Letztes Update am Mo, 28.10.2019 19:28

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Moskau und Riad würdigen US-Einsatz zur Tötung Baghdadis



Die Tötung des IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi bei einem US-Einsatz in Nordsyrien ist am Montag als Beitrag zum Kampf gegen den radikalen Islamismus gewürdigt worden. Sollte sich der Tod Baghdadis tatsächlich bestätigen, „können wir von einem beträchtlichen Beitrag des US-Präsidenten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus sprechen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau.

In Berlin betonte Regierungssprecher Steffen Seibert, der Kampf gegen den IS sei noch „nicht beendet“. US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag den Tod des Anführers der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bei einem US-Angriff im Nordwesten Syriens bekanntgegeben. Trump zufolge flüchtete Baghdadi während des Angriffs in einen Tunnel, zündete dort eine Sprengstoffweste und tötete damit sich selbst sowie drei seiner Kinder. Bei dem Einsatz sei auch eine „große Zahl“ von IS-Kämpfern und Begleitern Baghdadis getötet worden.

US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte im Sender CNN, die Regierung in Washington verfüge über visuelle und genetische Beweise, dass es sich bei dem Getöteten um Baghdadi handle. Russland hatte die Angaben zum Tod des IS-Anführers zunächst bezweifelt und erklärt, es gebe „keine verlässlichen Informationen“ über den US-Einsatz. Am Montag sagte Peskow, russische Armeeangehörige hätten „tatsächlich“ US-Flugzeuge sowie Drohnen in dem Gebiet im Nordwesten Syriens gesehen, sodass Trumps Angaben der Wahrheit entsprechen könnten.

Nach dem Tod von al-Baghdadi wollen die USA den Kampf gegen die Terrormiliz trotz reduzierter Truppenstärke in Syrien mit unverminderter Härte fortsetzen. „Unsere Mission in Syrien heute ist dieselbe wie zu Beginn unserer Operationen 2014: Die dauerhafte Niederlage des IS zu ermöglichen“, sagte Verteidigungsminister Mark Esper. Die Verlegung amerikanischer Truppen innerhalb Syriens solle das ermöglichen, während gleichzeitig ein Teil der Soldaten nach Hause geschickt werde, sagte Esper.

Auch Saudi-Arabien würdigte den US-Einsatz. „Das Königreich begrüßt die Bemühungen der US-Regierung, Mitglieder dieser Terrororganisation zu verfolgen, die das wahre Bild des Islam verzerrt“ und „Gräueltaten und Verbrechen begangen“ habe, erklärte das Außenministerium in Riad laut der staatlichen Nachrichtenagentur SPA.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte den US-Einsatz einen „Wendepunkt in unserem gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus“. Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin sagte, Ankara sei während der US-Militäraktion in „intensivem“ Austausch mit den USA gewesen. Er bestätigte damit entsprechende US-Angaben. Die Behauptung, die Kurden hätten den Einsatz unterstützt, nannte Kalin hingegen „inakzeptabel“. Laut Trump hatten die USA bei dem Angriff zur Tötung Baghdadis Unterstützung von Russland, Syrien, der Türkei und dem Irak. Auch den kurdischen Kräften dankte Trump.

Nach kurdischen Angaben wurde bei einem weiteren Militäreinsatz am Sonntag im Norden Syriens auch der IS-Sprecher Abu Hassan al-Muhajir getötet. Ein ranghohes Mitglied der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sagte, der IS-Extremist sei im Norden der Provinz Aleppo getötet worden. An dem Einsatz waren demnach der SDF-Geheimdienst sowie die US-Armee beteiligt. Muhajir sei die rechte Hand von Baghdadi gewesen.

Auch die US-Demokraten warnten vor einer weiteren Bedrohung durch den IS - vor allem angesichts der erst kürzlich getroffenen Entscheidung Trumps, US-Soldaten aus Syrien abzuziehen. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, forderte die Regierung dazu auf, die Kongresskammer über den Einsatz sowie Trumps allgemeine Nahost-Strategie zu informieren. Laut Pelosi waren hochrangige Vertreter im US-Kongress nicht über die Militäraktion informiert.

Nach Baghdadi hatten die USA jahrelang gefahndet, er galt als der meistgesuchte Mann der Welt. Der IS-Anführer hatte im Juli 2014 ein „Kalifat“ in Syrien und im Irak ausgerufen, in dem zeitweise mehrere Millionen Menschen lebten. Eine internationale Koalition unter Führung der USA zusammen mit nationalen Soldaten im Irak und kurdischen Milizen in Syrien eroberte dann nach und nach die IS-Gebiete zurück.




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