Letztes Update am Mo, 28.10.2019 13:40

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verheerende Waldbrände in Kalifornien nicht zu bändigen



Verheerende Waldbrände fressen sich weiter durch Teile Kaliforniens. Die seit Tagen wütenden Brände haben bereits Dutzende Häuser zerstört und Zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Am verheerendsten sei derzeit das „Kincade“-Feuer im Sonoma County, einer Weinbauregion rund 120 Kilometer nördlich von San Francisco, teilten die Behörden mit.

Die Flammen breiteten sich auf einer Fläche von mehr als 100 Quadratkilometern aus - größer als die Fläche Manhattans. Rund 185.000 Menschen waren aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Rund 80 Anwesen und mindestens zwei Weingüter brannten ab. Mehr als 2.800 Helfer waren im Einsatz.

Zwei Feuerwehrleute seien beim Kampf gegen die Flammen verletzt worden, teilte die kalifornische Forst- und Brandschutz-Behörde mit. Einer von ihnen habe schwere Verbrennungen erlitten. Windböen von bis zu 160 Stundenkilometern fachten die Flammen immer wieder an. „Zu sagen, dass die Bedingungen einem Pulverfass gleichen, wäre wahrscheinlich untertrieben“, zitierte der „San Francisco Chronicle“ den Einsatzleiter Jonathan Cox. Der starke Wind wurde auch für den Tod einer Frau verantwortlich gemacht, die südlich von San Francisco von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde. In 43 der 58 Bezirken Kaliforniens gelte eine erhöhte Waldbrandgefahr.

Ein Ende der Feuer war vorerst nicht in Sicht: Der Nationale Wetterdienst warnte vor gefährlich starken Winden bei gleichzeitig niedriger Luftfeuchtigkeit bis einschließlich Montag. Diese angesichts der Stärke und Dauer der Winde bedrohliche Kombination könnte zur schnellen Ausweitung möglicher Brände führen.

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Auch im mexikanischen Bundesstaat Baja California - mehrere Hundert Kilometer weiter im Süden - wüteten Waldbrände. Am stärksten betroffen war die Gemeinde Ensenada an der Pazifikküste, wie Mexikos Zivilschutzbehörde am Samstag mitteilte. Am Freitag waren bei Bränden in der Region drei Menschen ums Leben gekommen, vier wurden verletzt. Hunderte Soldaten waren zur Brandbekämpfung im Einsatz.

Wegen der großen Waldbrandgefahr begann der Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG&E) am Samstagabend, fast einer Million Haushalten - das entspricht rund drei Millionen Menschen - in Nord- und Zentral-Kalifornien den Strom abzustellen. 940.000 Kunden mussten nach Angaben von PG&E bis Montag ohne Elektrizität auskommen - 90.000 mehr als zunächst geplant.

Bei starken Winden droht die Gefahr, dass Strommasten umstürzen oder Äste Leitungen abreißen und somit Feuer auslösen. Der Waldbrand in der nordkalifornischen Ortschaft Paradise, der im November vergangenen Jahres 85 Menschen das Leben gekostet hatte, soll durch defekte Stromleitungen verursacht worden sein.

Gouverneur Gavin Newsom, der für die betroffenen Regionen den Notstand ausgerufen hatte, warf dem privaten Versorger PG&E vor, die Blackouts seien das Ergebnis von „jahrelanger Gier, jahrelangem Missmanagement“. PG&E habe es versäumt, seine Anlagen zu modernisieren und sicherer zu machen, etwa durch Investitionen in unterirdische Kabel. Newsom kündigte an, das Unternehmen für die wirtschaftlichen Schäden und für die Kosten zur Kasse zu bitten.




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