Letztes Update am Mo, 28.10.2019 10:24

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kitzmüller: Bures bezweifelt strafrechtlichen Tatbestand



Nach einer am Sonntag bekannt gewordenen Anzeige gegen die ehemalige Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller wegen eines Abstimmungsfehlers im Nationalrat hat sich auch die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures dazu geäußert. Sie bezweifelt, „dass ein strafrechtlicher Tatbestand vorliegt“, sagte sie am Montag im Ö1-“Morgenjournal“.

Die Anzeige eines Wiener Anwalts lautet auf Amtsmissbrauch. Hintergrund ist eine Abstimmung im vergangenen September zur Auflösung von Vereinen der Identitären, der Antrag der Liste Jetzt war von Kitzmüller fälschlicherweise als abgelehnt gewertet worden. „Es kann einmal ein Fehler passieren“, verteidigte Bures ihre Kollegin im ORF-Radio. Eine solche Abstimmungspanne sei „erstmalig in dieser Form aufgetreten“, sagte sie. Grundsätzlich hätten die Präsidenten die Abstimmungen immer sehr „sorgsam“ durchgeführt.

Als „Vorteil“ bezeichnete Bures dem Umstand, dass es sich bei dem Antrag nicht um einen Gesetzesantrag, sondern um eine „Willenskundgebung des Parlaments“ in Form eines Entschließungsantrags gehandelt habe. Und auch andernfalls gäbe es Instanzen wie den Bundespräsidenten oder den Verfassungsgerichtshof, die „eine Gesetzesprüfung veranlassen könnten“, so Bures.

Der Rechts- und Legislativdienst des Nationalrats werde den Fall jedenfalls prüfen, kündigte die SPÖ-Politikerin an. Ihr stelle sich die Frage, ob Nationalratspräsidenten überhaupt Verwaltungsorgane sind. „Wir sind ja eigentlich Gesetzgebungsorgane“, sagte Bures.

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Im neuen, derzeit in Sanierung befindlichen Parlamentsgebäude soll es jedenfalls eine elektronische Abstimmungsanlage geben, bestätigte Bures Ankündigungen von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP). Im neuen Gebäude werden dafür „alle Vorkehrungen getroffen“, sagte Bures. In etwa zwei Jahren werde man ins neue Parlament übersiedeln, dort stehe „einer Abstimmungsanlage nichts mehr im Wege“. Bis dahin müsste man bei Abstimmungen im Nationalrat „besser aufpassen“, so Bures.

In der Diskussion um eine Direktwahl der SPÖ-Vorsitzenden spielt Bures unterdessen auf Zeit. Sie sprach sich dafür aus, dass man entsprechende Versuche zunächst einmal auf kommunaler Ebene erproben und dann schauen sollte, ob dies zu einer stärkeren Beteiligung der Mitglieder führen würde: „Diese Zeit können wir uns auch nehmen.“

Was die Führung der SPÖ angeht, stellte sich Bures klar hinter die aktuelle Vorsitzende, nahm sich selbst auf eine entsprechende Frage aber nicht ganz aus der Debatte heraus: „Man kann im Leben nie etwas ausschließen, aber wenn Sie mich heute fragen, kann ich sagen, dass wir mit Pamela Rendi-Wagner die richtige Frau an der Spitze der Sozialdemokratie haben und ich alle einlade sie zu unterstützen.“




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