Letztes Update am So, 27.10.2019 21:14

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


IS-Anführer Al-Baghdadi starb laut Trump „wie ein Feigling“



Der Anführer der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, ist laut US-Präsident Donald Trump „wie ein Hund“ und „wie ein Feigling“ gestorben. Der IS-Chef sei „wimmernd und weinend und schreiend“ in den Tunnel geflüchtet. Dabei habe er drei seiner kleinen Kinder mit „sich gezerrt“. Diese wurden laut Trump ebenfalls durch die Explosion der Sprengstoffweste getötet.

DNA-Testergebnisse hätten eindeutig bestätigt, dass es sich bei dem Toten um Baghdadi handle. Nach dem IS-Anführer hatten die US-Geheimdienste und -Streitkräfte jahrelang gefahndet, er galt als der meistgesuchte Mann der Welt. „Die Welt ist nun ein viel sicherer Ort“, sagte Trump zum Tod des IS-Chefs. Nach seinen Angaben wurden bei dem Einsatz von US-Spezialkräften auch eine „große Zahl“ von IS-Kämpfern getötet und wichtiges Material zu den Planungen der Extremisten gefunden.

Tote oder Verletzte unter den US-Soldaten gab es hingegen nicht, wie Trump mitteilte. Lediglich einer der von den Spezialkräften eingesetzten Hunde sei verletzt worden. Baghdadi war demnach vor dem Angriff bereits wochenlang beobachtet worden. Bei dem „gefährlichen und gewagten“ Einsatz seien dann acht US-Militärhubschrauber am Versteck des IS-Anführers gelandet.

Die US-Soldaten seien aus dem US-Gebäude heraus beschossen worden, dieses Feuer sei aber rasch gestoppt worden, sagte Trump. Die US-Soldaten sprengten sich nach seiner Schilderung dann ihren Weg hinein in das Gebäude. Aus dem Anwesen wurden laut Trump während des Einsatzes elf Kinder unversehrt herausgeholt. Ob darunter auch Kinder des IS-Anführers waren, blieb zunächst unklar.

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Trump sagte weiter, auch zwei von Baghdadis Ehefrauen seien ums Leben gekommen. Sie hätten Sprengstoffwesten getragen, die aber nicht gezündet worden seien. Mehrere IS-Kämpfer seien gefangen genommen worden - allerdings weniger, als getötet worden seien. Die genaue Anzahl der Toten werde noch bekannt gegeben.

Trump sagte, er habe den Einsatz ab ungefähr 17 Uhr (Ortszeit/23 Uhr MESZ) am Samstag live im Lagezentrum im Weißen Haus verfolgt. Bei ihm seien unter anderem Vizepräsident Mike Pence, Verteidigungsminister Mark Esper und der Sicherheitsberater Robert O‘Brien gewesen.

Trump dankte Russland, der Türkei und Syrien, die bei dem Einsatz geholfen hätten. Die US-Spezialkräfte seien mit acht Hubschraubern zum Einsatzort geflogen. Dabei seien auch von Russland und der Türkei kontrollierte Gegenden überflogen worden. „Wir haben mit den Russen gesprochen. Wir haben ihnen gesagt, dass wir reingehen.“

Auch die Türkei sei informiert worden. Das Ziel des Einsatzes habe man aber nicht mitgeteilt. Den Kongress habe er nicht informiert, um die Mission geheim zu halten. Ausgeführt hätten den Einsatz ausschließlich US-Soldaten.

Die Flüge ins Einsatzgebiet und wieder heraus seien „sehr, sehr gefährlich“ gewesen, sagte der US-Präsident. Die Hubschrauber seien von Unbekannten beschossen worden, die Angreifer seien aber unschädlich gemacht worden.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fand der Angriff nahe dem Ort Barisha in der Provinz Idlib statt. Barisha liegt nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Die syrischen Kurden feierten den Tod Al-Baghdadis als „historische Errungenschaft“. Seine Tötung bei einem US-Einsatz in der syrischen Provinz Idlib sei „Ergebnis einer engen Zusammenarbeit“ zwischen den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) und den USA, teilten die SDF am Sonntag mit. Bei einem weiteren Militäreinsatz im Norden Syriens wurde nach Angaben der SDF auch der Sprecher des IS getötet. Ein ranghohes Mitglied der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sagte, der IS-Extremist sei am Sonntag in der Ortschaft Ain al-Bayda im Norden der Provinz Aleppo getötet worden.

Die Informationen über den Aufenthaltsort Al-Baghdadis stammten offenbar aus dem Irak. Der irakische Geheimdienst habe das Versteck des IS-Chefs lokalisiert, teilten die irakischen Sicherheitskräfte am Sonntag in Bagdad mit. Die US-Streitkräfte hätten ihren Militäreinsatz „auf dieser Basis“ ausgeführt. Wie ein Geheimdienstvertreter in Bagdad berichtete, konnte der irakische Geheimdienst Baghdadis Aufenthaltsort nach einem Telefonat orten, das eine der Frauen des IS-Anführers führte, während sie sich gemeinsam mit ihm in dem Versteck aufhielt. Ein anderer irakischer Regierungsvertreter berichtete, der Geheimdienst habe Informationen von einer weiteren Frau Baghdadis sowie von der Frau eines seiner Kuriere ausgewertet.

Über den Aufenthaltsort Baghdadis war seit Jahren gerätselt worden. Immer wieder wurde er auch fälschlich für tot erklärt. In der Öffentlichkeit trat der IS-Anführer nur einmal auf, als er im Juli 2014 in einer Moschee im nordirakischen Mossul ein „Kalifat“ in Syrien und im Irak ausrief. Zeitweise dehnte sich das „Kalifat“ auf ein Gebiet aus, in dem mehrere Millionen Menschen lebten. Dort errichteten die IS-Islamisten eine Schreckensherrschaft mit willkürlichen Erschießungen, dem Abschlagen von Köpfen, Vergewaltigungen, Versklavungen, Plünderungen und Geiselnahmen.

Das russische Verteidigungsministerium forderte Beweise für die Operation. Es gebe von den mutmaßlich beteiligten Seiten in Details widersprüchliche Angaben, die Zweifel aufkommen ließen, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow am Sonntag in Moskau. Es gebe keine überzeugenden Informationen, dass die USA in der von ihnen nicht kontrollierten Zone in Syrien solch eine Operation durchgezogen hätten, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums

Zuvor hatte Trump den Tod des IS-Anführers bestätigt. Dagegen meinte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, dass am Samstag oder in den vergangenen Tagen keine Luftschläge in der Idlib-Zone verzeichnet worden seien. Russland hat nicht nur eigene Truppen in Syrien. Die russische Weltraumaufklärung beobachtet das Geschehen dort auch mit Satelliten. Am Samstag hatte das Ministerium den USA massiven Ölschmuggel aus Syrien vorgeworfen und dazu Bilder veröffentlicht.

General Konaschenkow sagte auch, dass die Region von der militanten islamistischen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) dominiert werde. Der frühere Ableger der Terrororganisation Al-Kaida habe dort bisher alle IS-Zellen kompromisslos ausgelöscht. Dass sich der IS-Anführer ausgerechnet dort in aller Ruhe aufgehalten haben soll, müsse zumindest bewiesen werden.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass der Tod eines IS-Anführers auch keine Bedeutung habe, da die IS-Terrormiliz in Syrien seit Anfang 2018 ohnehin zerschlagen sei. Auf die Situation in Syrien habe die Mitteilung der USA keinen Einfluss. Die Gefahr sei durch die vielen Terroristen in der Region nicht gebannt.




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