänger in kurdischen Lagern und Gefängnissen inhaftiert sind.

Der Präsident betonte, er halte fest zu seinem Ziel, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen. „Wir wollen nicht für die nächsten 200 Jahre Soldaten zwischen Syrien und der Türkei behalten.“ Zunächst würden die US-Truppen aber die Ölfelder im Osten Syriens sichern.

Trump sagte, der Tod Baghdadis sei auch ein Signal an andere Terroristen, die „niemals ruhig schlafen“ sollten. Sie würden ihrem Schicksal nicht entkommen. „Wir werden damit fortfahren, die verbliebenen IS-Terroristen bis zu ihrem brutalen Ende zu verfolgen.“ Baghdadi und „die Verlierer, die für ihn gearbeitet haben“, hätten keine Ahnung, auf was sie sich eingelassen hätten. „Er war ein kranker und verdorbener Mann. Und jetzt ist er weg.“




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